Colakraut (Artemisia abrotanum)

Familie
KorbblütlerArtemisia abrotanum - die Eberraute, Verwandte von Beifuß und Wermut
Verwendet wird
Das junge Krautfrisch; getrocknet verliert es den typischen Duft schnell
Geschmack
Cola und Zitroneüberraschend fruchtig für einen Beifuß - mit bitterem Nachklang
Herkunft
Südeuropa und Vorderasienseit dem Mittelalter Klostergarten- und Bauerngartenpflanze
Bekannt als
Colakrautein moderner Gartenmarketingname für eine alte Pflanze
Wichtig
Kein Arzneimitteles gibt keine anerkannte arzneiliche Anwendung

HerkunftDer Duft aus dem Bauerngarten

Nadelartige Kräuterblätter Nahaufnahme

„Colakraut“ ist ein Name aus den Gartencentern der letzten Jahrzehnte - die Pflanze heißt eigentlich Eberraute und stand schon vierhundert Jahre früher in jedem Klostergarten.

Die Eberraute ist ein kleiner, halbstrauchiger Korbblütler aus Südeuropa und Vorderasien mit fein zerteilten, graugrünen Blättern. Sie blüht in Mitteleuropa selten und setzt fast nie Samen an - vermehrt wird sie über Stecklinge, und genau deshalb ist sie über Jahrhunderte von Garten zu Garten weitergereicht worden. In alten Bauerngärten steht sie oft als alter, verholzter Busch, den niemand mehr richtig zuordnen kann.

Ihre Volksnamen erzählen die Nutzungsgeschichte: Stabwurz (nach dem aufrechten Wuchs), Gartheil, Pastorenkraut, und im Englischen southernwood oder lad’s love - junge Männer sollen sich das Kraut in die Tasche gesteckt haben, weil es gut roch. Eine sehr praktische Verwendung war der Mottenschutz: getrocknete Zweige zwischen die Wäsche, wie beim Lavendel. Im Französischen heißt sie deshalb garde-robe, Kleiderhüterin.

Der Name Colakraut ist neu und stammt aus dem Gartenhandel. Er ist nicht falsch - der Duft der zerriebenen Blätter erinnert tatsächlich verblüffend an Cola, mit Anklängen von Zitrone und Bitterorange - aber er suggeriert eine Neuheit, wo eine sehr alte Pflanze steht. Für die Küche ist er trotzdem hilfreich, weil er beschreibt, wohin sie gehört: in Sirup, in Desserts, in Limonade.

NutzenWas das Colakraut kann - ehrlich betrachtet

Hier ist die Antwort kurz und soll es auch sein: Es gibt keine anerkannte arzneiliche Anwendung für die Eberraute. Weder die Kommission E noch die europäische Arzneimittelagentur führen eine positive Monographie. Traditionell wurde sie als verdauungsförderndes Bittermittel, als Wurmmittel und bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt - das ist Überlieferung, keine Evidenz, und wir schreiben es nicht als etwas anderes hin.

Was es an moderner Forschung gibt, ist ein einzelner interessanter Strang: In der Schweiz wurde ein Extrakt aus Eberraute als Zubereitung bei allergischem Schnupfen untersucht, mit Hinweisen auf eine Linderung der Symptome. Das waren kleine Untersuchungen mit einem speziellen standardisierten Präparat - daraus folgt nichts für den Tee aus dem eigenen Garten. Interessant ist es trotzdem, weil es zeigt, dass in der Pflanze etwas steckt, das sich zu untersuchen lohnt.

Wofür sie tatsächlich taugt, ist etwas anderes und nicht weniger wert: Sie ist ein hervorragendes Duft- und Aromakraut. Der Sirup aus den jungen Trieben schmeckt nach einer selbstgemachten, deutlich besseren Cola. Als Mottenschutz funktioniert sie so zuverlässig wie Lavendel. Und als Bitterkomponente in kleiner Menge macht sie fettes Fleisch bekömmlicher - das ist der wahre Kern der alten Verdauungstradition, denn Bitterstoffe tun genau das, unabhängig davon, aus welcher Pflanze sie kommen.

Keine Monographiees gibt keine anerkannte arzneiliche Anwendung
Nur Stecklingedie Pflanze setzt in Mitteleuropa fast nie Samen an
Garde-robeder französische Name - Mottenschutz war die Hauptnutzung
Frischgetrocknet verliert das Kraut den Coladuft sehr schnell

InhaltsstoffeDas steckt im Kraut

Der charakteristische Duft kommt aus einem ätherischen Öl mit etwa 0,2 bis 1 Prozent Anteil, dessen Zusammensetzung je nach Herkunft stark schwankt. Beteiligt sind unter anderem 1,8-Cineol, Kampfer, Silvestren und verschiedene Cumarine - die Cumarine erklären den süßlich-heuartigen Unterton, der zusammen mit den zitrusartigen Terpenen den Cola-Eindruck ergibt. Für den Geruch gilt dieselbe Einschränkung wie bei allen Duftkräutern: frisch ist er deutlich, getrocknet nach wenigen Monaten fast verschwunden.

Daneben enthält die Eberraute Bitterstoffe und, wie viele Artemisia-Arten, Flavonoide und Gerbstoffe. Die Bitterstoffe sind der nachvollziehbare Teil der Verdauungstradition: Sie lösen über die Zunge denselben Reflex aus wie bei Wermut und Enzian, wenn auch schwächer.

Ein Hinweis zur Sicherheit: Wie andere Beifußarten kann die Eberraute thujonartige Verbindungen enthalten, wenn auch weit weniger als der Wermut. Für die Küchenmenge - ein paar Triebspitzen im Sirup - ist das ohne Bedeutung. Für Kuren, konzentrierte Auszüge und die Anwendung in der Schwangerschaft ist es einer von mehreren Gründen zur Zurückhaltung; der andere ist schlicht, dass belastbare Sicherheitsdaten fehlen.

Verstärkte KombinationenWas das Colakraut stärker macht

Ein Kraut für Zucker, Säure und kalte Zubereitungen - und für den Kleiderschrank.

Sirup

mit Zucker & Zitrone

Die beste Verwendung überhaupt: junge Triebe in Zuckerwasser, Zitrone dazu - schmeckt wie eine bessere Cola.

Kalt

in kaltem Ansatz

Wie bei allen Duftkräutern geht das Aroma bei Hitze verloren - kalt ansetzen oder erst nach dem Kochen zugeben.

Dessert

mit Sahne & Obst

Ein paar Blättchen in der Sahne ausziehen lassen - für Eis, Panna cotta und Obstsalat.

Fleisch

mit fettem Braten

Sparsam an Schwein, Gans oder Lamm - die Bitterkeit macht Fettes bekömmlicher.

Schrank

als Mottenschutz

Getrocknete Zweige im Leinensäckchen zwischen die Wäsche - wie Lavendel.

Garten

mit Steckling im Frühjahr

Weil sie kaum Samen setzt, gibt man sie als Steckling weiter - so ist sie seit Jahrhunderten unterwegs.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Erwartung

nicht als Heilmittel

Es gibt keine anerkannte arzneiliche Anwendung - die Tradition ist reich, die Evidenz leer.

Menge

nicht in großen Mengen

Die Bitterkeit dominiert schnell, und für Kurmengen fehlen Sicherheitsdaten.

Schwangerschaft

nicht in Schwangerschaft und Stillzeit

Wie bei allen Beifußarten hier zurückhaltend bleiben.

Allergie

nicht bei Korbblütler-Allergie

Beifußallergiker reagieren häufig auch auf verwandte Arten.

Vorrat

nicht lange getrocknet

Für die Küche taugt getrocknetes Colakraut wenig - für den Kleiderschrank dagegen gut.

Technik

nicht mitkochen

Das Aroma ist flüchtig; kalt ansetzen oder ganz zum Schluss zugeben.

Zu welchem GerichtWo es hingehört

  • Colakraut-SirupEine Handvoll Triebe in Zuckerwasser mit Zitrone, über Nacht ziehen, abseihen, kurz aufkochen.
  • Selbstgemachte LimonadeSirup mit Sprudelwasser - die verblüffendste Anwendung der Pflanze.
  • Eis und SorbetBlätter in der Sahne oder im Sirup ausziehen lassen, dann abseihen.
  • ObstsalatEin paar feingehackte Blättchen über Pfirsich, Melone, Beeren.
  • Panna cottaWie Vanille in der warmen Sahne ausziehen lassen, dann binden.
  • GänsebratenEin Zweig in die Füllung - sparsam, die Bitterkeit trägt weit.
  • KräuteressigTriebe in Weißweinessig - gibt eine ungewöhnliche fruchtig-bittere Note.
  • CocktailsirupAls Basis für alkoholfreie Drinks mit Zitrone und Minze.
  • MottensäckchenGetrocknete Zweige im Leinenbeutel in den Kleiderschrank.
  • BauerngartenpflanzeEin alter Busch im Garten, der jedes Jahr wiederkommt - und Stecklinge zum Weitergeben.
Faustregel: Frisch verwenden, kalt ansetzen, sparsam dosieren - der Coladuft ist flüchtig und die Bitterkeit trägt weit. Für den Sirup die jungen Triebspitzen im Frühsommer nehmen, vor der Blüte. Und ehrlich bleiben: Das ist eine Genusspflanze mit langer Geschichte, kein Heilmittel.

Als HausmittelDer Colakraut-Sirup

So geht’s

Selbstgemachte Cola aus dem Garten

  1. Eine gut gefüllte Handvoll junger Colakraut-Triebe waschen, abtropfen lassen und grob zerkleinern.
  2. 500 ml Wasser mit 400 g Zucker aufkochen, bis sich der Zucker gelöst hat, dann vom Herd nehmen und etwas abkühlen lassen.
  3. Das Kraut und den Saft sowie die abgeriebene Schale einer unbehandelten Zitrone zugeben, zugedeckt über Nacht ziehen lassen - nicht mitkochen, sonst geht das Aroma verloren.
  4. Abseihen, noch einmal kurz aufkochen, heiß in saubere Flaschen füllen und verschließen. Im Kühlschrank hält der Sirup mehrere Monate.
Wofür

Für Limonade, für Desserts, für alkoholfreie Drinks - und als das beste Argument, diese Pflanze im Garten zu haben. Das ist ein reines Genussrezept ohne jeden Heilanspruch, und genau so ist es gemeint. Wer nach einem schweren Essen ein Glas davon trinkt, bekommt nebenbei die Bitterstoffe mit, die die alte Verdauungstradition begründet haben - aber das ist ein Nebeneffekt, kein Versprechen.

Menge

Nach Belieben, mit Blick auf den Zuckergehalt. Für Kinder unproblematisch, weil es in dieser Verdünnung ein Getränk und keine Kur ist. In Schwangerschaft und Stillzeit bei einzelnen Gläsern bleiben und auf konzentrierte Auszüge und Teekuren verzichten. Bei Korbblütler-Allergie - Beifuß, Ambrosia, Kamille - zuerst eine kleine Menge testen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Eberraute ist im Ayurveda nicht klassisch vertreten. Nach ihren Eigenschaften eingeordnet wäre sie bitter, scharf und leicht erwärmend, dabei trocknend: Kapha senkend, Pitta in Maßen, Vata erhöhend. Als Bittermittel für träge Verdauung würde sie dort in die Gruppe der Deepana-Kräuter fallen. Eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.

Traditionelle Chinesische Medizin

In der chinesischen Materia Medica ist sie nicht geführt, ihre Gattung aber sehr wohl - Ai Ye (Beifuß) und Qing Hao (Einjähriger Beifuß) sind dort feste Größen. Nach ihrem Charakter wäre die Eberraute ein bitteres, aromatisches, leicht warmes Kraut, das Feuchtigkeit umwandelt und das Qi bewegt. Wie bei so vielen europäischen Gartenpflanzen gilt: Die Gattung ist bekannt, diese Art nicht.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Keine anerkannte Anwendung: für die Eberraute gibt es keine positive Monographie - die Anwendung beruht auf Tradition.
  • Korbblütler-Allergie: Beifußallergiker reagieren häufig auch auf verwandte Arten - erst in kleiner Menge testen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: auf Teekuren und konzentrierte Auszüge verzichten; für ein Glas Limonade gilt das nicht.
  • Menge: größere Mengen bringen viel Bitterkeit und mögliche thujonartige Verbindungen mit - sparsam bleiben.
  • Wurmkur: die traditionelle Anwendung ist obsolet; dafür gibt es wirksame und sichere Medikamente.
  • Kein Ersatz: wer eine Erkrankung hat, behandelt sie ärztlich und nicht mit einem Duftkraut.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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QuellenWorauf sich das stützt

  1. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Gattung Artemisia - Bewertung der traditionellen Anwendungsgebiete.
  2. Remberg P et al. Characteristics, clinical effect profile and tolerability of a nasal spray preparation of Artemisia abrotanum L. for allergic rhinitis. Phytomedicine 2004; 11(1): 36–42.
  3. Hänsel R, Sticher O: Pharmakognosie - Phytopharmazie. 9. Auflage - ätherische Öle und Bitterstoffe der Artemisia-Arten.
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung: Bewertung von Thujon in Lebensmitteln und Getränken.
  5. Marzell H: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen - zu Stabwurz, Gartheil und garde-robe.