HerkunftDas Gurkenkraut des Nordens

Dill heißt im Altnordischen „beruhigen“ - und genau das war seine erste Aufgabe: als Tee für Säuglinge mit Bauchweh, lange bevor er zur Gurke kam.
Dill stammt aus Vorderasien und dem Mittelmeerraum; Ägypter, Griechen und Römer nutzten ihn als Gewürz und Beruhigungsmittel. Über die Klöster kam er nach Mittel- und Nordeuropa - und wurde dort heimischer als im Süden. In Skandinavien, Polen, Russland und dem Baltikum ist Dill heute das Küchenkraut schlechthin: zu Fisch, Kartoffeln, Gurken, Suppen, Quark. Die Deutschen kennen ihn vor allem aus dem Gurkenglas.
Die Pflanze ist einjährig, wird bis einen Meter hoch und blüht mit gelben Dolden - im Garten sät sie sich selbst aus, wo sie hinfällt. Zwei Ernten: das feine Grün („Dillspitzen“) vor der Blüte und die braunen, flachen Früchte („Dillsamen“) danach. Beide riechen nach Dill, aber verschieden - das Grün grün und frisch, die Samen wärmer und kümmelartig.
NutzenWas Dill für dich tut
Dill ist ein Bauchkraut für Empfindliche. Seine Früchte wirken wie die von Fenchel und Kümmel - nur milder: Das ätherische Öl mit Carvon und Limonen entspannt die Darmmuskulatur, löst Blähungen und regt die Verdauung an. Dillsamentee war über Jahrhunderte das erste Mittel für Säuglinge mit Koliken, das englische „Gripe Water“ basiert darauf.
Die deutsche Kommission E hat Dillfrüchte bei Verdauungsbeschwerden anerkannt. Dazu kommt eine leicht beruhigende Wirkung, die dem Kraut seinen Namen gab, und viel Vitamin C, Kalzium und Eisen im frischen Grün - ein Bund Dill im Salat ist mehr als Deko.
Ehrlich gesagt ist Dill vor allem ein Kraut, das Essen leichter macht: Fisch, Gurke, Joghurt, Kartoffeln - alles, was frisch und kühl ist, wird mit Dill runder, ohne schwer zu werden. Große Wirkungen soll man nicht erwarten; die kleinen sind verlässlich.
InhaltsstoffeDas steckt in Blatt und Samen
Die Früchte enthalten drei bis vier Prozent ätherisches Öl mit Carvon (dem Kümmelduft) und Limonen; das Blattöl ist anders zusammengesetzt, mit Phellandren und Dillether - dem Stoff, der Dillspitzen so unverwechselbar grün riechen lässt. Deshalb kann man Samen und Grün nicht gegeneinander tauschen.
Frischer Dill liefert Vitamin C, Beta-Carotin, Kalzium, Eisen und Mangan in beachtlicher Menge; die Samen dazu Kalzium wie kaum ein anderes Gewürz. Flavonoide (Quercetin, Kaempferol) und Cumarine runden das Bild ab.
Verstärkte KombinationenWas Dill stärker macht
Dill ist ein Kühl-Kraut: Er gehört zu allem, was frisch, sauer, milchig oder aus dem Wasser kommt.
Tzatziki, Gurkensalat, kalte Gurkensuppe: Dill und Gurke sind das Sommerpaar, Joghurt ist der Vermittler.
Gravlax, Dill-Senf-Sauce, gebeizter Fisch: Dill nimmt dem Fisch das Fischige und bringt Frische.
Neue Kartoffeln mit Dillbutter - die einfachste Art, den Sommer zu essen.
Gewürzgurken brauchen Dillblüten und -samen: Sie geben Aroma und halten den Sud klar.
Dillsamen im Bauchtee: milder als Kümmel, süßer als Fenchel - für Kinder die beste Wahl.
Grüne Sauce, Kräuterquark, Frühlingssuppe: die nordischen Kräuter, alle roh, alle zum Schluss.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Das Blattaroma ist flüchtig. Dill immer roh und zum Schluss - gekocht bleibt Gras.
Getrockneter Dill schmeckt nach nichts. Einfrieren (gehackt in Öl) rettet das Aroma.
Die mediterranen Harzkräuter erschlagen Dill - zwei Welten.
Schmorbraten, Ragù, Bolognese: Dill gehört zu Hellem, Kühlem, Frischem.
Dillöl ist konzentriert; Tee und Kraut sind die sichere Form.
Kreuzreaktionen mit Sellerie, Karotte, Fenchel und Beifuß sind möglich.
Zu welchem GerichtWo er hingehört
- GravlaxLachs mit Salz, Zucker, Pfeffer und einem Bund Dill 48 Stunden beizen - dünn schneiden.
- TzatzikiGurke, Joghurt, Knoblauch, Dill, Olivenöl, Salz - der griechische Sommer.
- GewürzgurkenDillblüten, Senfkörner, Knoblauch und Meerrettichblatt ins Glas - zwei Wochen ziehen.
- Dill-Senf-SauceSenf, Zucker, Essig, Öl, viel Dill - zu Gravlax und zu Kartoffeln.
- KartoffelsalatNordisch: mit Joghurt, Gurke und Dill statt Mayonnaise.
- BorschtschEin Bund gehackter Dill über die fertige Rote-Bete-Suppe - ohne ihn ist es nicht Borschtsch.
- DillkartoffelnNeue Kartoffeln, Butter, Salz, Dill - mehr braucht es nicht.
- FischsuppeFinnische Lohikeitto: Lachs, Kartoffel, Sahne, Dill.
- Dillsamentee1 TL zerstoßene Samen, 10 Minuten ziehen - gegen Blähungen.
- KräuterbutterDill, Zitronenschale, Salz in Butter - auf Fisch und Brot.
Als HausmittelDillsamentee bei Blähungen
Dillsamentee
- 1 Teelöffel Dillsamen im Mörser anquetschen.
- Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
- Abseihen, warm trinken - nach dem Essen oder bei Bauchweh.
- Für Säuglinge nur nach Rücksprache mit der Kinderärztin, dann stark verdünnt und löffelweise.
Blähungen, Völlegefühl, leichte Bauchkrämpfe, nervöser Magen. Die milde Alternative zu Fenchel und Kümmel - auch bei Stillenden traditionell gegen Koliken des Kindes.
Zwei bis drei Tassen am Tag. Dillöl aus der Flasche nie innerlich; die anerkannte Dosis liegt bei etwa 3 g Früchten täglich.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Als Shatapushpa („hundert Blüten“) ein Vata-senkendes Kraut für Verdauung und Frauengesundheit: bei Blähungen, Koliken und zur Förderung der Milchbildung - als Tee und im Essen. Die Samen werden nach der Mahlzeit gekaut.
Traditionelle Chinesische Medizin
Shi Luo Zi, der Dillsamen, ist ein kleines wärmendes Mittel: bewegt das Qi, vertreibt Kälte aus dem Magen, hilft bei Appetitlosigkeit und Blähungen. Keine große Rolle, aber vorhanden - ähnlich wie Fenchel.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Allergie: Kreuzreaktionen bei Doldenblütler-Allergie (Sellerie, Karotte, Fenchel, Beifuß).
- Ätherisches Öl: nie innerlich, äußerlich verdünnt - kann die Haut lichtempfindlich machen.
- Schwangerschaft: Dill im Essen unbedenklich; hochdosierte Samenpräparate meiden, sie gelten als leicht wehenanregend.
- Säuglinge: Dilltee nur nach Rücksprache mit der Kinderärztin - bei Koliken gibt es Fertigpräparate mit sicherer Dosierung.
- Sammeln: Wilddill nicht mit giftigen Doldenblütlern (Hundspetersilie, Schierling) verwechseln - Dill riecht eindeutig nach Dill.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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QuellenWorauf sich das stützt
- Kommission E: Monographie Anethi fructus (Dillfrüchte), Bundesanzeiger 1990 - Verdauungsbeschwerden.
- Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016.
- Jana S, Shekhawat GS. Anethum graveolens: An Indian traditional medicinal herb and spice. Pharmacognosy Reviews 2010; 4(8): 179–184.
- USDA FoodData Central: Dill weed, fresh und Spices, dill seed.


