Interactions & dangerous combinations

Auch Pflanzliches ist nicht automatisch harmlos – was du über Kombinationen mit Medikamenten und anderen Mitteln wissen solltest.

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Naturheilkundliche Mittel wirken – und genau deshalb können sie auch mit Medikamenten, anderen Pflanzenstoffen oder Lebensmitteln in Wechselwirkung treten. „Pflanzlich“ bedeutet nicht „ohne Risiko“. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte pflanzliche Ergänzungen nie auf eigene Faust kombinieren, sondern vorher mit Arzt oder Apotheke sprechen. Hier sind die am besten dokumentierten Kombinationen, bei denen besondere Vorsicht angebracht ist.

Nahrungsergänzung mit goldenem Löffel

Johanniskraut & Medikamente

Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird gerne bei leichten Verstimmungen eingesetzt – ist aber eine der wechselwirkungsreichsten Heilpflanzen überhaupt. Die Inhaltsstoffe Hyperforin und Hypericin aktivieren in der Leber das Enzym CYP3A4 sowie das Transportprotein P-Glykoprotein und beschleunigen so den Abbau vieler Medikamente.

Betroffen sind unter anderem: die Antibabypille (Wirkverlust, Zwischenblutungen), Blutverdünner wie Marcumar/Phenprocoumon (Wirkverlust), manche Antidepressiva (Risiko eines Serotonin-Syndroms in Kombination mit SSRI), Immunsuppressiva nach Organtransplantation sowie einige HIV- und Herzmedikamente.

Wer eines dieser Medikamente einnimmt, sollte Johanniskraut-Präparate ausschließlich nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke verwenden.

Ginkgo & Blutverdünner

Ginkgo biloba wird traditionell zur Unterstützung der Durchblutung genutzt. Die Studienlage zur Blutungsneigung ist uneinheitlich: Kontrollierte Studien mit standardisiertem Extrakt (EGb 761) zeigten meist kein deutlich erhöhtes Blutungsrisiko, doch es liegen Einzelfallberichte über verstärkte Blutungen vor, und die Fachinformationen vieler Gerinnungshemmer nennen Ginkgo explizit als möglichen Risikofaktor.

Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme von ASS, Marcumar/Phenprocoumon, DOAKs oder SSRI-Antidepressiven – insbesondere vor geplanten Operationen oder zahnärztlichen Eingriffen.

Süßholz (Lakritz) & Blutdruck-/Herzmedikamente

Der Süßholz-Inhaltsstoff Glycyrrhizin hemmt ein Enzym (11β-HSD2), das normalerweise Cortisol abbaut. In größeren Mengen wirkt Cortisol dann wie Aldosteron: Der Körper hält Natrium und Wasser zurück und scheidet vermehrt Kalium aus – der Blutdruck steigt, der Kaliumspiegel sinkt.

Das ist besonders riskant in Kombination mit Blutdruckmedikamenten (Wirkabschwächung), Entwässerungsmitteln (verstärkter Kaliumverlust) und vor allem mit Digoxin oder anderen Herzglykosiden, da niedriges Kalium deren Wirkung gefährlich verstärkt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, nicht mehr als 100 mg Glycyrrhizin pro Tag aufzunehmen – das entspricht grob 100 g starker Lakritze.

Grapefruit & bestimmte Statine

Grapefruit (Saft wie Frucht) hemmt das Darmenzym CYP3A4 – und zwar irreversibel, das heißt der Effekt hält teils mehrere Tage an, unabhängig davon, wann genau die Grapefruit gegessen wurde. Dadurch gelangen manche Medikamente in deutlich höherer Konzentration ins Blut als vorgesehen.

Besonders betroffen: die Statine Simvastatin, Lovastatin und (in geringerem Maß) Atorvastatin – hier drohen erhöhte Nebenwirkungsrisiken bis hin zu Muskelschäden. Kein relevantes Problem besteht dagegen meist bei Rosuvastatin, Pravastatin und Fluvastatin, da diese anders verstoffwechselt werden. Auch bestimmte Blutdrucksenker (Calciumantagonisten) und Immunsuppressiva können betroffen sein – im Zweifel lohnt der Blick in den Beipackzettel oder die Nachfrage in der Apotheke.

Baldrian & Beruhigungsmittel, Alkohol

Baldrianwurzel wirkt über eine Verstärkung des hemmenden Botenstoffs GABA im Gehirn beruhigend und schlaffördernd. Dieser Mechanismus ist einigen verschreibungspflichtigen Beruhigungsmitteln (Benzodiazepine) sehr ähnlich.

In Kombination mit Benzodiazepinen, anderen Schlaf- oder Beruhigungsmitteln sowie Alkohol kann sich die dämpfende Wirkung auf das zentrale Nervensystem addieren – die Reaktionsfähigkeit kann stärker eingeschränkt sein als erwartet. Vorsicht ist besonders vor dem Autofahren oder Bedienen von Maschinen angebracht.

Vitamin-K-reiche Kräuter & Marcumar (Phenprocoumon)

Petersilie, Grünkohl, Spinat und andere dunkelgrüne Kräuter enthalten viel Vitamin K – ein Gegenspieler von Marcumar-artigen Blutverdünnern (Vitamin-K-Antagonisten). Die gängige Empfehlung lautet heute allerdings nicht „meiden“, sondern gleichbleibend essen: Starke Schwankungen in der Vitamin-K-Zufuhr von Tag zu Tag lassen den INR-Wert (ein Maß für die Blutgerinnung) unvorhersehbar schwanken – nicht die Menge an sich ist das Problem, sondern die Unregelmäßigkeit.

Wer Marcumar/Phenprocoumon einnimmt, sollte seinen Konsum an grünem Blattgemüse möglichst konstant halten und größere Änderungen der Ernährung mit dem behandelnden Arzt besprechen, statt eigenmächtig ganz darauf zu verzichten.

Wichtiger Hinweis:

Diese Übersicht ersetzt keine individuelle medizinische Beratung. Wenn du regelmäßig Medikamente einnimmst, sprich vor der Einnahme pflanzlicher Präparate oder bei geplanten größeren Ernährungsumstellungen immer mit deinem Arzt oder deiner Apotheke – gerade bei Blutverdünnern, Herz-Kreislauf-Medikamenten und Psychopharmaka können scheinbar harmlose pflanzliche Mittel die Wirkung verstärken, abschwächen oder unvorhersehbar verändern.

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