Tiergesundheit · Gelenke
Gelenkgesundheit bei Hund und Katze
Bei Arthrose ist die wirksamste Maßnahme weder ein Pulver noch ein Öl, sondern das Gewicht auf der Waage. Alles andere kommt danach - und bei der Katze kommt zuerst, dass man es überhaupt bemerkt.
Bevor du irgendetwas zufütterst
Arthrose ist schmerzhaft, und Schmerz gehört behandelt. Nahrungsergänzungen können begleiten, aber sie ersetzen keine Schmerztherapie - ein Tier, das dauerhaft Schmerzen hat, schont sich, baut Muskulatur ab und wird dadurch schlechter, nicht besser. Sprich die Kombination aus Medikament, Gewicht und Bewegung mit deiner Tierarztpraxis durch.
Gewicht, Bewegung, Schmerztherapie - in dieser Reihenfolge. Von den Ergänzungen haben Omega-3 und Grünlippmuschel die beste Datenlage, Glucosamin und Chondroitin eine überraschend schwache. Und bei Katzen ist das Hauptproblem, dass Arthrose sehr häufig und sehr selten erkannt wird.
Der wichtigste FaktorDas Gewicht schlägt alles andere
Kein Präparat auf dieser Seite hat einen Effekt in der Größenordnung von ein paar Kilo weniger.
In kontrollierten Untersuchungen an übergewichtigen Hunden mit Arthrose besserte sich die Lahmheit allein durch Gewichtsreduktion deutlich - teils schon, nachdem wenige Prozent des Körpergewichts weg waren, ohne jede zusätzliche Behandlung. Das ist einer der klarsten Befunde der Kleintiermedizin.
Dazu kommt die Langzeitperspektive. In einer bekannten Studie an Labradoren, bei der Geschwistertiere unterschiedlich stark gefüttert wurden, entwickelten die schlank gehaltenen Hunde später und seltener Arthrose - und lebten im Mittel fast zwei Jahre länger.
Der Grund ist nicht nur mechanisch. Fettgewebe ist stoffwechselaktiv und setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei; Übergewicht wirkt deshalb auf ein arthrotisches Gelenk doppelt ungünstig.
Praktisch: Rippen mit flacher Hand fühlbar, Taille von oben erkennbar, Bauchlinie von der Seite ansteigend. Wer drücken muss, um Rippen zu finden, hat den wichtigsten Hebel dieser Seite vor sich.
Beim HundWoran du es erkennst - und was hilft
Hunde zeigen Gelenkschmerz relativ offen: Sie stehen langsamer auf, hinken nach dem Liegen, bleiben auf Spaziergängen zurück, zögern vor Treppen und dem Sprung ins Auto. Typisch ist der Anlaufschmerz - die ersten Schritte sind steif, danach wird es besser.
Was in der Behandlung nachweislich trägt, ist eine Kombination: Schmerztherapie durch die Praxis, Gewichtsmanagement, angepasste Bewegung und gegebenenfalls Physiotherapie. Unterwasserlaufband und gezielte Übungen bauen Muskulatur auf, ohne das Gelenk zu belasten - und Muskulatur ist der beste Stoßdämpfer, den ein Gelenk haben kann.
Omega-3 aus Fisch- oder Algenöl
EPA / DHAWell-filled
Die Ergänzung mit der breitesten Datenlage bei caniner Osteoarthritis. Kontrollierte Studien zeigten bessere Belastbarkeit und in einer Untersuchung sogar, dass die Schmerzmitteldosis bei einem Teil der Hunde reduziert werden konnte.
Dosiert wird nach EPA-Gehalt und Körpergewicht, nicht nach Löffeln. Langsam einschleichen, kühl und dunkel lagern.
Grünlippmuschel
Perna canaliculusWell-filled
Mehrere placebokontrollierte Studien fanden eine moderate, aber reproduzierbare Verbesserung von Beweglichkeit und Schmerzwerten. Der Effekt braucht sechs bis zwölf Wochen.
Nicht bei Schalentierallergie - und bei Blutverdünnern vorher fragen.
Glucosamin und Chondroitin
die KlassikerSchwächer als erwartet
Hier lohnt die Ehrlichkeit: Diese beiden sind die meistverkauften Gelenkmittel und zugleich die mit der enttäuschendsten Studienlage. Systematische Übersichtsarbeiten zur Arthrose des Hundes kommen überwiegend zu dem Schluss, dass ein klinisch bedeutsamer Effekt nicht überzeugend belegt ist.
Sie schaden nicht, und einzelne Tiere scheinen zu profitieren. Aber wer zwischen Glucosamin und Omega-3 wählt, sollte die Datenlage kennen - sie zeigt ziemlich eindeutig in die andere Richtung.
Bei der KatzeDas eigentliche Problem ist das Erkennen
Arthrose ist bei Katzen ausgesprochen häufig. Röntgenreihen an älteren Katzen finden bei einem großen Teil der Tiere Gelenkveränderungen - in manchen Untersuchungen bei über der Hälfte der Katzen ab etwa sechs Jahren und bei fast allen sehr alten Tieren. Behandelt wird sie trotzdem selten, und der Grund ist simpel: Katzen hinken nicht.
Statt zu lahmen, verändern sie ihr Verhalten. Sie springen nicht mehr auf die Fensterbank, sondern nehmen den Umweg über den Stuhl. Sie putzen sich schlechter, das Fell verfilzt am Rücken. Sie ziehen sich zurück, schlafen mehr, werden mürrisch beim Streicheln über die Lende. Und sie machen gelegentlich neben das Katzenklo, weil der hohe Einstieg wehtut.
Das wird fast immer als „sie wird eben alt“ gedeutet. Tatsächlich ist es oft behandelbarer Schmerz.
Was hilft, ist teils erstaunlich banal: ein Katzenklo mit niedrigem Einstieg, Rampen oder Zwischenstufen zu den Lieblingsplätzen, rutschfeste Teppiche auf glatten Böden, erhöhte Futternäpfe, warme Schlafplätze. Dazu Gewichtskontrolle und - nach tierärztlicher Abklärung - eine geeignete Schmerzbehandlung. Omega-3 ist auch hier die Ergänzung mit der besten Begründung.
Important: Niemals Schmerzmittel aus der eigenen Hausapotheke. Paracetamol und Ibuprofen sind für Katzen lebensgefährlich, und auch tierärztliche Präparate werden bei ihnen anders dosiert als beim Hund.
MovementSchonen macht es schlimmer
Der verbreitetste Denkfehler bei Arthrose ist die Schonung. Ein Gelenk ohne Bewegung wird schlechter versorgt - der Knorpel lebt von Be- und Entlastung, weil er keine eigenen Blutgefäße hat und seine Nährstoffe wie ein Schwamm aufnimmt. Gleichzeitig baut Muskulatur ab, und das Gelenk verliert seinen besten Schutz.
Richtig ist also nicht weniger Bewegung, sondern andere Bewegung: gleichmäßig statt ruckartig, mehrere kurze Runden statt einer langen, Leinenführigkeit statt Ballwerfen, kein Springen aus dem Kofferraum. Schwimmen und Unterwasserlaufband sind ideal, weil Muskeln arbeiten und das Gelenk entlastet ist.
Und Wärme hilft, mehr als viele denken - ein warmer Liegeplatz ohne Zugluft ist für ein steifes Tier eine echte Erleichterung.
PraxisWas du im Alltag ändern kannst
| Maßnahme | Warum |
|---|---|
| Gewicht zuerst | Der mit Abstand größte Effekt - bei Hund und Katze. |
| Rutschfeste Böden | Laminat und Fliesen sind für steife Tiere anstrengend und gefährlich. |
| Rampen und Stufen | Für Sofa, Bett und Auto. Bei Katzen zu den erhöhten Lieblingsplätzen. |
| Krallen kürzen | Zu lange Krallen verändern die Stellung und verschlimmern die Belastung. |
| Mehrere kurze Runden | Gleichmäßige Bewegung statt Wochenend-Marathon. |
| Warm liegen | Ein zugfreier, warmer Platz lindert Steifigkeit spürbar. |
Passend zum ThemaZwei Wege - und einer davon kostet nichts
Zwei Wege - und einer davon kostet nichts
Was aus diesem Artikel du kaufen kannst, wenn du möchtest. In dieser Reihenfolge.
Aus der Küche
Kleine Zugaben mit begrenzter Beleglage - ehrlich gesagt.
Als Ergänzung
Omega-3 ist hier die Ergänzung, für die am meisten spricht.
III · Der Weg, der nichts kostet
Ein paar Kilo weniger und ein rutschfester Boden. Gewichtsreduktion ist bei Arthrose in Studien wirksamer als jede Ergänzung, die es zu kaufen gibt - und ein Läufer auf dem Laminat kostet einmalig ein paar Euro und verhindert täglich das Wegrutschen, das jeden Schritt zur Anstrengung macht. Beides zusammen bringt mehr als der gesamte Inhalt von Spalte I und II.
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SourcesWorauf sich diese Seite stützt
- Marshall W.G. et al.: The effect of weight loss on lameness in obese dogs with osteoarthritis. Veterinary Research Communications 2010.
- Kealy R.D. et al.: Effects of diet restriction on life span and age-related changes in dogs. JAVMA 2002.
- Roush J.K. et al.: Evaluation of the effects of dietary omega-3 fatty acids on weight bearing in dogs with osteoarthritis. JAVMA 2010.
- Bierer T.L., Bui L.M.: Improvement of arthritic signs in dogs fed green-lipped mussel. Journal of Nutrition 2002.
- Vandeweerd J.M. et al.: Nutraceuticals for canine osteoarthritis - a systematic review. Journal of Veterinary Internal Medicine 2012.
- Lascelles B.D.X. et al.: Cross-sectional study of the prevalence of radiographic degenerative joint disease in domesticated cats. Veterinary Surgery 2010.







