Tiergesundheit · Sicherheit
Gift- und Tabuliste für Hund und Katze
Die meisten Vergiftungen bei Haustieren passieren nicht draußen, sondern in der Küche und im Wohnzimmer. Diese Liste ist die wichtigste auf der ganzen Website - sie ist zum Nachschlagen gedacht, nicht zum Durchlesen.
Bevor du irgendetwas zufütterst
Bei Verdacht auf eine Vergiftung gilt immer: sofort in der Tierklinik anrufen, bevor du irgendetwas unternimmst. Lass dein Tier nicht auf eigene Faust erbrechen - bei ätzenden Stoffen und bei bereits benommenen Tieren richtet das zusätzlichen Schaden an. Nimm die Verpackung oder einen Rest der Pflanze mit; das verkürzt die Diagnose erheblich.
Sechs Dinge aus jeder Küche sind für Hunde gefährlich: Zwiebel und Knoblauch, Schokolade, Weintrauben und Rosinen, Xylit, Macadamia, Alkohol. Bei Katzen kommen Lilien, Paracetamol und ätherische Öle dazu - alle drei können tödlich enden. Im Verdachtsfall zählt Zeit: anrufen, nicht abwarten.
Aus der KücheLebensmittel, die für beide gefährlich sind
Diese Liste betrifft Hund und Katze gleichermaßen, wenn auch mit unterschiedlicher Empfindlichkeit. Die Mengenangaben sind Anhaltspunkte - für kleine Tiere reicht entsprechend weniger.
Zwiebel, Knoblauch, Lauch, Schnittlauch
Allium-ArtenGefährlich
Die enthaltenen Schwefelverbindungen schädigen rote Blutkörperchen; es entstehen sogenannte Heinz-Körperchen, und die Zellen werden abgebaut. Die Folge ist eine Blutarmut, die oft erst nach ein bis mehreren Tagen sichtbar wird - durch Mattigkeit, blasse Schleimhäute, dunklen Urin und schnelle Atmung.
Entscheidend: Kochen, Trocknen und Pulverisieren zerstören die Wirkung nicht. Zwiebelpulver steckt in Brühe, Fertigsoßen, Babygläschen und vielen Wurstwaren. Katzen reagieren empfindlicher als Hunde, und die verbreitete Idee, Knoblauch sei ein natürliches Mittel gegen Flöhe, ist in dieser Hinsicht besonders unglücklich.
Schokolade und Kakao
TheobrominGefährlich
Theobromin bauen Hunde sehr viel langsamer ab als Menschen. Je dunkler die Schokolade, desto mehr steckt drin: Zartbitter und vor allem Kakaopulver sind um ein Vielfaches gefährlicher als Vollmilchschokolade, weiße Schokolade ist praktisch unbedenklich.
Anzeichen sind Unruhe, Hecheln, Erbrechen, starker Durst, Herzrasen und in schweren Fällen Krämpfe. Sie treten meist innerhalb weniger Stunden auf. Auch Kakaoschalenmulch aus dem Gartencenter gehört hierher.
Weintrauben und Rosinen
auch Saft und GebäckGefährlich
Bei Hunden können schon kleine Mengen akutes Nierenversagen auslösen - und das Tückische daran ist, dass keine sichere Menge bekannt ist. Manche Tiere vertragen größere Mengen folgenlos, andere erkranken nach wenigen Beeren.
Lange war der auslösende Stoff unbekannt. 2021 veröffentlichte das Giftnotrufzentrum der ASPCA die Beobachtung, dass Weinsäure beziehungsweise Weinstein der wahrscheinliche Übeltäter ist - passend dazu gibt es auch Vergiftungen nach Weinstein-haltigem Backwerk und selbst gemachter Knetmasse.
Xylitol
BirkenzuckerSehr gefährlich
Für den Hund der gefährlichste Stoff auf dieser Seite, weil er unauffällig in Alltagsprodukten steckt: zuckerfreier Kaugummi, Bonbons, Zahnpasta, manche Erdnussbutter, Backzutaten.
Xylit löst beim Hund eine massive Insulinausschüttung aus; der Blutzucker fällt innerhalb von dreißig Minuten bis zu einer Stunde ab. Größere Mengen können zusätzlich zu akutem Leberversagen führen. Hier zählt jede Minute - sofort in die Klinik, auch wenn das Tier noch munter wirkt.
Für den HundWas beim Hund am häufigsten passiert
Hunde fressen aus Neugier und Appetit, und sie fressen schnell - deshalb sind sie die häufigeren Vergiftungspatienten. Die typischen Szenarien sind der Adventskalender in Bodennähe, der Kaugummi in der Handtasche, der Komposthaufen und die Tüte Rosinen auf dem Küchentisch.
Neben den Lebensmitteln oben sind zwei Gruppen relevant: Medikamente und Gartenmittel. Ibuprofen und Diclofenac schädigen bei Hunden Magenschleimhaut und Nieren; eine einzige menschliche Dosis kann bei einem kleinen Hund reichen. Schneckenkorn mit Metaldehyd löst schwere Krämpfe aus und ist eine der gefürchtetsten Vergiftungen überhaupt. Rattengift wirkt als Gerinnungshemmer - dort vergehen oft Tage bis zu den ersten Blutungen, weshalb auch ein munteres Tier sofort behandelt werden muss.
Besonders wichtig: Gib deinem Hund niemals Schmerzmittel aus deiner eigenen Hausapotheke. Was für dich harmlos ist, hat bei ihm einen völlig anderen Abbauweg.
Für die KatzeWarum bei Katzen mehr auf dem Spiel steht
Katzen fressen weniger wahllos als Hunde - dafür nehmen sie Gifte auf Wegen auf, an die niemand denkt: über das Fell, das sie putzen, über die Pfoten und über die Atemluft. Und ihre Leber baut viele Stoffe schlechter ab, weil ihr der Weg der Glucuronidierung weitgehend fehlt.
Drei Dinge sind bei Katzen besonders gefährlich und im Haushalt ausgesprochen häufig.
Lilien
Lilium und HemerocallisLebensgefährlich
Alle Pflanzenteile sind für Katzen giftig - Blüte, Blatt, Stängel, Pollen und sogar das Vasenwasser. Es genügt, dass die Katze Pollen vom Fell leckt. Die Folge ist ein akutes Nierenversagen, das binnen Stunden beginnt.
Das betrifft echte Lilien und Taglilien. Ein Blumenstrauß mit Lilien und eine Katze im selben Haushalt passen nicht zusammen - ohne Ausnahme. Bei Verdacht zählen die ersten Stunden.
Paracetamol
und andere HumanmedikamenteLebensgefährlich
Eine einzige Tablette kann eine Katze töten. Ihr fehlt der Abbauweg, über den Menschen den Wirkstoff entgiften; stattdessen entsteht ein Stoffwechselprodukt, das den roten Blutfarbstoff zerstört und die Leber schädigt. Typisch sind bräunliche Schleimhäute, Atemnot und geschwollene Gesichtspartien.
Dasselbe gilt sinngemäß für Ibuprofen und Acetylsalicylsäure. Keine Selbstmedikation bei Katzen - nie.
Ätherische Öle und Permethrin
Phenole, Terpene, PyrethroideLebensgefährlich
Teebaum-, Eukalyptus-, Zitrus-, Pfefferminz- und Kiefernöl gehören nicht in die Nähe einer Katze - auch nicht im Diffusor, auch nicht verdünnt. Es gibt dokumentierte Vergiftungen nach Teebaumöl-Anwendungen gegen Flöhe, mit Zittern, Koordinationsstörungen und Leberschäden.
Und der praktisch wichtigste Punkt: Spot-on-Präparate gegen Zecken und Flöhe, die für Hunde gemacht sind, enthalten häufig Permethrin. Für Katzen ist dieser Stoff hochgiftig und löst schwere Krämpfe aus. Ein Hundepräparat darf nie bei einer Katze angewendet werden - auch nicht anteilig, auch nicht bei großen Katzen.
Im GrünenZimmer- und Gartenpflanzen
Die folgende Auswahl deckt die Pflanzen ab, die in Wohnungen und Gärten am häufigsten stehen. Sie ist nicht vollständig - im Zweifel bei der Tierklinik nachfragen.
VorsichtAuch „natürliche“ Mittel können schaden
Ein Missverständnis begegnet uns immer wieder: dass pflanzlich gleich unbedenklich sei. Vier Beispiele, bei denen genau das nicht stimmt.
Knoblauch als Flohmittel. Kursiert seit Jahrzehnten in Foren. Er wirkt nicht gegen Flöhe und schädigt in relevanter Menge rote Blutkörperchen - die schlechteste Kombination, die ein Hausmittel haben kann.
Teebaumöl gegen Milben oder Hautprobleme. Der häufigste Auslöser dokumentierter Ölvergiftungen bei Katzen.
Beinwell-Salbe. Enthält Pyrrolizidinalkaloide, die die Leber schädigen können. Auf offener Haut bei Tieren, die alles ablecken, ist das ungünstig.
Johanniskraut. Erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut und greift massiv in den Arzneimittelstoffwechsel ein - bei Tieren unter Dauermedikation ein echtes Risiko.
Im ErnstfallWas du tun sollst - und was nicht
| Schritt | Warum |
|---|---|
| Sofort anrufen | Tierarztpraxis oder Tierklinik, notfalls den tierärztlichen Notdienst. Nicht abwarten, ob sich etwas zeigt. |
| Nicht selbst erbrechen lassen | Bei ätzenden Stoffen und bei benommenen Tieren richtet das zusätzlichen Schaden an. Nur nach tierärztlicher Anweisung. |
| Keine Milch, kein Salz | Beides sind alte Hausmittel, die nicht helfen und schaden können. |
| Verpackung mitnehmen | Wirkstoff und Menge verkürzen die Diagnose entscheidend - ebenso ein Stück der Pflanze. |
| Uhrzeit notieren | Wann und wie viel - das bestimmt, welche Behandlung noch möglich ist. |
| Auch bei munterem Tier fahren | Rattengift, Xylit und Lilien wirken verzögert. Wer wartet, verliert die beste Behandlungsphase. |
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Aus der Küche
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Als Ergänzung
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III · Die wirksamste Vorsorge kostet nichts
Zwanzig Minuten Aufräumen. Kaugummi und Süßigkeiten in eine geschlossene Schublade, Medikamente aus der Handtasche in den Schrank, Lilien aus der Wohnung, Kompost abdecken. Fast alle Vergiftungen, die in Kliniken ankommen, wären durch genau diese Handgriffe verhindert worden - kein Präparat der Welt hat einen vergleichbaren Effekt.
Werbung: Die Produktlinks führen zu Partnershops. Bei einem Kauf erhalten wir eine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. Symbolbilder - die Verpackung kann abweichen. Zusatzfutter ersetzt keine tierärztliche Behandlung.
SourcesWorauf sich diese Seite stützt
- ASPCA Animal Poison Control Center: Toxic and Non-Toxic Plants, sowie People Foods to Avoid Feeding Your Pets.
- Wegenast C.A. et al.: Acute kidney injury in dogs following ingestion of cream of tartar and tamarinds - Hinweis auf Weinsäure als toxisches Prinzip in Weintrauben. JAVMA 2021.
- Plumlee K.H.: Clinical Veterinary Toxicology - Kapitel zu Allium-Arten, Methylxanthinen, Phenolen und Pyrethroiden.
- Peterson M.E.: Xylitol. Topics in Companion Animal Medicine 2013.
- Bundesverband Praktizierender Tierärzte: Hinweise zu Vergiftungen bei Hund und Katze und zum Vorgehen im Notfall.
- International Cat Care: Lily poisoning in cats und Permethrin poisoning in cats.






