Tiergesundheit · Ernährung
Ernährungsgrundlagen für die Katze
Die Katze ist der kompromissloseste Fleischfresser unter unseren Haustieren. Sie muss Stoffe fertig aus tierischem Gewebe bekommen, die andere Tiere selbst herstellen - und das macht ihre Ernährung weniger flexibel, als viele denken.
Bevor du irgendetwas zufütterst
Katzen zeigen Krankheit spät und undeutlich - ein Tier, das sich zurückzieht und weniger frisst, ist oft schon länger krank. Jede Futterumstellung bei einer erkrankten, sehr jungen oder alten Katze gehört deshalb besprochen, und bei Nieren-, Schilddrüsen- oder Harnwegsproblemen entscheidet das Futter mit über den Verlauf.
Taurin, Vitamin A, Arachidonsäure: Diese drei muss die Katze fertig fressen, sie kann sie nicht selbst bilden. Deshalb ist ein deklariertes Alleinfutter für Katzen keine Bequemlichkeit, sondern Sicherheit - und vegane Katzenernährung ist aus demselben Grund keine gute Idee. Der zweite große Punkt ist Wasser: Katzen trinken von Natur aus zu wenig.
Der AusgangspunktWas „obligater Fleischfresser“ wirklich heißt
Die Katze hat im Lauf der Evolution Stoffwechselwege verloren, die sie nicht brauchte - weil Beute sie ihr abnahm.
Taurin ist die bekannteste dieser Lücken. Hunde und Menschen bilden es selbst aus schwefelhaltigen Aminosäuren; die Katze kann das kaum und verliert es zudem laufend über die Galle. Fehlt es, degeneriert die Netzhaut, und der Herzmuskel erschlafft. Genau das führte in den 1980er Jahren zu einer Häufung dilatativer Kardiomyopathie bei Hauskatzen, bis Paul Pion und Kollegen 1987 den Taurinmangel als Ursache identifizierten. Seither wird Katzenfutter angereichert, und das Krankheitsbild ist selten geworden. Es ist eines der klarsten Beispiele dafür, dass Futterzusammensetzung Leben rettet.
Vitamin A muss die Katze ebenfalls fertig bekommen. Sie kann Beta-Carotin aus Pflanzen nicht in nennenswertem Umfang umwandeln - Karotten nützen ihr nichts. Arachidonsäure, eine Fettsäure, die andere Tiere aus Linolsäure herstellen, muss bei ihr ebenfalls aus tierischem Fett stammen.
Dazu kommen Kleinigkeiten mit großer Wirkung: Katzen schmecken kein Süß - das dafür zuständige Gen ist bei ihnen funktionslos –, und sie decken ihren Energiebedarf stärker aus Eiweiß als andere Tiere, weil ihre Leber die Zuckerneubildung dauerhaft laufen lässt statt sie bedarfsweise hochzufahren.
Aus all dem folgt ein einziger praktischer Satz: Eine Katze braucht ein Futter, das ausdrücklich als Alleinfuttermittel für Katzen deklariert ist. Selbst zusammengestellte Rationen ohne fachliche Berechnung sind bei ihr riskanter als beim Hund - und vegane Katzenernährung ist mit ihrem Stoffwechsel nicht sinnvoll vereinbar.
WasserDer Punkt, an dem fast jede Wohnungskatze zu wenig bekommt
Die Hauskatze stammt von der afrikanischen Falbkatze ab, einem Tier aus trockenen Lebensräumen. Ihre Beute besteht zu etwa zwei Dritteln bis drei Vierteln aus Wasser, und entsprechend schwach ist ihr Durstgefühl ausgeprägt: Katzen gleichen eine trockene Ration nicht zuverlässig durch Trinken aus.
Deshalb ist Nassfutter für die meisten Katzen die bessere Grundlage - nicht, weil Trockenfutter schlecht wäre, sondern weil die Flüssigkeitsbilanz damit einfach stimmiger ist. Wer Trockenfutter füttert, sollte die Wasseraufnahme aktiv fördern.
Was dabei hilft: mehrere Näpfe an verschiedenen Orten, weit weg vom Futternapf und vom Katzenklo. Breite, flache Schalen, weil viele Katzen ungern mit den Schnurrhaaren anstoßen. Ein Trinkbrunnen, weil bewegtes Wasser attraktiver wirkt. Und täglich frisches Wasser - abgestandenes wird gemieden.
Warum das zählt: Zu geringe Flüssigkeitsaufnahme gilt als Faktor bei Erkrankungen der unteren Harnwege und spielt bei der chronischen Nierenerkrankung eine Rolle, die bei älteren Katzen ausgesprochen häufig ist.
Der AlltagWie Katzen eigentlich fressen wollen
Eine frei lebende Katze erlegt kleine Beutetiere und kommt so auf zehn bis zwanzig winzige Mahlzeiten am Tag, verteilt über die Dämmerungsstunden. Zwei große Portionen aus der Dose sind das Gegenteil davon.
Das muss kein Problem sein, aber es erklärt manches: das Betteln zwischendurch, das Erbrechen nach zu hastigem Fressen, die Neigung, den ganzen Tag am Napf vorbeizuschauen. Wer mehrere kleine Portionen anbietet oder einen Teil der Ration in Futterbällen und Schnüffelmatten versteckt, kommt dem natürlichen Rhythmus näher - und beschäftigt die Katze nebenbei.
Futterneugier ist bei Katzen außerdem schlechter ausgeprägt als bei Hunden: Viele prägen sich früh auf bestimmte Texturen und lehnen später alles andere ab. Deshalb lohnt es sich, junge Katzen mit verschiedenen Konsistenzen bekannt zu machen, solange sie offen dafür sind.
Und noch etwas Praktisches: Katzen mögen es nicht, wenn Fressen und Katzenklo nahe beieinanderliegen, und mehrere Katzen im Haushalt brauchen mehrere Futterstellen. Konflikte am Napf sind ein häufiger, oft übersehener Grund dafür, dass ein Tier zu wenig frisst.
PraxisDie Punkte, an denen es im Haushalt hakt
| Punkt | Warum |
|---|---|
| Nie hungern lassen | Eine Katze, die mehrere Tage kaum frisst, kann eine hepatische Lipidose entwickeln - eine ernste Lebererkrankung. Fressunlust über 24 Stunden gehört abgeklärt. |
| Umstellung sehr langsam | Über zehn bis vierzehn Tage. Katzen verweigern Neues schneller als Hunde, und Zwang funktioniert nicht. |
| Keine Kuhmilch | Erwachsene Katzen bauen meist keine Laktase mehr - Milch führt zu Durchfall, auch wenn sie gern getrunken wird. |
| Kein Hundefutter | Es enthält zu wenig Taurin, Vitamin A und Arachidonsäure. Als Dauerlösung schädlich. |
| Gewicht im Blick | Übergewicht ist der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor für Diabetes bei der Katze. |
| Katzengras anbieten | Hilft beim Hochwürgen von Haaren - und hält sie von Zimmerpflanzen fern, von denen viele giftig sind. |
Passend zum ThemaZwei Wege - und einer davon kostet nichts
Zwei Wege - und einer davon kostet nichts
Was aus diesem Artikel du kaufen kannst, wenn du möchtest. In dieser Reihenfolge.
Aus der Küche
Bei der Katze bleibt aus der Küche wenig übrig - das ist keine Lücke, sondern ihre Biologie.
Als Ergänzung
Neben einem Alleinfutter, nicht statt eines solchen.
III · Das Wirksamste kostet nichts
Mehr Wasser und mehr Jagd. Zwei zusätzliche Wassernäpfe an ruhigen Stellen, breit und flach, täglich frisch - und zweimal am Tag fünf Minuten Federangel. Das deckt die zwei Punkte ab, an denen Wohnungskatzen tatsächlich zu kurz kommen: Flüssigkeit und Beschäftigung. Kein Präparat auf dieser Seite hat einen vergleichbaren Hebel.
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SourcesWorauf sich diese Seite stützt
- Pion P.D. et al.: Myocardial failure in cats associated with low plasma taurine - a reversible cardiomyopathy. Science 1987.
- Li X. et al.: Pseudogenization of a sweet-receptor gene accounts for cats‘ indifference toward sugar. PLoS Genetics 2005.
- Morris J.G.: Idiosyncratic nutrient requirements of cats appear to be diet-induced evolutionary adaptations. Nutrition Research Reviews 2002.
- Zoran D.L.: The carnivore connection to nutrition in cats. JAVMA 2002.
- FEDIAF: Nutritional Guidelines for Complete and Complementary Pet Food for Cats and Dogs.
- International Cat Care: Hinweise zu Wasseraufnahme, Fütterungsmanagement und Mehrkatzenhaushalten.





