Interactions & dangerous combinations

Naturheilkundliche Mittel wirken. Und genau deshalb können sie sich mit Medikamenten, anderen Pflanzen oder Lebensmitteln in die Quere kommen. „Pflanzlich“ heißt eben nicht „ohne Wirkung“. Das ist kein Grund zur Sorge, aber ein guter Grund, die wichtigsten Kombinationen zu kennen. Hier sind die am besten dokumentierten, freundlich erklärt.

Johanniskraut und Medikamente

Johanniskraut ist eine wunderbare Pflanze bei leichten Verstimmungen, aber auch die wechselwirkungsreichste überhaupt. Seine Inhaltsstoffe kurbeln in der Leber ein Enzym an, das viele Medikamente schneller abbaut. Die wirken dann schwächer, ohne dass du es merkst.

Hier ist Rücksprache Pflicht

  • Antibabypille: Wirkverlust und Zwischenblutungen sind möglich.
  • Blutverdünner wie Marcumar: Die Wirkung kann nachlassen.
  • Antidepressiva (SSRI): Zusammen droht ein Serotonin-Überschuss.
  • Immunsuppressiva nach Transplantation sowie einige HIV- und Herzmedikamente.

Nimmst du eines dieser Medikamente, dann nutze Johanniskraut bitte nur nach einem kurzen Gespräch mit Arzt oder Apotheke. Das ist in fünf Minuten geklärt.

Ginkgo und Blutverdünner

Ginkgo unterstützt traditionell die Durchblutung. Zur Frage, ob er die Blutungsneigung erhöht, ist die Forschung uneinheitlich: Kontrollierte Studien mit standardisiertem Extrakt fanden meist kein deutlich erhöhtes Risiko, es gibt aber Einzelfallberichte, und die Beipackzettel vieler Gerinnungshemmer nennen Ginkgo ausdrücklich.

Deshalb die einfache Regel: Wenn du ASS, Marcumar, moderne Gerinnungshemmer oder SSRI nimmst, sprich die Kombination vorher kurz an. Und vor einer geplanten Operation oder einem Zahnarzt-Eingriff erwähnst du den Ginkgo am besten von dir aus.

Süßholz (Lakritz) und Blutdruck- oder Herzmedikamente

Das Glycyrrhizin im Süßholz blockiert ein Enzym, das normalerweise Cortisol abbaut. In größeren Mengen hält dein Körper dadurch Salz und Wasser zurück und verliert Kalium: Der Blutdruck steigt. Für Gesunde ist die gelegentliche Lakritzschnecke kein Thema, das BfR nennt als Orientierung nicht mehr als etwa 100 Gramm starke Lakritze am Tag.

Aufpassen solltest du bei Blutdruckmedikamenten (deren Wirkung kann nachlassen), Entwässerungsmitteln (noch mehr Kaliumverlust) und vor allem bei Herzglykosiden wie Digoxin, denn niedriges Kalium verstärkt deren Wirkung gefährlich.

Grapefruit und bestimmte Statine

Die Grapefruit ist der Klassiker unter den unterschätzten Wechselwirkungen: Sie legt ein Darmenzym lahm, und zwar tagelang, egal wann du sie gegessen hast. Manche Medikamente kommen dadurch in viel höherer Konzentration ins Blut als geplant.

So sortierst du es ein

  • Betroffen: die Statine Simvastatin und Lovastatin, etwas schwächer Atorvastatin. Hier drohen mehr Nebenwirkungen bis hin zu Muskelschäden.
  • Meist unkritisch: Rosuvastatin, Pravastatin und Fluvastatin, sie werden anders verstoffwechselt.
  • Auch möglich: Effekte auf bestimmte Blutdrucksenker und Immunsuppressiva. Ein Blick in den Beipackzettel oder die Frage in der Apotheke klärt es.

Baldrian und Beruhigungsmittel oder Alkohol

Baldrian beruhigt über denselben Botenstoff im Gehirn wie verschreibungspflichtige Beruhigungsmittel. Kombinierst du beides, oder Baldrian mit Alkohol, addiert sich die dämpfende Wirkung, und deine Reaktionsfähigkeit kann stärker eingeschränkt sein, als du denkst. Vor dem Autofahren oder an Maschinen lieber nicht mischen.

Vitamin-K-reiche Kräuter und Marcumar

Petersilie, Grünkohl und Spinat stecken voller Vitamin K, dem natürlichen Gegenspieler von Marcumar-artigen Blutverdünnern. Die moderne Empfehlung überrascht viele: nicht meiden, sondern gleichmäßig essen. Das Problem ist nämlich nicht das grüne Gemüse selbst, sondern das Auf und Ab. Starke Schwankungen lassen den Gerinnungswert unberechenbar springen.

Good to know

Mit Marcumar darfst du dein grünes Gemüse also behalten. Halte die Menge einfach von Woche zu Woche ähnlich und besprich größere Ernährungsumstellungen mit deinem Behandler, statt eigenmächtig ganz zu verzichten. Und generell gilt: Wenn du regelmäßig Medikamente nimmst, ist die kurze Frage in der Apotheke vor jedem neuen Pflanzenpräparat der entspannteste Weg. Hochwertige, geprüfte Kräuter und Gewürze findest du übrigens in unserem Shop.