OriginDer Pilz, den jeder findet

Wer in einem Fichtenwald sucht und nichts findet, hat entweder ein schlechtes Jahr erwischt oder ist am falschen Ort.
Imleria badia hat einen kastanienbraunen, jung samtigen und bei Feuchtigkeit leicht schmierigen Hut von fünf bis fünfzehn Zentimetern Durchmesser, einen schlanken, braun gefaserten Stiel ohne Netz und eine Röhrenschicht, die jung blassgelb und später olivgelb ist. Das Fleisch ist weißlich bis blassgelb.
Sein charakteristisches Merkmal ist das Blauen: Drückt man mit dem Finger auf die Poren, verfärben sie sich innerhalb von Sekunden blaugrün. Das ist eine harmlose enzymatische Reaktion - bestimmte Phenolverbindungen werden bei Kontakt mit Luftsauerstoff oxidiert - und hat nichts mit Giftigkeit zu tun. Bei Röhrlingen ist Blauen kein Warnzeichen, auch wenn sich das Gerücht hartnäckig hält; entscheidend ist die Farbe der Poren selbst, und rote Poren sind das eigentliche Warnsignal.
Die Marone lebt in Mykorrhiza mit Nadelbäumen, vor allem mit Fichten und Kiefern, und ist in Mitteleuropa der mit Abstand häufigste Sammelpilz. Ihre Saison reicht von Juli bis in den November, mit dem Schwerpunkt im September und Oktober. Sie ist weniger wählerisch als der Steinpilz, erscheint auch in eher armen Forsten und in Massen - ein guter Maronentag füllt den Korb.
NutzenHervorragend - und der Spitzenreiter beim Cäsium
Die Marone ist ein Speisepilz ohne arzneiliche Ansprüche. Geschmacklich steht sie dem Steinpilz nahe, ist etwas milder, und sie eignet sich hervorragend zum Trocknen - getrocknete Maronen sind eine ausgezeichnete und deutlich günstigere Alternative zu getrockneten Steinpilzen.
Es gibt allerdings ein Thema, das bei ihr wichtiger ist als bei jedem anderen Speisepilz: die Cäsiumbelastung. In den jährlichen Messreihen des Bundesamts für Strahlenschutz steht der Maronenröhrling regelmäßig an der Spitze der Liste - er reichert Cäsium-137 stärker an als jede andere gebräuchliche Speisepilzart. In den nach Tschernobyl stärker belasteten Regionen Süddeutschlands, vor allem im Bayerischen Wald, im Voralpenland und in Teilen Baden-Württembergs, wurden über die Jahre Werte gemessen, die den Grenzwert für Handelsware deutlich überschritten.
Der Grund liegt in der Biologie: Pilze nehmen Cäsium auf, weil es chemisch dem Kalium ähnelt und von denselben Transportsystemen erfasst wird. Mykorrhizapilze wie die Marone nehmen es aus der organischen Auflage des Waldbodens auf, wo es sich nach Tschernobyl angesammelt hat und wo es sehr langsam abgebaut wird - die Halbwertszeit von Cäsium-137 beträgt dreißig Jahre, und die Verlagerung in tiefere Bodenschichten geht nur langsam voran.
Wie ernst ist das? Das Bundesamt für Strahlenschutz stellt klar: Wer in belasteten Gebieten 250 Gramm stark belasteter Wildpilze pro Woche isst, erhält eine zusätzliche Strahlendosis, die deutlich unter der natürlichen jährlichen Strahlenbelastung liegt. Für gelegentlichen Genuss ist das Thema erledigt. Wer in den betroffenen Regionen sammelt und regelmäßig große Mengen Maronen isst, sollte die aktuellen Regionalwerte kennen und kann durch Blanchieren und Wegschütten des Kochwassers einen Teil des Cäsiums entfernen.
IngredientsWarum sie blaut und warum sie Cäsium sammelt
Das Blauen beruht auf Variegatsäure und verwandten Pulvinsäurederivaten, die bei Verletzung des Gewebes mit Luftsauerstoff reagieren und sich dabei blau verfärben. Es ist eine völlig harmlose Reaktion und bei vielen Röhrlingen zu beobachten. Die Regel, dass blauende Pilze giftig seien, ist falsch - aber die Regel, dass Röhrlinge mit roten Poren stehen bleiben, ist richtig und für Anfänger die wichtigere.
Die Cäsiumanreicherung hat eine eigene Chemie. Cäsium ist ein Alkalimetall wie Kalium und wird von den Kaliumtransportern der Pilzzellen mit aufgenommen. Bestimmte Pilzarten - neben der Marone auch Semmelstoppelpilz, Trompetenpfifferling und Rotbrauner Schmierröhrling - haben besonders effiziente Transportsysteme und reichern entsprechend stark an. Zuchtpilze und Zersetzerpilze auf Substrat sind davon nicht betroffen.
Eine praktische Folge: Der Cäsiumgehalt ist wasserlöslich, und Blanchieren mit anschließendem Wegschütten des Kochwassers senkt ihn messbar - Untersuchungen zeigen Reduktionen um einen erheblichen Anteil. Das kostet etwas Aroma, ist aber für Vielsammler in belasteten Regionen eine sinnvolle Maßnahme.
Verwechslungen sind unproblematisch. Der Steinpilz ist heller, hat ein weißes Stielnetz und blaut nicht. Der Gallenröhrling hat rosa Röhren und ein grobes dunkles Stielnetz und schmeckt bitter. Der Rotfußröhrling blaut ebenfalls, hat aber einen rot gefärbten Stiel und ein weicheres, wässrigeres Fleisch - ebenfalls essbar, nur weniger gut. Giftige Verwechslungspartner gibt es bei der Marone nicht.
Verstärkte KombinationenDer Alltagspilz
Sie ist vielseitig, häufig und günstig zu haben - und die beste Alternative zum teuren Steinpilz.
Sie trocknet hervorragend und ist getrocknet eine ausgezeichnete, deutlich günstigere Alternative zum Steinpilz.
Der Klassiker. Kräftig braten, bis die Flüssigkeit weg ist, dann Zwiebeln dazu.
Dieselbe Saison, ergänzende Texturen.
Getrocknete Maronen ergeben eine kräftige, dunkle Pilzsuppe.
Auf die Poren drücken: Blaugrüne Verfärbung innerhalb von Sekunden bestätigt die Marone.
In den betroffenen Gebieten Süddeutschlands senkt Blanchieren mit weggeschüttetem Kochwasser den Cäsiumgehalt messbar.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Sie ist der Spitzenreiter bei der Anreicherung. In belasteten Regionen die aktuellen Messwerte des Bundesamts für Strahlenschutz beachten.
Die Anfängerregel: Röhrlinge mit roten Poren bleiben stehen. Blauen allein ist dagegen harmlos.
Nicht giftig, aber er ruiniert das Gericht.
Bei Nässe wird die Huthaut schmierig. Sie lässt sich abziehen, was die Konsistenz verbessert.
Wie alle Röhrlinge saugt sie sich voll. Abbürsten oder abwischen.
Sie sind häufig befallen. Stiel anschneiden und prüfen, bevor sie in den Korb kommt.
In der KücheDer Korbfüller
- GebratenIn Butter mit Zwiebeln und Petersilie.
- RahmsauceZu Semmelknödeln, Spätzle oder Wild.
- PilzsuppeAus getrockneten Maronen - kräftig und dunkel.
- RisottoMit dem Einweichwasser getrockneter Maronen als Fond.
- PilzgulaschMit Paprika und saurer Sahne.
- GetrocknetSie trocknet hervorragend - die beste Konservierung.
- PilzpulverGetrocknet und gemahlen als Würzpulver.
- EingefrorenVorgebraten einfrieren.
- EingelegtKleine, feste Exemplare in Essig-Öl.
- BlanchiertIn belasteten Regionen: blanchieren, Kochwasser weggießen.
Als HausmittelMaronen trocknen
Der Wintervorrat aus dem Fichtenwald
- Nur feste, madenfreie Exemplare verwenden. Den Stiel unten anschneiden und die Schnittfläche prüfen; befallene Teile wegschneiden.
- Nicht waschen. Mit Pinsel oder Tuch säubern. Bei nassem Wetter ist die Huthaut schmierig - sie lässt sich abziehen, was Konsistenz und Haltbarkeit verbessert.
- In gleichmäßige Scheiben von drei bis fünf Millimetern schneiden. Röhren mit trocknen, sie geben dem Ergebnis Farbe und Aroma.
- Auf Gittern oder im Dörrgerät bei 40 bis 50 Grad trocknen, die Scheiben dürfen sich nicht berühren. Im Backofen bei leicht geöffneter Tür.
- Fertig sind sie, wenn sie beim Biegen brechen. Vollständig auskühlen lassen und in luftdichte Gläser füllen.
- Nach ein bis zwei Wochen kontrollieren: Beschlägt das Glas, waren sie nicht ganz trocken und müssen nachgetrocknet werden. Dunkel gelagert halten sie mindestens ein Jahr.
Für den Wintervorrat und als günstige Alternative zu getrockneten Steinpilzen. Die Marone ist ein Speisepilz ohne arzneiliche Bedeutung.
Als Lebensmittel nach Belieben, gut durchgegart. In den cäsiumbelasteten Regionen Süddeutschlands die aktuellen Messwerte des Bundesamts für Strahlenschutz beachten und bei regelmäßigem Verzehr großer Mengen blanchieren.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Der Maronenröhrling ist im Ayurveda nicht vertreten - ein europäisch-nordasiatischer Waldpilz ohne Platz in den klassischen indischen Texten.
Traditional Chinese Medicine
Auch in der chinesischen Materia medica spielt Imleria badia keine Rolle. Röhrlinge werden in Yunnan in großem Umfang gesammelt und gegessen; die dortigen Arten sind teilweise andere. Eine arzneiliche Zuordnung gibt es nicht - wie die meisten Speisepilze ist die Marone überall ein Nahrungsmittel und nirgends eine Droge.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Höchste Cäsiumanreicherung unter den Speisepilzen: In belasteten Regionen Süddeutschlands die aktuellen Messwerte des Bundesamts für Strahlenschutz beachten. Blanchieren mit weggeschüttetem Kochwasser senkt den Gehalt messbar.
- Blauen ist harmlos: Die Verfärbung der Poren auf Druck ist eine normale enzymatische Reaktion und kein Giftzeichen.
- Rote Poren bleiben stehen: Das ist die wichtige Anfängerregel für Röhrlinge - nicht das Blauen.
- Gallenröhrling: Rosa Röhren, grobes dunkles Stielnetz, bitterer Geschmack. Nicht giftig, aber er verdirbt das Gericht.
- Maden prüfen: Maronen sind häufig befallen. Stiel anschneiden, bevor der Pilz in den Korb kommt.
- Immer durchgaren: Wie alle Pilze gehört sie vollständig gegart.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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SourcesWorauf sich das stützt
- Bundesamt für Strahlenschutz: Radioaktivität in Wildpilzen - jährliche Messberichte mit Artenranking.
- Steinhauser G., Brandl A.: Caesium in mushrooms - uptake and reduction by culinary processing. Journal of Environmental Radioactivity.
- Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Bestimmungsmerkmale von Röhrlingen.
- Gerhardt E.: Der große BLV Pilzführer für unterwegs.
- Kalač P.: A review of chemical composition and nutritional value of wild-growing and cultivated mushrooms. Journal of the Science of Food and Agriculture 2013.


