Jojobaöl (Simmondsia chinensis)

Botanischer Name
Simmondsia chinensisJojobagewächse (Simmondsiaceae)
Was es ist
Flüssiges Wachskein Öl - Wachsester statt Triglyceride
Origin
Sonora-WüsteArizona, Kalifornien, Nordmexiko
Haltbarkeit
Sehr hochwird praktisch nicht ranzig
Hautaffinität
Sebum-ähnlichdem Hauttalg chemisch nahe
Wichtig
Nur äußerlichdie Samen sind nicht essbar

OriginDer Strauch, der den Pottwal rettete

Jojoba Strauch

Als 1971 die Einfuhr von Walprodukten in die USA verboten wurde, suchte die Industrie einen Ersatz - und fand ihn in einem Wüstenstrauch.

Simmondsia chinensis ist ein bis zu drei Meter hoher, immergrüner Strauch aus der Sonora-Wüste im Grenzgebiet von Arizona, Kalifornien und dem mexikanischen Bundesstaat Sonora. Er ist die einzige Art seiner Familie - eine botanische Einzelgängerin ohne nahe Verwandte. Der Artname chinensis ist ein Irrtum: Ein Botaniker des 19. Jahrhunderts hatte die Herbarbelege falsch zugeordnet, und der Name blieb nach den Nomenklaturregeln bestehen. Mit China hat die Pflanze nichts zu tun.

Der Strauch ist zweihäusig und extrem trockenheitsverträglich: Seine Pfahlwurzel reicht bis in mehrere Meter Tiefe, und er übersteht Jahre mit kaum Niederschlag. Die Tohono O’odham und andere indigene Völker der Region nutzten die Samen seit Langem - als Nahrung in Notzeiten, für Haar- und Hautpflege und für Wunden.

Die industrielle Karriere begann aus einem ungewöhnlichen Grund. Bis in die 1970er Jahre war Walrat - ein Wachs aus dem Kopf des Pottwals - ein wichtiger Rohstoff für Kosmetik, Schmierstoffe und Transformatorenöle. 1971 verbot der Marine Mammal Protection Act in den USA die Einfuhr von Walprodukten, und die Industrie suchte Ersatz. Jojobawachs erwies sich als chemisch nahezu gleichwertig, und der kommerzielle Anbau wurde massiv gefördert. Dass ein Wüstenstrauch dazu beigetragen hat, den Jagddruck auf Pottwale zu senken, ist eine der schöneren Geschichten in diesem Archiv.

NutzenDie Chemie erklärt, warum es sich so gut anfühlt

Jojobaöl hat keine Arzneimonographie - es ist ein Kosmetikrohstoff. Was es auszeichnet, ist eine chemische Besonderheit, die sich unmittelbar in die Praxis übersetzt: Es besteht nicht aus Triglyceriden wie alle anderen Pflanzenöle, sondern aus Wachsestern - langkettigen Fettsäuren, die mit langkettigen Fettalkoholen verestert sind. Das ist in der Pflanzenwelt fast einmalig.

Daraus folgt erstens eine außergewöhnliche Oxidationsstabilität. Die Doppelbindungen sitzen an Positionen, die schlecht angreifbar sind, und Jojobaöl enthält praktisch keine mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Es wird deshalb kaum ranzig und hält sich über Jahre, ohne besondere Lagerbedingungen. In Kosmetikrezepturen ist es aus diesem Grund beliebt, und es stabilisiert sogar empfindlichere Öle, mit denen es gemischt wird.

Zweitens die Hautaffinität. Der menschliche Hauttalg besteht zu einem erheblichen Teil ebenfalls aus Wachsestern. Jojobaöl ist ihm damit chemisch näher als jedes andere Pflanzenöl, verteilt sich entsprechend gleichmäßig und hinterlässt keinen schweren Film. Im Vergleich zu vielen anderen Ölen gilt es als wenig komedogen - ein wichtiger Unterschied etwa zu Kokosöl, das bei zu Unreinheiten neigender Haut problematisch sein kann.

Klinische Studien zu Jojobaöl gibt es wenige und überwiegend kleine. Es gibt Untersuchungen zu Jojoba-haltigen Gesichtsmasken bei Akne und zur Wundheilung, mit positiven, aber nicht belastbaren Ergebnissen. Unsere Einschätzung: Jojobaöl ist kein Wirkstoff, sondern ein exzellentes Trägeröl und eine sehr gut verträgliche Basispflege. Genau das reicht völlig - man muss ihm keine Heilwirkungen andichten, um es zu schätzen.

ca. 97 %Wachsester - keine Triglyceride
über 2 JahreHaltbarkeit ohne besondere Lagerung
bis 60 %Ölanteil im Samen
1971Verbot der Walprodukteinfuhr in den USA - der Startschuss

IngredientsWachsester, Tocopherole und ein Stoff, der nicht auf die Haut gehört

Rund siebenundneunzig Prozent des Jojobaöls bestehen aus Wachsestern, überwiegend aus den einfach ungesättigten Fettsäuren Gadoleinsäure und Erucasäure, verestert mit entsprechenden Fettalkoholen. Dazu kommen Tocopherole - Vitamin-E-Verbindungen, die als Antioxidantien wirken - sowie Phytosterole und geringe Mengen freier Fettsäuren.

Die Konsistenz hängt von der Temperatur ab: Bei Raumtemperatur ist Jojobaöl flüssig, unter etwa zehn Grad erstarrt es zu einer weichen Masse. Das ist normal und kein Qualitätsmangel - bei Zimmertemperatur wird es wieder flüssig. Naturbelassenes, kaltgepresstes Jojobaöl ist goldgelb; raffiniertes ist farblos und geruchlos, dafür ärmer an Tocopherolen.

Ein Punkt, der für die Einordnung wichtig ist: Die Jojobasamen enthalten Simmondsin, ein Glykosid, das appetithemmend wirkt und in Tierversuchen zu Gewichtsverlust führt - aber auch zu Toxizität. Jojobaöl ist deshalb kein Speiseöl, und Jojobasamen sind kein Lebensmittel. Das Öl wird ausschließlich äußerlich angewendet. Der Presskuchen wird nach Entfernung des Simmondsins als Tierfutter verwendet.

Für den Kauf gilt: Kaltgepresstes, naturbelassenes Jojobaöl ist die vollwertigere Variante. Es sollte klar goldgelb sein und praktisch geruchlos bis leicht nussig riechen. Weil es kaum oxidiert, sind hier - anders als bei Leinöl oder Teebaumöl - keine besonderen Lagerungsvorsichten nötig; ein verschlossenes Fläschchen hält problemlos zwei Jahre und länger.

Verstärkte KombinationenDas universelle Trägeröl

Jojobaöl ist das Öl, mit dem man fast alles mischen kann - und das genau deshalb in fast jedem Rezept dieser Website auftaucht.

Trägeröl

Jojoba + ätherische Öle

Das Standard-Trägeröl für jede Verdünnung ätherischer Öle. Es ist stabil, geruchsneutral und hautfreundlich - und es lässt das ätherische Öl nicht ranzig werden.

Gesicht

Jojoba + zu Unreinheiten neigende Haut

Weniger komedogen als die meisten Pflanzenöle und dem Hauttalg chemisch ähnlich. Für Gesichtspflege bei Mischhaut oft die beste Wahl.

Reinigung

Jojoba + Ölreinigung

Nach dem Prinzip „Gleiches löst Gleiches“ löst es Talg und Make-up, ohne die Haut auszutrocknen. Auftragen, einmassieren, mit einem warmen Tuch abnehmen.

Haar

Jojoba + Kopfhaut

Als leichte Kopfhautpflege - es fettet weniger nach als Kokos- oder Olivenöl und lässt sich leichter auswaschen.

Stabilität

Jojoba + empfindliche Öle

Mit Hagebuttenkern-, Nachtkerzen- oder anderen empfindlichen Ölen gemischt, verlängert es deren Haltbarkeit.

Rasur

Jojoba + vor und nach der Rasur

Als Rasieröl und als Aftershave-Pflege - es brennt nicht und zieht schnell ein.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Innerlich

Jojobaöl + Einnahme

Kein Speiseöl. Die Samen enthalten Simmondsin, das in Tierversuchen toxisch wirkt. Jojobaöl wird ausschließlich äußerlich verwendet.

Erwartung

Jojoba + Heilwirkung

Es ist ein exzellentes Pflege- und Trägeröl, kein Wirkstoff. Klinische Studien zu Heilwirkungen sind klein und nicht belastbar.

Kälte

Jojoba + kalte Lagerung

Unter zehn Grad erstarrt es. Das ist kein Mangel - bei Zimmertemperatur wird es wieder flüssig.

Allergie

Jojoba + Kontaktallergie

Selten, aber beschrieben. Vor der ersten großflächigen Anwendung eine kleine Stelle testen.

Raffiniert

Jojoba + farblos und geruchlos

Raffiniertes Öl ist ärmer an Tocopherolen. Für Pflegezwecke ist kaltgepresstes, goldgelbes Öl die bessere Wahl.

Preis

Jojoba + sehr günstige Angebote

Der Anbau ist aufwendig und auf wenige Regionen begrenzt. Auffällig billige Ware ist häufig gestreckt.

ApplicationWofür man es verwendet

  • TrägerölFür jede Verdünnung ätherischer Öle - ein bis fünf Prozent ätherisches Öl auf Jojoba.
  • GesichtspflegeWenige Tropfen auf die noch feuchte Haut nach dem Waschen.
  • ÖlreinigungAuftragen, einmassieren, mit einem warmen Tuch abnehmen - löst Make-up und Talg.
  • KörperölNach dem Duschen; es zieht schnell ein und fettet nicht nach.
  • KopfhautAls leichte Pflege bei trockener Kopfhaut, leichter auszuwaschen als Kokosöl.
  • BartölDie klassische Basis für Bartöle - zieht ein, ohne zu glänzen.
  • RasierölVor der Nassrasur dünn aufgetragen.
  • MassageölAls Basis, allein oder mit Mandelöl gemischt.
  • StabilisatorEmpfindliche Öle damit mischen, um sie haltbarer zu machen.
  • LippenbalsamMit Bienenwachs zu einem einfachen Balsam.
Faustregel: Wenn du nur ein einziges Trägeröl im Bad haben willst, nimm Jojoba. Es passt zu jedem ätherischen Öl, es wird über Jahre nicht ranzig, es fettet nicht nach und es verstopft keine Poren - vier Eigenschaften, die kein anderes Pflanzenöl in dieser Kombination bietet.

Als HausmittelDie Ölreinigung fürs Gesicht

So geht’s

Gesichtsreinigung mit Jojobaöl

  1. Etwa einen halben Teelöffel kaltgepresstes Jojobaöl in die trockenen Handflächen geben und anwärmen.
  2. Auf das trockene, ungewaschene Gesicht auftragen und ein bis zwei Minuten sanft einmassieren - auch über Make-up und Sonnencreme. Das Prinzip: Das Öl löst Talg und öllösliche Rückstände.
  3. Ein Waschlappen oder Baumwolltuch mit warmem - nicht heißem - Wasser tränken und ausdrücken.
  4. Das warme Tuch für etwa zwanzig Sekunden auf das Gesicht legen, dann das Öl damit vorsichtig abnehmen. Nicht rubbeln, sondern abwischen.
  5. Bei Bedarf mit einem milden Waschgel nachreinigen. Bei trockener Haut reicht das Öl allein.
  6. Anschließend zwei bis drei Tropfen Jojobaöl auf die noch feuchte Haut als Pflege. Bei zu Unreinheiten neigender Haut zuerst an einer kleinen Stelle über eine Woche testen.
Wofür

Als sanfte Gesichtsreinigung, die Make-up und Talg löst, ohne die Hautbarriere anzugreifen - und als tägliche Pflege für Gesicht, Körper und Haare. Ausschließlich äußerlich.

Menge

Nach Bedarf. Jojobaöl ist sehr gut verträglich; Kontaktallergien sind selten, aber beschrieben - vor der ersten großflächigen Anwendung eine kleine Stelle testen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Jojoba ist eine nordamerikanische Wüstenpflanze und im Ayurveda nicht vertreten. Die Rolle, die es heute als universelles Trägeröl spielt, hat dort das Sesamöl - Tila Taila –, das als das Öl schlechthin gilt und die Basis für unzählige medizinische Ölzubereitungen bildet. Der Vergleich ist interessant: Beide sind relativ stabile, gut verträgliche Öle, und beide werden vor allem als Träger für andere Wirkstoffe geschätzt.

Traditional Chinese Medicine

Auch in der chinesischen Materia medica fehlt Jojoba. Für äußerliche Anwendungen werden dort traditionell Sesam- und Schweinefett-basierte Grundlagen verwendet. Jojobaöl ist in China inzwischen ein verbreiteter Kosmetikrohstoff, aber ohne traditionelle Einordnung - eines der wenigen Produkte in diesem Archiv, das schlicht keine ostasiatische Geschichte hat.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Nur äußerlich: Jojobaöl ist kein Speiseöl. Die Samen enthalten Simmondsin, das in Tierversuchen toxisch wirkt.
  • Kein Wirkstoff: Es ist ein hervorragendes Pflege- und Trägeröl. Klinische Studien zu Heilwirkungen sind klein und nicht belastbar.
  • Kontaktallergie: Selten, aber beschrieben. Vor der ersten großflächigen Anwendung eine kleine Stelle testen.
  • Erstarrt bei Kälte: Unter etwa zehn Grad wird es fest - das ist normal und kein Qualitätsmangel.
  • Kaltgepresst bevorzugen: Raffiniertes Öl ist farblos, geruchlos und tocopherolärmer.
  • Sehr günstige Ware prüfen: Der Anbau ist aufwendig; auffällig billige Angebote sind häufig gestreckt.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. Wisniak J.: Jojoba oil and derivatives. Progress in the Chemistry of Fats and other Lipids, Übersicht zur Chemie der Wachsester.
  2. Pazyar N. et al.: Jojoba in dermatology - a succinct review. Giornale Italiano di Dermatologia e Venereologia 2013.
  3. Marine Mammal Protection Act 1972 (USA) - historischer Hintergrund zum Walratersatz.
  4. Meyer S.E. / USDA Forest Service: Simmondsia chinensis - Woody Plant Seed Manual.
  5. Cappillino P. et al.: Composition of Chihuahuan Desert jojoba seed - zum Simmondsingehalt. Industrial Crops and Products 2003.