Kokosöl (Cocos nucifera)

Botanischer Name
Cocos nuciferaPalmengewächs (Arecaceae)
Gewonnen aus
Kopra oder Frischfleischraffiniert oder nativ
Fettsäuren
über 90 % gesättigtdavon rund die Hälfte Laurinsäure
Schmelzpunkt
24 - 26 °Cfest im Schrank, flüssig im Sommer
Einstufung
Lebensmittelkeine Arzneimonographie
Proven
HaarschutzStudien zur Proteinverlust-Reduktion

OriginDie Nuss, die über Ozeane schwimmt

Kokosnuss und Kokosöl

Kokosnüsse treiben monatelang im Meer und keimen danach noch - so hat die Palme die Tropen erobert.

Cocos nucifera ist eine Palme, die bis zu dreißig Meter hoch wird und in allen tropischen Küstenregionen wächst. Ihre Frucht ist botanisch keine Nuss, sondern eine Steinfrucht: eine faserige Außenschicht, eine harte Schale und im Inneren das Endosperm - das weiße Fruchtfleisch und das Kokoswasser. Die faserige Hülle ist der Grund für ihre Verbreitung: Sie macht die Frucht schwimmfähig, und Kokosnüsse können monatelang im Meerwasser treiben und danach an einem fremden Strand keimen.

Die Palme ist eine der nützlichsten Pflanzen überhaupt. Auf den Philippinen heißt sie „Baum der tausend Nutzungen“: Das Fruchtfleisch liefert Nahrung und Öl, das Kokoswasser ein steriles Getränk, die Fasern Seile und Matten, die Blätter Dächer, der Stamm Bauholz, der Blütensaft Zucker und Palmwein. In vielen tropischen Küstengesellschaften ist sie wirtschaftlich zentral.

Das Öl wird auf zwei Wegen gewonnen. Traditionell aus Kopra, dem getrockneten Fruchtfleisch, das gepresst und anschließend raffiniert, gebleicht und desodoriert wird - das ist das geschmacksneutrale, hoch erhitzbare Kokosfett. Und aus frischem Fruchtfleisch durch Kaltpressung oder Zentrifugation: das native Kokosöl, das intensiv nach Kokos riecht und einen niedrigeren Rauchpunkt hat. Beide bestehen aus denselben Fettsäuren; die Unterschiede liegen in Aroma, Begleitstoffen und Hitzestabilität.

NutzenWas drinsteht - und was die Fachgesellschaften dazu sagen

Kokosöl hat keine Arzneimonographie; es ist ein Lebensmittel und ein Kosmetikrohstoff. Die Diskussion um seinen Gesundheitswert dreht sich um eine einzige Zahl: über neunzig Prozent gesättigte Fettsäuren. Das ist mehr als in Butter und mehr als in Schweineschmalz. Die American Heart Association veröffentlichte 2017 eine viel beachtete Stellungnahme, in der sie ausdrücklich davon abriet, Kokosöl als gesundes Öl zu betrachten: In den ausgewerteten kontrollierten Studien erhöhte es das LDL-Cholesterin deutlich.

Das Gegenargument der Befürworter lautet, die enthaltene Laurinsäure sei eine mittelkettige Fettsäure und werde anders verstoffwechselt. Hier lohnt eine Präzisierung. Laurinsäure hat zwölf Kohlenstoffatome und wird chemisch zu den mittelkettigen Fettsäuren gezählt - physiologisch verhält sie sich aber überwiegend wie eine langkettige: Sie wird zum größten Teil über das Lymphsystem aufgenommen und nicht wie echte MCT-Fette direkt zur Leber transportiert. Die Studien zu MCT-Ölen, die mit Capryl- und Caprinsäure gemacht wurden, lassen sich deshalb nicht auf Kokosöl übertragen. MCT-Öl und Kokosöl sind nicht dasselbe.

Eine Metaanalyse kontrollierter Studien bestätigte das Bild: Kokosöl erhöht gegenüber ungesättigten Pflanzenölen sowohl LDL als auch HDL, wobei die LDL-Erhöhung überwiegt. Es gibt keine belastbaren Daten, die einen Nutzen für Gewicht, Stoffwechsel oder Herzgesundheit belegen. Die viel zitierte Beobachtung, dass Bevölkerungen mit hohem Kokoskonsum gesund seien, betrifft Gesellschaften, die ganze Kokosnuss essen und sich insgesamt völlig anders ernähren als jemand, der einen Löffel Öl in den Kaffee rührt.

Ganz anders sieht es äußerlich aus. Hier gibt es einen soliden, mehrfach bestätigten Befund: Kokosöl reduziert den Proteinverlust von Haaren - vor und nach dem Waschen aufgetragen - deutlich besser als Mineral- oder Sonnenblumenöl. Der Grund ist die Laurinsäure: Sie hat eine lineare Struktur und eine hohe Affinität zu Haarproteinen und kann in den Haarschaft eindringen. Für die Haut gibt es Studien zur Verbesserung der Hautbarriere bei trockener Haut und bei Neurodermitis, mit positiven Ergebnissen. Das ist die Anwendung, bei der Kokosöl wirklich etwas kann.

über 90 %gesättigte Fettsäuren - mehr als in Butter
45 - 50 %Laurinsäure
177 °CRauchpunkt von nativem Kokosöl
232 °CRauchpunkt von raffiniertem Kokosfett

IngredientsLaurinsäure und die MCT-Verwechslung

Das Fettsäureprofil ist außergewöhnlich einheitlich: 45 bis 50 Prozent Laurinsäure, dazu Myristin-, Palmitin- und Caprylsäure, rund sechs Prozent einfach ungesättigte Ölsäure und nur ein bis zwei Prozent mehrfach ungesättigte Linolsäure. Dieser sehr niedrige Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren ist der Grund für die hohe Oxidationsstabilität: Kokosöl wird kaum ranzig und hält sich ungekühlt zwei Jahre und länger.

Die MCT-Frage verdient Klarheit, weil sie der Kern des Marketings ist. Echte mittelkettige Triglyceride - MCT-Öl - bestehen aus Capryl- (C8) und Caprinsäure (C10). Diese werden im Darm ohne Gallensalze aufgenommen und über die Pfortader direkt zur Leber transportiert, wo sie schnell zu Ketonkörpern verstoffwechselt werden. Kokosöl enthält davon zusammen etwa zehn Prozent. Die Laurinsäure, die die Hälfte ausmacht, verhält sich überwiegend wie ein langkettiges Fett. Wer die MCT-Effekte will, braucht MCT-Öl; Kokosöl ist etwas anderes.

Natives und raffiniertes Öl unterscheiden sich in den Begleitstoffen. Natives Kokosöl enthält Polyphenole und Tocopherole aus dem Fruchtfleisch und den charakteristischen Kokosduft; raffiniertes ist davon weitgehend befreit, dafür bis 232 Grad erhitzbar. Für hohe Temperaturen ist raffiniert die sinnvollere Wahl, für Aroma und Hautpflege das native.

Für die Kosmetik ist eine physikalische Eigenschaft entscheidend: Der Schmelzpunkt liegt bei 24 bis 26 Grad. Das bedeutet, dass Kokosöl bei Raumtemperatur fest, auf der Haut aber sofort flüssig ist - eine angenehme Eigenschaft, die es zum idealen Ausgangsstoff für Salben und Balsame macht. Ein Hinweis für Gesichtspflege: Kokosöl gilt als komedogen, kann also Poren verstopfen. Bei zu Unreinheiten neigender Haut ist es im Gesicht nicht die beste Wahl.

Verstärkte KombinationenWo Kokosöl seinen Platz hat

Als Fett unter vielen in der Küche, als sehr gutes Mittel für Haare und trockene Haut - in dieser Gewichtung ergibt Kokosöl Sinn.

Haare

Kokosöl + vor der Wäsche

Der bestbelegte Einsatz: eine kleine Menge eine Stunde oder über Nacht ins Haar, dann waschen. Reduziert den Proteinverlust beim Waschen messbar.

skin

Kokosöl + trockene Haut

Für trockene, schuppige Haut und als Körperöl nach dem Duschen - schmilzt sofort und zieht gut ein.

Salbe

Kokosöl + Kräuterauszug

Als festes Auszugsfett für Ringelblumen- oder Kamillenöl: ergibt eine streichfähige Salbe ganz ohne Bienenwachs.

Küche

Kokosöl + asiatische Gerichte

Wo der Kokosgeschmack hingehört - in Currys, Wokgerichte und südindische Küche –, ist natives Kokosöl das passende Fett.

Hitze

Raffiniertes Kokosfett + hohe Temperaturen

Für scharfes Anbraten und Frittieren ist raffiniertes Kokosfett hitzestabil und geschmacksneutral.

Zähne

Kokosöl + Ölziehen

Eine traditionelle Praxis mit kleiner, aber vorhandener Datenlage zur Plaquereduktion. Als Ergänzung zum Zähneputzen, nicht als Ersatz.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Herz

Kokosöl + Ersatz für Pflanzenöle

Die AHA rät ausdrücklich davon ab, Kokosöl als gesundes Öl zu verwenden. Es hebt das LDL-Cholesterin deutlicher als ungesättigte Öle. Olivenöl und Rapsöl sind für den Alltag die bessere Wahl.

MCT

Kokosöl + MCT-Erwartung

Echte MCT sind Capryl- und Caprinsäure; Kokosöl enthält davon rund zehn Prozent. Die MCT-Studien lassen sich nicht übertragen.

Gesicht

Kokosöl + unreine Haut

Kokosöl gilt als komedogen und kann Poren verstopfen. Bei zu Unreinheiten neigender Haut im Gesicht besser ein leichteres Öl.

Abnehmen

Kokosöl + Gewichtsabnahme

Es gibt keine belastbaren Daten, die einen Gewichtseffekt belegen. Kokosöl hat neun Kalorien pro Gramm wie jedes andere Fett.

Ölziehen

Kokosöl + Ersatz fürs Zähneputzen

Ölziehen ersetzt weder Zahnbürste noch Zahnseide noch Fluorid. Als Ergänzung in Ordnung, als Ersatz schädlich.

Feine Haare

Kokosöl + zu große Menge

Es beschwert. Bei feinem Haar reicht eine erbsengroße Menge nur in die Längen, nicht an den Ansatz.

Zu welchem GerichtIn Küche, Bad und Salbentopf

  • CurryNatives Kokosöl in südindischen und thailändischen Gerichten - dort gehört der Geschmack hin.
  • WokRaffiniertes Kokosfett für scharfes Anbraten; hitzestabil und neutral.
  • BackenIn veganem Gebäck als Butterersatz - es wird beim Abkühlen wieder fest.
  • Rohkost-RiegelAls Bindemittel in Energiebällchen und Rohkosttorten, weil es im Kühlschrank fest wird.
  • HaarkurEine Stunde oder über Nacht ins Haar, dann waschen - die bestbelegte Anwendung.
  • KörperölNach dem Duschen auf noch feuchte Haut.
  • SalbengrundlageAls Auszugsfett für Ringelblume und Kamille, ohne Bienenwachs streichfähig.
  • LippenbalsamMit etwas Bienenwachs zu einem einfachen Balsam verarbeitet.
  • ÖlziehenEin Esslöffel morgens zehn Minuten im Mund bewegen, ausspucken - nicht ins Waschbecken, es erstarrt im Abfluss.
  • RasurAls Rasieröl für empfindliche Haut.
Faustregel: Spuck das Öl nach dem Ölziehen ins Papiertuch und in den Müll, nicht ins Waschbecken. Kokosöl erstarrt bei unter 24 Grad - im Abfluss wird daraus über Wochen eine feste Schicht, die schwer wieder herausgeht.

Als HausmittelDie Haarkur - die Anwendung mit den besten Daten

So geht’s

Kokosöl vor der Haarwäsche

  1. Eine kleine Menge natives Kokosöl zwischen den Handflächen schmelzen - bei feinem Haar etwa erbsengroß, bei dickem, langem Haar bis zu einem Teelöffel.
  2. In die Längen und Spitzen einarbeiten, den Ansatz aussparen. Das Öl soll den Haarschaft schützen, nicht die Kopfhaut fetten.
  3. Mindestens eine Stunde einwirken lassen, gerne über Nacht mit einem Handtuch auf dem Kissen. Die Studien zur Proteinverlust-Reduktion arbeiteten mit Anwendung vor und nach der Wäsche.
  4. Mit Shampoo auswaschen - meist braucht es zwei Durchgänge, bis das Haar nicht mehr fettig ist.
  5. Nach dem Waschen optional eine winzige Menge in die trockenen Spitzen geben. Weniger ist hier deutlich mehr.
  6. Ein- bis zweimal pro Woche wiederholen. Bei sehr feinem Haar reicht einmal alle zwei Wochen, sonst wirkt es beschwert.
Wofür

Zum Schutz des Haars vor dem Proteinverlust beim Waschen - die Anwendung mit der besten Datenlage. Außerdem als Körperöl für trockene Haut und als Salbengrundlage für Kräuterauszüge.

Menge

Äußerlich nach Bedarf. In der Küche gilt Kokosöl als eines von vielen Fetten - kein Grund, es gegenüber Oliven- oder Rapsöl zu bevorzugen, und guter Grund, es nicht als Hauptfett zu verwenden.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Kokosöl ist im Ayurveda als Narikela Taila ein zentrales Öl und wird als süß und kühlend beschrieben, pitta-senkend. Es ist das Standardöl für die Kopfmassage, Shiro Abhyanga, und für alle Anwendungen, bei denen Hitze reduziert werden soll - im Sommer, bei entzündlicher Haut, bei Haarausfall durch „Hitze“. In Südindien, wo Kokospalmen wachsen, ist es das Alltagsöl schlechthin, während in Nordindien Sesamöl diese Rolle hat.

Traditional Chinese Medicine

In der chinesischen Materia medica spielt Kokosöl kaum eine Rolle; die Kokosnuss selbst erscheint als Ye Zi und wird als süß und neutral bis warm beschrieben, mit Bezug zu Milz und Magen, den Durst stillend und die Mitte stärkend. Das Kokoswasser wird traditionell bei Durst und Erschöpfung durch Hitze eingesetzt - eine Anwendung, die physiologisch nachvollziehbar ist, weil es ein natürliches Elektrolytgetränk darstellt.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Kein gesundes Öl für die Herzgesundheit: Die American Heart Association rät ausdrücklich davon ab. Kokosöl hebt das LDL-Cholesterin deutlicher als ungesättigte Pflanzenöle.
  • Nicht mit MCT-Öl verwechseln: Echte MCT sind Capryl- und Caprinsäure. Kokosöl besteht zur Hälfte aus Laurinsäure, die sich physiologisch anders verhält.
  • Komedogen im Gesicht: Bei zu Unreinheiten neigender Haut kann Kokosöl Poren verstopfen.
  • Ölziehen ersetzt nichts: Weder Zahnbürste noch Zahnseide noch Fluorid. Und nicht ins Waschbecken spucken - es erstarrt im Abfluss.
  • Keine Gewichtswirkung: Es gibt keine belastbaren Daten. Kokosöl hat neun Kalorien pro Gramm wie jedes Fett.
  • Allergien: Kokosallergien sind selten, aber beschrieben - bei erstmaliger äußerlicher Anwendung eine kleine Stelle testen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen

Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.

SourcesWorauf sich das stützt

  1. Sacks F.M. et al.: Dietary fats and cardiovascular disease - a presidential advisory from the American Heart Association. Circulation 2017.
  2. Neelakantan N. et al.: The effect of coconut oil consumption on cardiovascular risk factors - a systematic review and meta-analysis. Circulation 2020.
  3. Rele A.S., Mohile R.B.: Effect of mineral oil, sunflower oil, and coconut oil on prevention of hair damage. Journal of Cosmetic Science 2003.
  4. Evangelista M.T.P. et al.: The effect of topical virgin coconut oil on SCORAD index in pediatric atopic dermatitis. International Journal of Dermatology 2014.
  5. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Stellungnahme zu Kokosöl.