Mistel (Viscum album)

Familie
SandelholzgewächseViscum album - botanisch weit entfernt von allem, was wie sie aussieht
Lebensweise
Halbschmarotzereigene Photosynthese, aber Wasser und Nährstoffe vom Wirtsbaum
Drei Unterarten
Laubholz, Tanne, Kieferjede mit eigenem Wirtsspektrum und eigenem Stoffprofil
Origin
Europa und Westasienhoch in den Kronen, verbreitet durch Vögel
Application
Siehe Mistelkrautdie arzneiliche Seite steht auf der Seite zum Mistelkraut
Wichtig
Beeren giftigbesonders für Kinder - zur Weihnachtszeit daran denken

OriginZwischen Himmel und Erde

Mistelzweig mit weißen Beeren

Eine Pflanze, die wurzellos in der Krone hängt, im Winter grün bleibt und weiße Beeren trägt - für die alten Kulturen musste sie etwas Besonderes sein, und für die Biologie ist sie es tatsächlich.

Die Mistel ist ein Halbschmarotzer: Sie hat grüne Blätter und betreibt eigene Photosynthese, kann aber kein Wasser und keine Mineralstoffe aus dem Boden holen. Stattdessen treibt sie mit sogenannten Senkern in die Leitungsbahnen ihres Wirtsbaums und zapft dessen Wasserstrom an. Deshalb sitzt sie immer hoch in der Krone, wo der Wasserdruck hoch genug ist, und deshalb ist sie auf einen lebenden Baum angewiesen - stirbt er, stirbt sie mit.

Ihre Verbreitung erledigen Vögel. Die Misteldrossel hat sogar ihren Namen davon; auch Seidenschwänze und Mönchsgrasmücken fressen die Beeren. Das Fruchtfleisch ist außerordentlich klebrig - der Stoff heißt Viscin, daher der Gattungsname Viscum und daher auch die alte Verwendung des Mistelleims als Vogelleim. Die Samen bleiben am Schnabel oder gehen unverdaut durch und kleben dann am Ast fest, wo sie keimen. Ein einzelner Samen braucht Jahre, bis daraus ein sichtbarer Busch wird.

Botanisch unterscheidet man drei Unterarten mit jeweils eigenem Wirtskreis: die Laubholzmistel auf Apfel, Pappel, Weide, Birke, Linde und Robinie; die Tannenmistel auf Weißtanne; die Kiefernmistel auf Kiefer und Lärche. Sie sind nicht austauschbar - eine Laubholzmistel keimt auf einer Tanne nicht. Auf der Eiche wächst die europäische Mistel praktisch nie, was die Druidengeschichte bei Plinius erst so bedeutsam macht: Eine Eichenmistel war eine echte Rarität.

Kulturell ist sie in fast jeder europäischen Überlieferung präsent - als Schutz gegen Blitz und Unheil, in der nordischen Mythologie als Waffe gegen Balder, bei den Kelten als heilige Pflanze. Der bekannteste Brauch ist englischen Ursprungs: der Kuss unter dem Mistelzweig, der sich über die viktorianische Weihnachtstradition weltweit verbreitet hat.

NutzenWas die Mistel für Baum und Garten bedeutet

Diese Seite behandelt die Pflanze selbst. Alles zur arzneilichen Anwendung - die Teedroge und ihre dünne Beleglage bei Bluthochdruck, die Misteltherapie in der Onkologie mit ihrer differenzierten und kontroversen Studienlage, die Inhaltsstoffe Lektine und Viscotoxine - steht ausführlich auf der Seite zum mistletoe. Es ist dieselbe Pflanze, und eine zweite Darstellung würde nur Unklarheit schaffen.

Was hier hingehört, ist die ökologische und praktische Seite - und die ist in den letzten Jahrzehnten wichtig geworden. Die Laubholzmistel breitet sich in Mitteleuropa stark aus. Mildere Winter, längere Vegetationszeiten und mehr Vogelaktivität in Siedlungsnähe haben dazu geführt, dass Bestände zunehmen, die früher selten waren. Für Streuobstwiesen ist das ein ernstes Problem: Ein stark befallener Apfelbaum verliert über die Mistel erhebliche Mengen Wasser, wird trockenstressanfällig, treibt schlechter aus und kann über Jahre absterben. In manchen Regionen sind ganze Streuobstbestände bedroht.

Wer einen befallenen Baum retten will, muss früh und richtig handeln: Die Mistel wird nicht einfach abgeschnitten, denn der Senker sitzt tief im Holz und treibt wieder aus. Man muss den Ast etwa 30 bis 50 Zentimeter unterhalb der Mistel absägen, damit das eingewachsene Gewebe vollständig entfernt wird. Der beste Zeitpunkt ist der Winter, wenn die Misteln in den kahlen Kronen gut sichtbar sind - also genau dann, wenn man sie ohnehin für die Weihnachtsdekoration schneidet.

Für Tiere ist sie dagegen wertvoll: Die Beeren reifen im Winter, wenn kaum anderes Futter da ist, und sind für mehrere Vogelarten eine wichtige Nahrungsquelle. Wie so oft in der Ökologie ist die Bewertung also nicht eindeutig - dieselbe Pflanze ist Belastung für den Obstbau und Winterfutter für Vögel.

3 UnterartenLaubholz-, Tannen- und Kiefernmistel mit eigenem Wirtskreis
30–50 cmunterhalb der Mistel muss der Ast abgesägt werden - der Senker sitzt tief
Kaum auf Eichedeshalb war die Eichenmistel der Druiden eine echte Rarität
Winterfutterdie Beeren reifen, wenn Vögel sonst kaum etwas finden

IngredientsWie die Mistel gebaut ist

Der auffälligste anatomische Unterschied zu normalen Pflanzen ist das Senkersystem. Anstelle einer Wurzel bildet die Mistel einen Primärsenker, der die Rinde durchdringt, und daraus Rindensenker, die sich jahrelang im Holz des Wirtsastes ausbreiten. Der Baum wächst um sie herum weiter, sodass das Mistelgewebe regelrecht eingebaut wird - das ist der Grund, warum das bloße Abschneiden nichts bringt.

Bemerkenswert ist auch die Wuchsform: Die Mistel verzweigt sich streng gabelig, und jede Gabelung entspricht einem Jahr. Man kann das Alter eines Mistelbuschs also an den Verzweigungsebenen ablesen. Blätter und Zweige bleiben mehrere Jahre und fallen dann unregelmäßig ab; die Pflanze ist immergrün, aber nicht in dem Sinne, dass sie ihre Blätter nie erneuert.

Die Ingredients - Mistellektine, Viscotoxine, Flavonoide, Amine - und ihre Bewertung sind auf der Mistelkrautseite beschrieben. Zwei Punkte gehören trotzdem hierhin, weil sie mit der Pflanze selbst zu tun haben. Erstens: Die Zusammensetzung hängt stark vom Wirtsbaum ab, weshalb bei arzneilichen Präparaten immer der Wirt angegeben wird. Zweitens: Die weißen Beeren enthalten die zellschädigenden Viscotoxine in höherer Konzentration und sind die häufigste Vergiftungsursache - ein Punkt, der zur Weihnachtszeit praktisch wird, wenn Mistelzweige in Wohnungen hängen und Beeren herunterfallen.

Verstärkte KombinationenWas man mit der Mistel tun kann

Brauchtum, Obstbaumpflege und ein klarer Hinweis auf die Seite, die die Anwendung behandelt.

Brauch

als Zweig über der Tür

Die schönste und unproblematischste Verwendung - mit Blick auf herabfallende Beeren.

Obstbaum

mit Schnitt 30–50 cm unterhalb

Nur so wird der eingewachsene Senker vollständig entfernt.

Zeitpunkt

im Winter

In der kahlen Krone sind die Misteln gut sichtbar - der ideale Moment für beides.

Application

auf der Mistelkrautseite

Dort steht alles zu Teedroge, Misteltherapie und Studienlage.

Herz

mit Hawthorn

Die anerkannte Pflanze, wenn es um Herz und Kreislauf geht.

Vögel

mit Toleranz an Waldrändern

Wo kein Obstbau betroffen ist, sind Misteln wertvolles Winterfutter.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Beeren

nicht in Reichweite von Kindern

Die weißen Beeren sind die häufigste Ursache von Mistelvergiftungen.

Schnitt

nicht nur abschneiden

Der Senker sitzt tief im Holz und treibt wieder aus - der Ast muss ein Stück mit weg.

Obstwiese

nicht jahrelang gewähren lassen

Starker Befall kann Apfelbäume über Jahre zum Absterben bringen.

Haustiere

nicht in Reichweite von Hund und Katze

Auch für sie sind die Beeren problematisch.

Selbstanwendung

nicht als Tee gegen Bluthochdruck

Dafür gibt es keine Belege - die Einordnung steht auf der Mistelkrautseite.

Eigenansatz

nicht selbst dosieren

Wirkstoffgehalt und Zusammensetzung schwanken mit Wirtsbaum und Jahreszeit.

ApplicationWie damit umzugehen ist

  • WeihnachtsschmuckDer Zweig über der Tür - der bekannteste Brauch, englischen Ursprungs.
  • Beeren entfernenVor dem Aufhängen abzupfen, wenn Kinder oder Haustiere im Haus sind.
  • ObstbaumpflegeBefallene Äste im Winter 30 bis 50 cm unterhalb der Mistel absägen.
  • StreuobstwieseRegelmäßige Kontrolle - Befall früh entfernen, bevor der Baum leidet.
  • VogelbeobachtungMisteldrossel und Seidenschwanz im Winter an Mistelbüschen.
  • AltersbestimmungDie Gabelungen zählen - jede Verzweigungsebene ist ein Jahr.
  • Wirtsbaum bestimmenLaubholz-, Tannen- oder Kiefernmistel - sie sind nicht austauschbar.
  • Arzneiliche AnwendungSteht ausführlich auf der Seite zum Mistelkraut.
  • Kein MistelteeWeder bei Bluthochdruck noch bei einer Krebserkrankung zur Selbstbehandlung.
  • Giftnotruf kennenBei verschluckten Beeren nicht abwarten, sondern anrufen.
Faustregel: Wer Mistelzweige ins Haus holt: Beeren abzupfen, wenn Kinder oder Haustiere da sind. Wer Obstbäume hat: im Winter die Kronen kontrollieren und befallene Äste ein gutes Stück unterhalb der Mistel absägen - abschneiden allein bringt nichts. Und für alles Arzneiliche: siehe die Seite zum Mistelkraut.

Als HausmittelDer Baumschnitt

So geht’s

Mistelbefall am Obstbaum entfernen

  1. Im Winter, wenn die Krone kahl ist, den Baum von allen Seiten betrachten - Misteln sind dann als grüne Kugeln unübersehbar.
  2. Bei jedem befallenen Ast die Ansatzstelle suchen. Der Senker der Mistel wächst im Holz weiter, oft über einen halben Meter - deshalb wird nicht an der Mistel geschnitten.
  3. Den Ast 30 bis 50 Zentimeter unterhalb des Mistelansatzes sauber absägen, am besten am nächsten Astring. Bei dicken Leitästen, bei denen das nicht geht, muss man die Mistel wiederholt entfernen und mit erneutem Austrieb rechnen.
  4. Das Schnittgut nicht auf dem Grundstück liegen lassen, sondern entfernen - reife Beeren können weiterverbreitet werden. Und die Kontrolle jährlich wiederholen: Neue Keimlinge sind in den ersten Jahren winzig.
Wofür

Für Obst- und Streuobstbäume, vor allem Apfel, die zunehmend unter Mistelbefall leiden. Ein stark befallener Baum verliert über die Misteln große Wassermengen, wird anfälliger für Trockenheit, treibt schwächer aus und kann über einige Jahre absterben. Das ist kein Kräuterthema, sondern schlichte Baumpflege - aber es ist der häufigste praktische Grund, warum Menschen sich mit dieser Pflanze beschäftigen.

Menge

Jährliche Kontrolle im Winter, Entfernung befallener Äste bei jedem Durchgang. Bei alten, wertvollen Bäumen mit starkem Befall lohnt es, eine Fachfirma oder den örtlichen Obst- und Gartenbauverein hinzuzuziehen - ein zu radikaler Rückschnitt schadet dem Baum mehr als die Mistel. Und beim Umgang mit dem Schnittgut daran denken, dass die Beeren giftig sind, besonders für Kinder und Haustiere.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Siehe die Seite zum Mistelkraut. Kurz: Die europäische Mistel ist im Ayurveda nicht vertreten, und bei einer Pflanze mit diesem Sicherheitsprofil verzichten wir bewusst auf eine Dosha-Zuordnung nach Prinzip - sie wäre ein falsches Signal.

Traditional Chinese Medicine

Auch hier der Verweis, mit der wichtigen Ergänzung: In der chinesischen Materia Medica ist eine andere Mistelart fest verankert - Sang Ji Sheng, die Maulbeermistel (Taxillus chinensis), bitter, süß und neutral, Leber und Niere zugeordnet, eingesetzt bei rheumatischen Beschwerden, Rückenschmerzen und zur Stabilisierung in der Schwangerschaft. Eine andere Art auf einem anderen Wirtsbaum mit einer anderen Anwendung - die Namensverwandtschaft sagt hier nichts.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Beeren giftig: die weißen Beeren sind die häufigste Vergiftungsursache, besonders bei Kindern - vor dem Aufhängen abzupfen.
  • Haustiere: Hunde und Katzen reagieren ebenfalls empfindlich - Schnittgut nicht herumliegen lassen.
  • Keine Selbstanwendung: zur arzneilichen Bewertung siehe die Seite zum Mistelkraut; Teezubereitungen sind nicht zu empfehlen.
  • Obstbäume: starker Befall kann Bäume über Jahre schädigen - früh und richtig schneiden.
  • Baumpflege: zu radikaler Rückschnitt schadet mehr als die Mistel - bei alten Bäumen Fachleute fragen.
  • Notfall: bei verschluckten Beeren den Giftnotruf anrufen und nicht abwarten.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Visci herba.
  2. Roth L, Daunderer M, Kormann K: Giftpflanzen - Pflanzengifte. 6. Auflage - Viscum album, Viscotoxine und Vergiftungsbild.
  3. Julius Kühn-Institut und Landwirtschaftskammern: Hinweise zu Mistelbefall an Obstbäumen und zur fachgerechten Entfernung.
  4. Zuber D. Biological flora of Central Europe: Viscum album L. Flora 2004; 199(3): 181–203.
  5. Bundesamt für Naturschutz: Angaben zur Ausbreitung der Laubholzmistel in Mitteleuropa.