Agaricus blazei (Agaricus subrufescens)

Wissenschaftlich
Agaricus subrufescensfrüher Agaricus blazei
Handelsnamen
ABM, Mandelegerlingauch „Sonnenpilz“
Origin
Brasiliendort als „Cogumelo do Sol“ vermarktet
Speisewert
Essbarmandelartiger Geschmack
Wichtig
LeberschädenFallberichte bei Krebspatienten
Agaritin
Erhöhte Gehalteein Hydrazin-Derivat

OriginEin brasilianischer Pilz, ein japanischer Markt

Agaricus blazei

Die Geschichte beginnt mit einem Dorf in São Paulo, dessen Bewohner als auffallend gesund galten - und mit einem Pilz, den sie aßen.

Agaricus subrufescens ist ein Egerling, also ein naher Verwandter des Zuchtchampignons, und stammt ursprünglich aus Nord- und Südamerika. Er wurde bereits 1893 in den USA beschrieben und kultiviert, geriet dann in Vergessenheit und wurde in den 1960er Jahren in der brasilianischen Region Piedade bei São Paulo wiederentdeckt.

Die Geschichte, die den Markt schuf, geht so: Der japanische Forscher Takatoshi Furumoto hörte von einem Dorf, dessen Bewohner auffallend gesund und langlebig seien und einen bestimmten Pilz äßen. Er schickte Proben nach Japan, wo die Kultivierung gelang und erste Untersuchungen zu Polysacchariden durchgeführt wurden. In Japan entstand daraus ein Millionenmarkt; der Pilz wurde als Himematsutake vermarktet, in Brasilien als Cogumelo do Sol, Sonnenpilz.

Die Namensverwirrung ist erheblich. Lange wurde der Pilz als Agaricus blazei geführt; molekulare Untersuchungen zeigten später, dass es sich um Agaricus subrufescens handelt, die bereits 1893 beschriebene Art. Beide Namen sind im Handel in Gebrauch, und viele Produkte tragen weiterhin die Bezeichnung ABM für Agaricus blazei Murrill. Es handelt sich um dieselbe Art.

NutzenEine Studie, die abgebrochen wurde

Für den Mandelegerling gibt es keine Arzneimonographie. Untersucht wurden seine Beta-Glucane, wie bei allen Vitalpilzen, mit Zell- und Tiermodellen zu immunologischen Effekten. Am Menschen ist die Datenlage schmal: Es gibt kleine Studien zu immunologischen Parametern bei Krebspatientinnen und eine Studie zu chronisch entzündlichen Darmerkrankungen mit Veränderungen von Entzündungsmarkern. Klinische Endpunkte - also Aussagen darüber, ob es jemandem tatsächlich besser geht - fehlen weitgehend.

Was es dagegen gibt, ist ein Sicherheitssignal, das man kennen sollte. In Japan wurde eine Studie mit einem Mandelegerling-Extrakt bei Krebspatientinnen durchgeführt, die wegen aufgetretener Leberschäden abgebrochen werden musste. Mehrere der Teilnehmerinnen entwickelten schwere Leberfunktionsstörungen. Weitere Fallberichte von Leberschädigung unter Mandelegerling-Präparaten liegen vor. Die Ursache ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden Inhaltsstoffe des Pilzes ebenso wie Verunreinigungen der Präparate.

Ein zweiter Punkt betrifft Agaritin. Das ist ein Hydrazin-Derivat, das in Egerlingen natürlich vorkommt - auch im normalen Zuchtchampignon - und das in Tierversuchen als potenziell genotoxisch aufgefallen ist. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat die Frage für Speisechampignons bewertet und das Risiko bei üblichem Verzehr als gering eingestuft, auch weil Agaritin beim Garen und Lagern abgebaut wird. Bei Mandelegerling-Extrakten liegen die Gehalte allerdings deutlich höher, und diese werden nicht gegart, sondern als Pulver oder Kapsel eingenommen.

Unsere Einordnung: Als Speisepilz ist der Mandelegerling unproblematisch und schmeckt gut - er hat ein feines, mandelartiges Aroma. Als Präparat sehen wir keinen belegten Nutzen, der die vorhandenen Sicherheitssignale aufwiegen würde, und wir raten insbesondere Menschen in onkologischer Behandlung davon ab, ihn ohne Wissen ihrer Ärztin einzunehmen. Das ist genau die Gruppe, an der die abgebrochene Studie durchgeführt wurde.

1893Erstbeschreibung als Agaricus subrufescens
1960erWiederentdeckung in Brasilien und Export nach Japan
abgebrochendie japanische Studie wegen Leberschäden
höher als im ChampignonAgaritingehalt in Extrakten

IngredientsBeta-Glucane, Agaritin und die Frage der Verunreinigung

Wie alle Egerlinge enthält der Mandelegerling Beta-Glucane in der Zellwand, dazu Ergosterol als Vitamin-D-Vorstufe, Protein und Ballaststoffe. Sein charakteristisches Aroma stammt von Benzaldehyd - demselben Stoff, der Bittermandeln ihren Geruch gibt und der auch im Anis-Egerling vorkommt.

Agaritin, chemisch ein Agaritinderivat der Gruppe der aromatischen Hydrazine, ist in Egerlingen weit verbreitet. Es wird im Körper teilweise zu reaktiven Verbindungen umgesetzt, die in Tierversuchen Tumoren auslösten. Für den Speisechampignon hat das Bundesinstitut für Risikobewertung Entwarnung gegeben: Der Gehalt sinkt beim Lagern, Waschen und vor allem beim Garen deutlich, und bei üblichem Konsum ist das Risiko gering. Für Extrakte gilt das nicht ohne Weiteres - sie werden nicht gegart, und ihre Gehalte liegen höher.

Ein dritter Punkt ist die Schwermetallfrage. Egerlinge sind bekannt dafür, Cadmium aus dem Substrat anzureichern; das gilt für Zuchtchampignons und für den Mandelegerling. Bei einem Produkt, das als Pulver in konzentrierter Form eingenommen wird, ist das relevanter als bei einem gelegentlichen Pilzgericht. Analysezertifikate sind hier - wie bei allen Pilzpräparaten - ein sinnvolles Kaufkriterium.

Für die Küche ist der Mandelegerling unkompliziert: Er wird wie ein Champignon behandelt, gebraten oder gegart, und schmeckt etwas feiner und nussiger als dieser. Wie bei allen Egerlingen gilt: gut durchgaren, nicht roh essen. Das reduziert den Agaritingehalt und ist ohnehin die Regel für Zuchtpilze.

Verstärkte KombinationenAls Pilz ja, als Präparat mit Vorbehalt

Wir trennen hier deutlich zwischen dem Lebensmittel und dem Nahrungsergänzungsmittel - die Bewertung fällt sehr verschieden aus.

Küche

Mandelegerling + wie Champignon

Gebraten, geschmort oder in Suppen. Der mandelig-nussige Ton ist feiner als beim Zuchtchampignon.

Garen

Mandelegerling + gut durchgegart

Garen senkt den Agaritingehalt deutlich und ist bei allen Zuchtpilzen ohnehin die Regel.

Qualität

Präparat + Analysezertifikat

Egerlinge reichern Cadmium an. Bei konzentrierten Pulvern ist ein Schwermetallnachweis das entscheidende Kriterium.

Anbau

Mandelegerling + eigene Kultur

Er lässt sich wie ein Champignon auf Kompostsubstrat ziehen und ist ein dankbarer Zuchtpilz für Fortgeschrittene.

Alternative

Vitalpilze + Schmetterlingstramete

Wer Beta-Glucane mit besserer Datenlage sucht: Die Schmetterlingstramete hat die belastbareren klinischen Daten.

Alternative

Vitalpilze + Speisepilze

Shiitake, Austernseitling und Maitake liefern dieselben Stoffgruppen - als Lebensmittel, ohne die Sicherheitsfragen der Extrakte.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Leber

Präparat + Krebstherapie

Die japanische Studie an Krebspatientinnen wurde wegen Leberschäden abgebrochen. Während einer onkologischen Behandlung ist von diesen Präparaten abzuraten.

Leber

Präparat + bestehende Lebererkrankung

Bei bekannter Lebererkrankung oder erhöhten Leberwerten nicht anwenden.

Agaritin

Extrakt + hoher Gehalt

Extrakte enthalten mehr Agaritin als gegarte Pilze, und sie werden nicht gegart. Das ist ein Argument für den Pilz und gegen das Pulver.

Cadmium

Präparat + fehlendes Analysezertifikat

Egerlinge reichern Cadmium an. Ohne Prüfnachweis ist ein konzentriertes Pulver nicht beurteilbar.

immune system

Präparat + Autoimmunerkrankung oder Immunsuppression

Wie bei allen als immunmodulierend beworbenen Pilzen nicht ohne ärztliche Begleitung.

Roh

Egerlinge + roh gegessen

Alle Egerlinge gehören durchgegart. Roh sind sie schwerer verdaulich und agaritinreicher.

In der KücheIn der Küche und im Regal

  • GebratenWie Champignons in Butter mit Knoblauch und Petersilie.
  • SuppeIn cremigen Pilzsuppen - der mandelige Ton kommt gut zur Geltung.
  • RisottoAm Ende untergehoben.
  • GefülltGroße Hüte gefüllt und überbacken.
  • GetrocknetTrocknen und als Pilzpulver zum Würzen verwenden.
  • Immer garenAlle Egerlinge gehören durchgegart - auch wegen des Agaritins.
  • Eigene ZuchtAuf Kompostsubstrat wie Champignons kultivierbar.
  • PräparateNur mit Analysezertifikat auf Schwermetalle.
  • Nicht bei KrebstherapieDie abgebrochene Studie betraf genau diese Gruppe.
  • Nicht bei LebererkrankungFallberichte zu Leberschäden liegen vor.
Faustregel: Behandle ihn in der Küche wie einen besseren Champignon - gebraten mit Butter und Knoblauch ist er hervorragend. Vom Pulver und den Kapseln raten wir dagegen ab: Der belegte Nutzen fehlt, und die Sicherheitssignale sind für ein Nahrungsergänzungsmittel ungewöhnlich deutlich.

Als HausmittelAls Speisepilz zubereiten

So geht’s

Mandelegerling in Butter

  1. Die Pilze nicht waschen, sondern abbürsten oder mit einem feuchten Tuch abreiben. Wasser verhindert das Bräunen.
  2. In dicke Scheiben schneiden oder halbieren - nicht zu dünn, sonst zerfallen sie.
  3. Eine Pfanne gut vorheizen und Butter oder Öl hineingeben. Die Pilze in einer Lage hineingeben, nicht stapeln.
  4. Kräftig braten, ohne zu früh zu wenden. Zuerst tritt Wasser aus; erst wenn es verdampft ist, beginnt das Bräunen. Nicht salzen, solange noch Flüssigkeit da ist.
  5. Zum Schluss Knoblauch, Thymian und Salz zugeben und noch eine Minute mitbraten. Mit Petersilie und einem Spritzer Zitrone abschmecken.
  6. Gut durchgaren - wie bei allen Egerlingen. Das senkt zugleich den Agaritingehalt.
Wofür

Als Speisepilz mit feinem, mandelartigem Aroma. Von Extraktpräparaten raten wir ab: Der Nutzen ist nicht belegt, und es gibt dokumentierte Leberschäden sowie Fragen zu Agaritin und Cadmium.

Menge

Als Lebensmittel nach Belieben, gut durchgegart. Für Präparate gibt es keine geprüfte Dosierungsempfehlung; bei Lebererkrankung oder onkologischer Behandlung sind sie nicht angezeigt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Mandelegerling ist ein amerikanischer Pilz und im Ayurveda nicht vertreten. Seine Karriere als Gesundheitsprodukt ist eine Geschichte des 20. Jahrhunderts und hat mit keiner der großen traditionellen Medizinsysteme etwas zu tun - ein wichtiger Unterschied etwa zum Reishi, dessen Verwendung zweitausend Jahre dokumentiert ist.

Traditional Chinese Medicine

Auch in der chinesischen Materia medica fehlt er klassisch. In modernen chinesischen und japanischen Quellen erscheint er als Ji Song Rong beziehungsweise Himematsutake und wird als süß und neutral beschrieben. Diese Einordnung ist erst nach der Einführung des Pilzes in den 1960er Jahren entstanden und damit eine nachträgliche Zuschreibung, keine überlieferte Tradition.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Leberschäden dokumentiert: Eine japanische Studie an Krebspatientinnen wurde wegen aufgetretener Leberfunktionsstörungen abgebrochen; weitere Fallberichte liegen vor.
  • Nicht während einer Krebstherapie: Genau diese Gruppe war von den Leberschäden betroffen. Präparate gehören hier nicht ohne ärztliche Absprache eingenommen.
  • Nicht bei Lebererkrankung: Auch nicht bei unklar erhöhten Leberwerten.
  • Agaritin in Extrakten: Extrakte enthalten mehr des Hydrazin-Derivats als gegarte Pilze und werden nicht gegart.
  • Cadmium: Egerlinge reichern Cadmium an. Konzentrierte Pulver ohne Analysezertifikat sind nicht beurteilbar.
  • Immer durchgaren: Alle Egerlinge gehören gegart - das senkt auch den Agaritingehalt.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen

Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.

SourcesWorauf sich das stützt

  1. Mukai H. et al.: Hepatic injury associated with the use of an Agaricus blazei extract in cancer patients. Japanese Journal of Clinical Oncology 2006.
  2. Bundesinstitut für Risikobewertung: Agaritin in Zuchtchampignons - gesundheitliche Bewertung.
  3. Wisitrassameewong K. et al.: Agaricus subrufescens - a review. Saudi Journal of Biological Sciences 2012.
  4. Hetland G. et al.: Effects of the medicinal mushroom Agaricus blazei Murill on immunity, infection and cancer. Scandinavian Journal of Immunology 2008.
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung: Cadmium in Speisepilzen - Gehalte und Bewertung.