Lindenblüten (Tilia cordata)

Familie
MalvengewächseTilia cordata und T. platyphyllos - die Linde zählt heute hierher
Verwendet wird
Blüte mit Hochblattdas flügelartige Vorblatt gehört dazu und ist ein Echtheitsmerkmal
Geschmack
Honigsüß und mildder angenehmste aller Erkältungstees
Origin
EuropaWinter- und Sommerlinde, seit Jahrhunderten Dorfbaum
Anerkannt für
ErkältungsbeschwerdenEMA: traditional use - schweißtreibend bei fieberhaften Infekten
Wichtig
Nicht die SilberlindeTilia tomentosa ist arzneilich nicht die richtige Art

OriginDer Baum in der Dorfmitte

Lindenblüten Nahaufnahme

Unter der Dorflinde wurde getanzt, geheiratet und Recht gesprochen - kein anderer Baum steht so im Zentrum der europäischen Dorfgeschichte, und nebenbei liefert er einen der besten Tees.

Zwei Arten liefern die Arzneidroge: die Winterlinde (Tilia cordata) mit kleineren, unterseits blaugrünen Blättern und rostbraunen Achselbärten, und die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) mit größeren, behaarten Blättern, die etwa zwei Wochen früher blüht. Beide sind gleichwertig, und die Droge heißt entsprechend Tiliae flos. Botanisch gehören die Linden nach der modernen Systematik zu den Malvengewächsen - sie sind also mit Malve, Eibisch und Hibiskus verwandt, und das erklärt die Schleimstoffe, die sie mit diesen teilt.

Was gesammelt wird, ist nicht nur die Blüte, sondern der ganze Blütenstand mit dem Hochblatt - jenem schmalen, hellgrünen, flügelartigen Blatt, an dem der Blütenstiel angewachsen ist. Es dient dem Baum als Flugorgan für die Früchte und ist für uns das beste Echtheitsmerkmal: Lindenblütentee ohne diese Flügelchen ist entweder schlecht verarbeitet oder gar kein Lindenblütentee. Geerntet wird kurz nach dem Aufblühen an einem trockenen Vormittag; die Blüten müssen zügig und schattig trocknen, sonst werden sie braun und verlieren ihr Aroma.

Die Linde ist der europäische Dorfbaum schlechthin. Gerichtslinden, Tanzlinden, Friedenslinden - unter ihnen wurde Recht gesprochen, gefeiert und verhandelt, und viele Exemplare sind mehrere hundert Jahre alt. In der germanischen Überlieferung war sie der Göttin Freya zugeordnet und galt als Baum der Liebe und der Gemeinschaft, während die Eiche dem Kampf zugeordnet war. Für Bienen ist die Lindenblüte im Hochsommer eine der größten Trachten überhaupt; Lindenblütenhonig ist entsprechend ein eigener Sortenhonig.

Eine Anmerkung zur Silberlinde (Tilia tomentosa), die häufig in Städten gepflanzt wird: Unter ihr findet man im Sommer manchmal tote Hummeln, was zu der Behauptung geführt hat, ihr Nektar sei giftig. Die heutige Erklärung ist eine andere und weniger dramatische: Die Silberlinde blüht sehr spät, wenn kaum noch andere Trachtpflanzen blühen, und zieht dadurch große Zahlen an Insekten an - viele davon verhungern schlicht, weil der Nektar zur Versorgung nicht reicht. Arzneilich verwendet wird sie ohnehin nicht.

NutzenWas die Lindenblüte für dich tut

Die europäische Arzneimittelagentur führt Lindenblüten als traditionelle Anwendung bei Erkältungsbeschwerden, die Kommission E hat sie entsprechend bei „Katarrhen der Luftwege“ positiv bewertet. Zwei Wirkungen greifen ineinander. Die Schleimstoffe legen sich als Film über die gereizte Rachenschleimhaut und dämpfen den Hustenreiz - dasselbe Prinzip wie bei Eibisch und Malve, nur schwächer. Und der heiß getrunkene Tee wirkt schweißtreibend, was der eigentliche Grund für seinen Ruf als Erkältungstee ist.

Beim Schwitzen lohnt ein ehrlicher Blick. Dass heiße Flüssigkeit die Hautdurchblutung steigert und Schweiß fließen lässt, ist unbestritten. Ob das den Verlauf einer Erkältung verkürzt, ist dagegen nie sauber belegt worden - die Vorstellung, man müsse ein Fieber „ausschwitzen“, stammt aus der Humoralpathologie und nicht aus der modernen Medizin. Was man aber sagen kann: Heiße Getränke lindern nachweislich Halsschmerzen, Husten und das Gefühl einer verstopften Nase, und zwar sofort und messbar. Dazu kommt die Flüssigkeit, die bei Fieber ohnehin gebraucht wird. Der Lindenblütentee ist also ein gutes Mittel gegen die Beschwerden - und ein angenehmes noch dazu, was bei einem Erkältungstee nicht selbstverständlich ist.

Daraus folgt eine sehr konkrete Anwendungsregel: Er wirkt nur richtig heiß und mit Ruhe danach. Zwei bis drei Tassen so heiß wie möglich getrunken, dann ins Bett, warm zudecken und schwitzen lassen - das ist die klassische Schwitzkur, und wer sie nachmittags im Büro halb lauwarm trinkt, bekommt einen netten Tee und sonst nichts. Traditionell wird er dafür mit Holunderblüten kombiniert, die dieselbe Richtung verstärken.

Was er nicht kann: Fieber senken im Sinne eines Medikaments, eine bakterielle Infektion behandeln oder eine Lungenentzündung aufhalten. Hohes Fieber über drei Tage, Atemnot, starke einseitige Schmerzen oder eine Verschlechterung nach anfänglicher Besserung gehören ärztlich abgeklärt - auch und gerade bei einem Tee, der sich so gut anfühlt.

Mit Hochblattdas flügelartige Vorblatt ist das Echtheitsmerkmal
So heiß wie möglichdie Schwitzwirkung hängt an der Temperatur, nicht an der Menge
2 ArtenWinter- und Sommerlinde sind arzneilich gleichwertig
Keine SilberlindeTilia tomentosa wird arzneilich nicht verwendet

IngredientsDas steckt in der Blüte

Die Flavonoide - vor allem Quercetin- und Kämpferolglykoside wie Tilirosid - machen etwa ein Prozent der Droge aus und gelten als die wirksamkeitsbestimmende Gruppe für die schweißtreibende Wirkung. Der genaue Mechanismus ist nicht abschließend geklärt; diskutiert wird eine Wirkung auf die Thermoregulation im Zusammenspiel mit der zugeführten Wärme.

Die Schleimstoffe liegen bei etwa drei bis zehn Prozent - deutlich weniger als bei Eibisch oder Malve, aber genug, um im Rachen spürbar zu sein. Dazu kommt ein sehr geringer Anteil ätherisches Öl mit Farnesol als Hauptkomponente; es ist für den charakteristischen, honigartig-blumigen Duft verantwortlich, den man schon beim Öffnen der Packung wahrnimmt. Gute Lindenblüten riechen deutlich; bräunliche, geruchsarme Ware hat ihr Öl verloren.

Weil beide Fraktionen zählen - die wasserlöslichen Schleimstoffe und das flüchtige Öl –, gilt für die Zubereitung: zugedeckt ziehen lassen, etwa acht bis zehn Minuten. Der Deckel hält das ätherische Öl im Aufguss. Kochen sollte man Lindenblüten nicht; die Schleimstoffe vertragen die anhaltende Hitze schlecht und der Duft geht verloren.

Verstärkte KombinationenWas die Lindenblüte stärker macht

Hier entscheidet weniger die Mischung als die Temperatur und das, was danach passiert.

Temperatur

so heiß wie möglich

Die Schwitzwirkung hängt direkt an der Wärme - lauwarm getrunken bleibt sie aus.

Ruhe

mit Bett und Zudecke

Die Schwitzkur funktioniert nur, wenn man sich danach hinlegt und warm hält.

Erkältung

mit Elderflowers

Die klassische Kombination - beide wirken schweißtreibend und ergänzen sich.

Hals

mit Honey

Honig beruhigt den Hustenreiz zusätzlich und ist bei Kindern ab einem Jahr gut untersucht.

Reizhusten

mit Malve & Eibisch

Wenn der Husten trocken und kratzig ist, verstärken die schleimstoffreicheren Partner.

Technik

mit Deckel

Acht bis zehn Minuten zugedeckt - ohne Deckel entweicht das aromatische Öl.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Temperatur

nicht lauwarm

Dann ist es ein angenehmer Tee, aber keine Schwitzkur.

Kreislauf

nicht bei Kreislaufschwäche im heißen Bad

Schwitzkuren belasten den Kreislauf - bei Herzerkrankungen und niedrigem Blutdruck vorsichtig.

Technik

nicht kochen

Anhaltende Hitze schadet den Schleimstoffen und vertreibt das ätherische Öl.

Ware

nicht die bräunliche, geruchlose

Gute Lindenblüten duften deutlich honigartig - alles andere hat sein Öl verloren.

Art

nicht die Silberlinde

Tilia tomentosa ist arzneilich nicht die verwendete Art.

Erwartung

nicht als Fiebersenker

Bei hohem Fieber über drei Tage oder Atemnot gehört das ärztlich abgeklärt.

ApplicationWie sie verwendet wird

  • LindenblütenteeZwei Teelöffel auf 250 ml, zugedeckt acht bis zehn Minuten, so heiß wie möglich trinken.
  • SchwitzkurZwei bis drei Tassen heiß, dann ins Bett und warm zudecken.
  • ErkältungsmischungMit Holunderblüten zu gleichen Teilen - die klassische Kombination.
  • HustenteeMit Malve und Eibisch bei trockenem Reizhusten.
  • Mit HonigEin Löffel im Tee - lindert den Hustenreiz zusätzlich.
  • GurgellösungDer abgekühlte Aufguss bei Halskratzen.
  • KinderteemischungMild und angenehm im Geschmack - einer der wenigen Erkältungstees, den Kinder freiwillig trinken.
  • LindenblütenhonigDer Sortenhonig - kräftig, mit dem typischen Lindenaroma.
  • Selbst sammelnKurz nach dem Aufblühen an einem trockenen Vormittag, zügig schattig trocknen.
  • LindenblütensirupWie Holunderblütensirup angesetzt - für Limonade im Sommer.
Faustregel: So heiß wie möglich trinken und sich danach hinlegen - ohne das ist es nur ein netter Tee. Zugedeckt ziehen lassen, nicht kochen. Beim Einkauf auf die kleinen flügelartigen Hochblätter achten und daran riechen: Gute Lindenblüten duften honigartig, alte riechen nach Heu.

Als HausmittelDie Schwitzkur

So geht’s

Lindenblüten-Holunder-Tee bei Erkältung

  1. Je einen gehäuften Teelöffel Lindenblüten und Holunderblüten in eine große Tasse geben.
  2. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zugedeckt acht bis zehn Minuten ziehen lassen - der Deckel hält die ätherischen Öle im Aufguss.
  3. Abseihen, nach Geschmack mit Honig süßen und so heiß wie möglich in kleinen Schlucken trinken.
  4. Direkt danach ins Bett, warm zudecken und eine Stunde ruhen. Nach dem Schwitzen abtrocknen, die Wäsche wechseln und viel trinken.
Wofür

Bei beginnender Erkältung mit Frösteln, Gliederschmerzen und Halskratzen. Was hier sicher wirkt: Die Wärme lindert Halsschmerzen und das Gefühl der verstopften Nase sofort, die Schleimstoffe dämpfen den Hustenreiz, und die Flüssigkeit ist bei Fieber ohnehin wichtig. Was nicht belegt ist: dass man ein Fieber „ausschwitzen“ muss oder dass die Kur den Infekt verkürzt. Das ist eine alte Vorstellung aus der Säftelehre - der Tee tut trotzdem gut, nur aus anderen Gründen als gedacht.

Menge

Zwei bis drei Tassen täglich, über wenige Tage. Nach dem Schwitzen unbedingt trocken anziehen und ausreichend trinken. Vorsicht bei Herzerkrankungen und niedrigem Blutdruck - Schwitzkuren belasten den Kreislauf; im Zweifel ohne heißes Bad und ohne mehrere Lagen Decken. Kein Honig für Säuglinge unter zwölf Monaten. Hohes Fieber über drei Tage, Atemnot, starke einseitige Schmerzen oder eine Verschlechterung nach anfänglicher Besserung gehören ärztlich abgeklärt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Linde ist im Ayurveda nicht vertreten - sie ist ein europäischer Baum. Nach ihren Eigenschaften eingeordnet wäre die Blüte süß, leicht und kühlend, dabei befeuchtend: Pitta and Vata besänftigend, Kapha in größeren Mengen erhöhend. Als mildes Mittel bei trockener Reizung und Unruhe würde sie dort gut passen. Eine Einordnung nach Prinzip, keine Überlieferung.

Traditional Chinese Medicine

In der chinesischen Materia Medica fehlt die Linde. Nach ihrem Charakter - süß, leicht, die Oberfläche öffnend - stünde sie bei den Kräutern, die Wind-Hitze klären und den Schweiß leicht fördern, in der Nachbarschaft von Bo He (Minze) und Ju Hua (Chrysantheme). Interessant ist, dass die TCM bei beginnenden Infekten dieselbe Grundidee verfolgt wie die europäische Schwitzkur: die Oberfläche öffnen und den Erreger hinausbefördern.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Kreislauf: Schwitzkuren belasten den Kreislauf - bei Herzerkrankungen und niedrigem Blutdruck vorsichtig und ohne heißes Bad.
  • Flüssigkeit: nach dem Schwitzen ausreichend trinken, besonders bei Fieber und bei älteren Menschen.
  • Kein Fiebersenker: hohes Fieber über drei Tage, Atemnot oder eine Verschlechterung nach Besserung gehören ärztlich abgeklärt.
  • Silberlinde: Tilia tomentosa ist arzneilich nicht die verwendete Art - auf die Deklaration achten.
  • Qualität: bräunliche, geruchsarme Ware hat ihr ätherisches Öl verloren und ist kaum wirksam.
  • Honig: kein Honig für Säuglinge unter zwölf Monaten.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Tilia cordata Miller, Tilia platyphyllos Scop., Tilia x vulgaris Heyne, flos - traditional use bei Erkältungsbeschwerden.
  2. Kommission E: Monographie Tiliae flos (Lindenblüten), Bundesanzeiger 1990.
  3. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Tiliae flos.
  4. Sanu S et al. Effects of a hot drink on nasal airflow and symptoms of common cold. Rhinology 2008; 46(4): 271–275.
  5. Koch M et al.: Untersuchungen zum Insektensterben unter Silberlinden - Nahrungsmangel statt Nektartoxizität als Erklärung.