OriginDas Blatt der Sieger

Der Lorbeerkranz krönte Dichter, Feldherren und Kaiser - und das Wort „Bakkalaureus“ heißt bis heute Lorbeerbeere. Vom Olymp in den Suppentopf war es ein kurzer Weg.
Der Echte Lorbeer ist ein immergrüner Baum des Mittelmeerraums, in Kleinasien beheimatet und von den Griechen als Baum des Apollo verehrt. Die Sieger der Pythischen Spiele trugen Lorbeer, die römischen Kaiser ebenfalls, und wer ein Studium abschloss, bekam den „bacca laurea“ - die Lorbeerbeere. Aus der Ehre wurde das Küchenblatt: In der römischen Küche war Lorbeer allgegenwärtig, und die Klöster brachten ihn nach Norden.
Heute liefert vor allem die Türkei getrocknete Lorbeerblätter; in Südeuropa steht der Baum in jedem Hof. Die ledrigen Blätter werden nach dem Trocknen milder und harmonischer - frischer Lorbeer ist schärfer und leicht kampferartig. Wichtig zu wissen: Der Kirschlorbeer in deutschen Gärten ist keine Verwandte, sondern eine Kirsche mit Blausäure - nie verwenden.
NutzenWas Lorbeer für dich tut
Lorbeer ist ein Verdauungsgewürz für schwere Gerichte. Sein ätherisches Öl mit Cineol regt Magensaft und Galle an und hilft dem Körper, Fett und Eiweiß zu verarbeiten - deshalb steht das Blatt in Eintöpfen, Schmorbraten, Beizen und Sud, also überall dort, wo Fleisch, Fett und Hülsenfrüchte zusammenkommen. Volksmedizinisch gilt Lorbeertee als Mittel bei Blähungen und Appetitlosigkeit.
Das Öl der Beeren - nicht der Blätter - ist als Lorbeeröl ein altes äußerliches Mittel: In Salben gegen Rheuma, Prellungen und Muskelschmerzen, und als Bestandteil der Aleppo-Seife, die seit Jahrhunderten für empfindliche Haut geschätzt wird. Im Labor wirkt Lorbeer gegen Bakterien und Pilze und zeigt in kleinen Studien einen leichten Einfluss auf Blutzucker und Blutfette.
Ehrlich gesagt ist Lorbeer eher Küche als Apotheke. Aber die Küche, die er möglich macht - die lange geschmorte, tiefe, winterliche –, ist selbst ein Stück Gesundheit.
IngredientsDas steckt im Blatt
1,8-Cineol (Eucalyptol) macht bis zur Hälfte des ätherischen Öls aus - frisch, leicht kampferartig; dazu Linalool, Eugenol (ein Hauch Nelke), Terpineol und Methyleugenol. Das Öl entfaltet sich langsam - deshalb gehört Lorbeer von Anfang an in den Topf, nicht zum Schluss.
Dazu Gerbstoffe und Bitterstoffe (der herbe Geschmack), Flavonoide und Sesquiterpenlactone wie Costunolid, die entzündungshemmend wirken. Die Beeren enthalten außerdem fettes Öl mit Laurinsäure - die Basis des Lorbeeröls und der Aleppo-Seife.
Verstärkte KombinationenWas Lorbeer stärker macht
Lorbeer ist ein Hintergrundgewürz: Es macht andere tiefer, ohne selbst vorzutreten.
Sauerbraten, Gulasch, Rinderschmorbraten: Lorbeer, Wacholder und Pfeffer sind das Trio jeder Beize, die Zwiebel der Träger.
Das französische Kräuterbündel für Brühen und Saucen: gebunden, mitgekocht, herausgenommen - Lorbeer ist die Mitte.
Linsen, Bohnen, Erbsen: Lorbeer und Kümmel machen sie bekömmlicher, Knoblauch bringt Tiefe.
Fischsud, Brathering, eingelegter Fisch: Lorbeer im Essigsud nimmt das Fischige und konserviert.
Rotkohl, Sauerkraut, Wild: die drei Winterblätter und -körner, die zusammen dunkel und rund schmecken.
Ein Lorbeerblatt und eine Prise Kümmel im Kartoffelwasser - der Unterschied ist klein und hörbar.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Das Blatt bleibt hart, splittert und kann Speiseröhre und Darm verletzen. Immer herausfischen - oder im Teeei mitkochen.
Gehackter Lorbeer ist unangenehm und bitter. Ganze Blätter, ganz herausnehmen.
In 5 Minuten gibt das Blatt nichts ab. Lorbeer braucht 20 Minuten aufwärts - kein Gewürz für Pfannengerichte.
Salate, Sommergemüse, zarter Fisch: Lorbeer ist Winter und Schmortopf.
Zwei Blätter auf einen kleinen Topf, und alles schmeckt bitter-medizinisch. Eins pro Liter.
Der Gartenstrauch (Prunus laurocerasus) enthält Blausäure. Nur Laurus nobilis verwenden - aus dem Handel, nicht aus der Hecke.
Zu welchem GerichtWo er hingehört
- SauerbratenIn der Beize mit Wacholder, Nelke, Pfeffer, Zwiebel - drei Tage, dann schmoren.
- LinseneintopfZwei Blätter auf einen großen Topf, mit Kümmel und Speck - der Klassiker.
- RinderbrüheLorbeer, Zwiebel, Pfefferkörner, Wurzelgemüse - drei Stunden leise ziehen.
- GulaschLorbeer und Kümmel zum Paprika - ohne sie fehlt dem Gulasch der Boden.
- BratheringeIm Essigsud mit Zwiebelringen, Lorbeer, Senfkörnern - zwei Tage ziehen.
- KartoffelwasserEin Blatt und Salz - für Salzkartoffeln und Kartoffelsalat.
- BéchamelMilch mit Lorbeer und Zwiebel erwärmen, ziehen lassen, abseihen - die feine französische Art.
- RotkohlMit Nelke, Piment und Apfel - zwei Stunden.
- TomatensauceEin Blatt in der langen italienischen Sugo - herausnehmen vor dem Pürieren.
- riceEin Blatt im Pilaw, mit Kardamom und Zimt - der Reis duftet harzig.
Als HausmittelLorbeer bei Völlegefühl und für die Gelenke
Lorbeertee und Lorbeeröl
- Tee: 2 Blätter zerbrechen, mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen - nach schwerem Essen.
- Öl: 5 zerbrochene Blätter in 100 ml Olivenöl zwei Wochen im warmen Fenster ziehen lassen, abseihen.
- Das Öl bei Muskel- und Gelenkschmerzen einmassieren - an einer kleinen Stelle testen.
- Beides in Maßen: eine Tasse Tee am Tag, das Öl nicht auf offener Haut.
Völlegefühl nach fettem Essen, Blähungen; äußerlich Muskelverspannung, Prellungen, rheumatische Beschwerden. Tradition aus dem Mittelmeerraum, keine großen Studien.
Ein bis zwei Blätter pro Tasse, eine Tasse täglich. Lorbeeröl aus dem Handel (aus den Beeren) ist stärker als selbst angesetztes Blattöl - nur verdünnt.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Als Tejpatta wird im Ayurveda meist der indische Lorbeer (Cinnamomum tamala) verwendet, ein Zimtverwandter - der mediterrane Lorbeer gilt als Ersatz mit ähnlicher Richtung: wärmend, Agni-anregend, Kapha-senkend, bei Verdauungsschwäche und Husten.
Traditional Chinese Medicine
Der mediterrane Lorbeer hat keinen Platz in der klassischen chinesischen Materia Medica. Seine Tradition ist die europäische: Apollo, Dioskurides, Hildegard von Bingen - als Mittel für Magen und Gelenke und als Symbol, das die Küche überlebt hat.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Kirschlorbeer: der Gartenstrauch ist giftig (Blausäure). Nur Laurus nobilis aus dem Handel verwenden.
- Ganze Blätter: nie mitessen - Verletzungsgefahr für Speiseröhre und Darm. Immer entfernen.
- Ätherisches Öl: kann die Haut reizen und Allergien auslösen; nur verdünnt, nicht innerlich.
- Blutzucker: Lorbeer senkt ihn leicht - bei Diabetesmedikamenten in großen Mengen beobachten.
- Schwangerschaft: Küchenmenge unbedenklich; Tee-Kuren und Öl innerlich nicht.
- Allergie: Kreuzreaktionen bei Empfindlichkeit gegen Lorbeergewächse (Zimt, Avocado) möglich.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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SourcesWorauf sich das stützt
- Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Eintrag Lauri folium.
- Gernot Katzers Gewürzseiten: Eintrag laurel - Botanik, Chemie, Küche.
- Khan A et al. Bay leaves improve glucose and lipid profile of people with type 2 diabetes. Journal of Clinical Biochemistry and Nutrition 2009; 44(1): 52–56 - kleine Studie.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Kirschlorbeer - Vergiftungsrisiko durch cyanogene Glykoside.
- USDA FoodData Central: Spices, bay leaf.


