OriginDas Kraut, das die Welt spaltet

Für die einen schmeckt Koriandergrün nach Zitrone und Sommer, für die anderen nach Seife - und die Wissenschaft sagt: Beide haben recht, es liegt an einem Gen.
Koriander stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und Vorderasien und ist eines der ältesten Gewürze der Menschheit: Samen fanden sich in ägyptischen Gräbern und in der Höhle Nahal Hemar in Israel, 8.000 Jahre alt. Die Römer nahmen ihn mit in ihre Provinzen, die Araber nach Indien, die Spanier nach Mexiko. Heute ist er in der indischen, thailändischen, mexikanischen und arabischen Küche so tief verwurzelt, dass man seine Herkunft vergessen hat.
Das Besondere: Die Pflanze liefert drei verschiedene Gewürze. Das frische Grün (Cilantro) mit seinem hellen, zitrusartigen Duft; die runden Früchte („Koriandersamen“) mit warmem, süßem Orangenaroma; und die Wurzel, die in Thailand zur Currypaste gemörsert wird. Ob jemand das Grün liebt oder als seifig empfindet, hängt an einem Geruchsrezeptor-Gen - bei etwa jedem Zehnten in Europa ist es so eingestellt.
NutzenWas Koriander für dich tut
Koriander ist ein Verdauungsgewürz auf zwei Ebenen. Die Früchte enthalten ein ätherisches Öl mit Linalool, das Blähungen löst, Krämpfe entspannt und den Appetit anregt - die europäische Arzneimittelbehörde erkennt Korianderfrüchte bei leichten Verdauungsbeschwerden an. In der Kräuterküche gilt er als der milde Partner von Kümmel und Kreuzkümmel, für empfindliche Mägen.
Das frische Grün bringt Vitamin K, Beta-Carotin und Vitamin C - und einen Ruf als „Entgifter“, der auf Tierstudien zur Schwermetallausleitung beruht. Am Menschen ist das nicht belegt; wir nennen es, weil man es überall liest, und sagen dazu: Hinweis, kein Beweis. Was belegt ist: Korianderöl wirkt gegen Bakterien und Pilze, auch gegen einige, die in Lebensmitteln Probleme machen.
Ehrlich gesagt ist Koriander vor allem ein Kraut, das Fett und Schärfe verträglich macht: Tacos, Curry, Pho - überall dort, wo es scharf und fettig wird, steht Koriander daneben. Das ist kein Zufall, sondern Erfahrung.
IngredientsDas steckt in Blatt und Frucht
Die Früchte tragen ätherisches Öl mit Linalool als Hauptstoff (blumig, beruhigend - derselbe wie im Lavendel), dazu Geranylacetat, Pinen und Campher. Das Blatt riecht völlig anders: Seine Aldehyde (Decanal, Dodecenal) sind die zitrusfrischen - und für Träger des Seifen-Gens die seifigen - Noten.
Frischer Koriander liefert Vitamin K in großer Menge, Beta-Carotin, Vitamin C, Folsäure und Kalium. Die Samen dazu fettes Öl mit Petroselinsäure, Ballaststoffe und Kalzium. Beim Rösten der Samen wandelt sich das Aroma: Aus grün-orangig wird nussig-warm.
Verstärkte KombinationenWas Koriander stärker macht
Grün und Samen sind zwei verschiedene Gewürze - mit verschiedenen Partnern.
Koriander ist der größte Anteil in Garam Masala und Currypulver: Er rundet Kreuzkümmel ab und trägt die Kurkuma. Ganze Samen anrösten, dann mahlen.
Salsa, Guacamole, Tacos: Koriander, Limette und Chili sind das Dreieck der mexikanischen Küche - frisch, sauer, scharf.
Die Grundpaste der Thai-Küche: Korianderwurzel, Knoblauch, weißer Pfeffer im Mörser - für Marinaden und Suppen.
In Pho, Ramen und asiatischen Brühen: Koriander zum Schluss macht die Suppe hell.
Der ayurvedische CCF-Tee: Coriander, Cumin, Fennel zu gleichen Teilen - nach dem Essen.
Guacamole, Raita, Korianderchutney: Fett und Säure tragen das Grün, das sonst schnell verfliegt.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Fünf Minuten Hitze, und das Aroma ist weg. Immer zum Schluss, roh, reichlich.
Getrocknetes Koriandergrün schmeckt nach Heu. Einfrieren (gehackt in Öl) oder frisch kaufen.
Zu Bratkartoffeln, Braten, Kohl passt Petersilie - Koriander wirkt dort fremd.
Rohe Samen schmecken flach und leicht muffig. Kurz rösten, dann sind sie nussig.
Korianderöl ist hochkonzentriert und kann Leber und Haut reizen. Tee, Samen, Grün sind die sichere Form.
Kreuzreaktionen mit Sellerie, Karotte, Anis, Beifuß möglich - Koriander gehört zu den häufigeren Gewürzallergenen.
Zu welchem GerichtWo er hingehört
- GuacamoleAvocado, Limette, Zwiebel, Chili, Salz und eine Handvoll Koriandergrün - mit der Gabel.
- Garam MasalaKoriander- und Kreuzkümmelsamen rösten, mit Kardamom, Zimt, Nelke, Pfeffer mahlen.
- PhoRinderbrühe, Reisnudeln, dünnes Fleisch - Koriander, Thai-Basilikum und Limette auf dem Teller dazu.
- KorianderchutneyGrün mit grüner Chili, Ingwer, Zitrone und etwas Joghurt pürieren - zu Samosas.
- Thai-MarinadeKorianderwurzel, Knoblauch, weißer Pfeffer, Fischsauce - für Hähnchen vom Grill.
- SalsaTomate, Zwiebel, Jalapeño, Limette, Koriander - roh.
- FalafelKoriandersamen und -grün im Kichererbsenteig - die orientalische Grundwürzung.
- GinKoriandersamen sind nach Wacholder das zweitwichtigste Botanical in fast jedem Gin.
- LinsensalatLauwarme Linsen, Zwiebel, Zitrone, viel Koriander - mit Feta.
- CCF-TeeJe ½ TL Koriander-, Kreuzkümmel- und Fenchelsamen, 10 Minuten ziehen.
Als HausmittelKoriandersamentee bei Blähungen
CCF-Tee
- Je ½ Teelöffel Koriander-, Kreuzkümmel- und Fenchelsamen im Mörser anquetschen.
- Mit 300 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
- Abseihen, warm trinken - nach dem Essen oder schluckweise über den Tag.
- Zwei bis drei Tassen täglich, so lange die Beschwerden dauern.
Blähungen, Völlegefühl, Appetitlosigkeit, träge Verdauung. Der ayurvedische Klassiker - mild genug für empfindliche Mägen und Kinder.
Bis 3 g Korianderfrüchte am Tag. Das ätherische Öl aus der Flasche gehört nicht in den Tee.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Dhanyaka ist im Ayurveda das seltene Gewürz, das alle drei Doshas beruhigt: kühlend, aber Agni-fördernd - bei Verdauungsschwäche, Blasenbeschwerden und Hitze. Der CCF-Tee aus Koriander, Kreuzkümmel und Fenchel ist die bekannteste ayurvedische Teemischung.
Traditional Chinese Medicine
Hu Sui (Koriander) wärmt leicht, bewegt das Qi und wird bei Appetitlosigkeit, Verdauungsschwäche und in der Anfangsphase von Masern (um den Ausschlag „herauszutreiben“) verwendet - ein Küchenmittel mehr als ein Apothekenmittel.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Allergie: Koriander ist ein bekanntes Gewürzallergen - Kreuzreaktionen mit Sellerie, Beifuß, Anis, Kreuzkümmel.
- Ätherisches Öl: nie innerlich, äußerlich verdünnt; kann die Haut lichtempfindlich machen.
- Blutzucker: Koriander senkt ihn leicht - bei Diabetesmedikamenten beobachten.
- Schwangerschaft: Grün und Samen im Essen unbedenklich; hochdosierte Präparate meiden.
- Hygiene: frisches Koriandergrün ist ein häufiger Träger von Keimen aus dem Anbau - gründlich waschen.
- Vitamin K: bei Gerinnungshemmern wie Marcumar Koriandergrün gleichmäßig essen, nicht plötzlich in großen Mengen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen
Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.
SourcesWorauf sich das stützt
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), HMPC: Community herbal monograph on Coriandrum sativum L., fructus, 2016 - leichte Verdauungsbeschwerden, Blähungen.
- Kommission E: Monographie Coriandri fructus (Korianderfrüchte), Bundesanzeiger 1990.
- Eriksson N et al. A genetic variant near olfactory receptor genes influences cilantro preference. Flavour 2012; 1: 22.
- Laribi B et al. Coriander (Coriandrum sativum L.) and its bioactive constituents. Fitoterapia 2015; 103: 9–26.
- USDA FoodData Central: Coriander (cilantro) leaves, raw and Spices, coriander seed.


