OriginDas Gewürz, das nach vier anderen schmeckt

Kolumbus hielt es für Pfeffer, die Engländer nannten es Allspice - und Jamaika hat bis heute das Monopol, weil der Baum sonst kaum wo trägt.
Piment ist die getrocknete, unreife Beere eines immergrünen Baums aus Mittelamerika und der Karibik. Die Maya räucherten damit Fleisch und würzten Kakao, die spanischen Eroberer brachten die Körner als „pimienta“ - Pfeffer - nach Europa, und der Name blieb, obwohl das Gewürz mit Pfeffer nichts zu tun hat.
Bis heute stammt der größte Teil der Ernte aus Jamaika, ein Rest aus Mexiko, Guatemala und Honduras. Alle Versuche, den Baum in Asien anzusiedeln, blieben mager - er blüht, trägt aber kaum. Die grünen Beeren werden gepflückt, bevor sie reifen, und trocknen in der Sonne zu den rotbraunen, runzligen Kugeln, die ein wenig größer sind als Pfefferkörner.
NutzenWas Piment für dich tut
Piment ist ein Nelkenöl in kleiner Dosis: Sein Aroma trägt Eugenol, derselbe Stoff, der die Gewürznelke betäubend, keimhemmend und verdauungsfördernd macht - nur milder und runder, weil Zimt- und Muskatnoten mitschwingen.
In der karibischen Volksmedizin ist Pimenttee das Mittel gegen Blähungen, Völlegefühl und einen verstimmten Magen; die Wärme des Gewürzes regt Speichel und Magensaft an und entspannt den Darm. Äußerlich wurde das Öl gegen Muskel- und Gelenkschmerzen eingerieben - wie viele eugenolhaltige Öle wärmt es die Haut und dämpft die Schmerznerven.
Studien im Reagenzglas zeigen antibakterielle und antioxidative Wirkung; am Menschen ist wenig untersucht. Ehrlich gesagt ist der große Nutzen ein kulinarischer: Ein Korn Piment würzt wie eine ganze Gewürzschublade - und das mit einem Bruchteil des Salzes, das man sonst braucht.
IngredientsDas steckt in der Beere
Eugenol ist der Hauptstoff des ätherischen Öls und liefert die Nelkennote. Daneben stehen Methyleugenol, Cineol (die frische, fast eukalyptusartige Spitze) und β-Caryophyllen, das auch im schwarzen Pfeffer steckt und dem Piment seine pfeffrige Wärme gibt.
Dazu Gerbstoffe, Flavonoide wie Quercetin und ein guter Anteil Mangan. Wie bei der Nelke sitzt das Öl in der Schale - gemahlener Piment verliert es innerhalb weniger Monate, ganze Körner halten jahrelang.
Verstärkte KombinationenWas Piment stärker macht
Piment ist der Vermittler unter den Gewürzen - er schmeckt selbst nach vielen und verbindet deshalb, was sonst nebeneinander steht.
Piment enthält alle drei in Andeutung - zusammen mit den Originalen wird daraus die Grundwürzung von Lebkuchen, Glühwein und Kürbiskuchen.
Jamaica Jerk, Sauerbraten, Gulasch: Lorbeer und Thymian geben die herbe Basis, Piment die süße Wärme darüber.
Die Jerk-Marinade lebt davon: Scotch-Bonnet-Chili, Knoblauch, Frühlingszwiebel und reichlich Piment - die Wärme des Piment rundet die Schärfe.
Beim Einlegen von Gurken, Kürbis und Hering zieht Essig das Aroma aus den ganzen Körnern - ohne dass sie bitter werden.
Drei Wärmegewürze gegen den schweren Bauch. In Schmorgerichten mit Kohl und Hülsenfrüchten die klassische Kombination.
Kürbiskuchen, Apfelkompott, Orangenmarmelade - Piment ist das Gewürz, das man in amerikanischen Pies schmeckt, ohne es zu erkennen.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Dill, Kerbel, Basilikum verschwinden neben ihm.
Fisch mit Zitrone, Spargel, Risotto - dort wirkt Piment schwer und fremd.
Gemahlen entfaltet er sich sofort und komplett. Zwei bis drei Körner pro Topf - mehr, und alles schmeckt nach Nelke.
Das Öl verfliegt und wird bitter. Ganze Körner kurz anwärmen oder direkt in die Flüssigkeit.
Eugenol hemmt die Gerinnung. Als Gewürz unkritisch, als Öl oder Kapsel vor Operationen und bei Gerinnungshemmern meiden.
Pimentöl kann die Haut reizen und sensibilisieren - immer verdünnen, nie bei Kindern.
Zu welchem GerichtWo er hingehört
- Jerk ChickenPiment ist das Herz der jamaikanischen Marinade: mit Chili, Thymian, Knoblauch und Limette über Nacht ziehen lassen.
- Gulasch & Sauerbraten3–4 ganze Körner mit Lorbeer in den Schmortopf - gibt der Sauce Tiefe ohne Nelkenschwere.
- Eingelegte GurkenIn den Sud mit Senfkörnern, Dill und Lorbeer. Ohne Piment fehlt dem Essiggemüse die Wärme.
- Kürbissuppe & KürbiskuchenEine Prise gemahlen mit Zimt und Muskat - das amerikanische Pumpkin Spice ist vor allem Piment.
- RotkohlZwei Körner neben der Nelke - macht das Kraut runder und weniger scharf.
- Hering & MatjesIm Marinadensud für Bratheringe und in der Lake für Matjes - die schwedische und norddeutsche Tradition.
- LebkuchenIm Gewürzmix mit Zimt, Nelke, Kardamom, Koriander. Ganze Körner rösten und frisch mahlen.
- Chili con CarneZwei zerstoßene Körner zum Kreuzkümmel - gibt dem Chili eine dunkle, süße Note.
- BologneseEine kaum bekannte italienische Tradition: ein Korn Piment im Ragù - wie eine Prise Muskat, nur runder.
- Glühwein & PunschZwei Körner neben Nelke und Zimt - vor allem im weißen Glühwein und im Apfelpunsch.
Als HausmittelPimenttee bei Völlegefühl
Pimenttee
- 5 bis 6 ganze Körner im Mörser leicht anquetschen.
- Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
- Abseihen, nach Belieben mit einer Scheibe Ingwer oder etwas Honig.
- Warm nach dem Essen trinken.
Völlegefühl nach fettem oder schwerem Essen, Blähungen, ein kalter, träger Magen. In der Karibik das Hausmittel nach dem Sonntagsessen - und für die Erkältungszeit, weil das Öl die Atemwege angenehm wärmt.
Eine Tasse nach dem Essen, höchstens zwei am Tag. Pimentöl niemals innerlich - die Küchenmenge in ganzen Körnern ist die sichere Dosis.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Kein klassisches Ayurveda-Gewürz - Piment kam erst nach der Kolonialzeit nach Indien. Von der Wirkung her würde man ihn wie die Nelke einordnen: wärmend, Agni-anregend, in kleiner Menge ausgleichend für Vata und Kapha.
Traditional Chinese Medicine
Nicht Teil der klassischen Materia Medica. In der Praxis wird Piment gelegentlich wie Ding Xiang (Nelke) verwendet: um Kälte aus der Mitte zu vertreiben und den Magen zu wärmen. Ehrlich ist: Beide Systeme kannten die Pflanze historisch nicht.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Pimentöl: hochkonzentriertes Eugenol - nie pur, nie innerlich, nicht bei Kindern und Schwangeren.
- Blutgerinnung: bei Blutverdünnern und vor Operationen keine Pimentpräparate; das Gewürz im Essen ist unkritisch.
- Haut: das Öl kann reizen und Allergien auslösen - immer verdünnt, Hauttest vorher.
- Allergie: wer auf Nelken oder Perubalsam reagiert, sollte Piment vorsichtig probieren - die Stoffe sind verwandt.
- Menge: gemahlener Piment in großen Mengen kann Übelkeit auslösen. Zwei bis vier Körner pro Gericht genügen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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SourcesWorauf sich das stützt
- Zhang L, Lokeshwar BL. Medicinal properties of the Jamaican pepper plant Pimenta dioica and allspice. Current Drug Targets 2012; 13(14): 1900–1906.
- Padmakumari KP et al. Composition and antioxidant activity of essential oil of pimento (Pimenta dioica) from Jamaica. Natural Product Research 2011; 25(2): 152–160.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), HMPC: Assessment report on Syzygium aromaticum, aetheroleum (Eugenol-Sicherheit), 2011.
- USDA FoodData Central: Spices, allspice, ground.
- Rätsch C, Katzer G: Gernot Katzers Gewürzseiten, Eintrag pimento - Botanik, Handel und Küchenverwendung.


