Zimt (Cinnamomum verum)

Familie
LorbeergewächseCinnamomum verum - der echte Zimt aus Sri Lanka
Verwendet wird
Die innere Rindezu Stangen gerollt oder gemahlen
Geschmack
Süß und feinCeylon zart und blumig, Cassia kräftig, scharf und dominant
Origin
Sri LankaCassia-Zimt kommt aus China, Vietnam und Indonesien
Anerkannt für
VerdauungsbeschwerdenKommission E und EMA - bei Appetitlosigkeit und Völlegefühl
Wichtig
CumarinCassia-Zimt enthält viel davon, Ceylon-Zimt praktisch keins

OriginZwei Rinden, ein Name

Zimtstangen in Schale

Im Supermarkt steht meist nur „Zimt“ auf der Packung - dabei entscheidet die Art darüber, ob man ihn täglich verwenden kann oder besser nicht.

Zimt ist die getrocknete innere Rinde verschiedener Bäume aus der Gattung Cinnamomum. Der Ceylon cinnamon (Cinnamomum verum) stammt aus Sri Lanka und Südindien; seine Rinde wird in dünnen Schichten geschält, die sich beim Trocknen ineinander rollen - eine Ceylon-Stange sieht im Querschnitt aus wie eine Zigarre aus vielen Lagen und lässt sich mit den Fingern zerbröseln. Der Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia oder C. aromaticum) kommt aus China, Vietnam und Indonesien; hier wird die dickere Rinde in einem Stück verwendet, und die Stange besteht aus einer einzigen, harten, rotbraunen Rolle. Dieser Unterschied ist an der Stange sofort zu sehen - am Pulver nicht.

Zimt war über Jahrtausende eines der wertvollsten Handelsgüter überhaupt. Die Ägypter verwendeten ihn zur Einbalsamierung, im Alten Testament ist er Bestandteil des heiligen Salböls, und die arabischen Händler hielten die Herkunft mit erfundenen Geschichten geheim - Herodot berichtet von riesigen Vögeln, die die Zimtstangen für ihre Nester sammelten. Erst die portugiesische Eroberung Ceylons im 16. Jahrhundert legte die Quelle offen; danach kämpften Portugiesen, Niederländer und Briten jahrhundertelang um das Monopol.

Für die Küche heißt das heute ganz praktisch: Der weitaus meiste Zimt im deutschen Handel - besonders als Pulver und in Fertigprodukten - ist Cassia, weil er billiger und im Geschmack dominanter ist. Ceylon-Zimt ist teurer, feiner, blumiger und wird oft ausdrücklich als solcher ausgelobt. Wer ihn nicht findet: Auf die Stange schauen. Viele dünne Lagen heißt Ceylon, eine dicke Rolle heißt Cassia.

NutzenWas Zimt für dich tut

Die anerkannte Anwendung ist bescheidener, als der Ruf vermuten lässt: Die Kommission E hat Zimtrinde bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden positiv bewertet - also bei Völlegefühl, leichten Krämpfen und Blähungen –, und die europäische Arzneimittelagentur führt ihn als traditionelle Anwendung in dieselbe Richtung. Verantwortlich sind das ätherische Öl mit Zimtaldehyd und die Gerbstoffe, die zusammen verdauungsanregend und leicht krampflösend wirken. Das ist solide, aber es ist eben die Wirkung eines Verdauungsgewürzes.

Das große Thema ist ein anderes: Blutzucker. Seit den 2000er Jahren gibt es Studien, die bei Typ-2-Diabetes eine Senkung des Nüchternblutzuckers durch Zimtextrakte zeigen. Meta-Analysen finden im Mittel kleine Effekte - und gleichzeitig große Unterschiede zwischen den Studien, unterschiedliche Präparate, unterschiedliche Dosen und wenig Aussagen zum Langzeitwert HbA1c. Die Fachgesellschaften empfehlen Zimt deshalb nicht als Behandlung. Ehrlich gesagt ist die Lage so: Es könnte ein kleiner Effekt da sein, aber niemand sollte deswegen ein Medikament reduzieren oder absetzen, und wer Diabetes hat, bespricht Zimtpräparate mit der behandelnden Praxis.

Und damit zum Punkt, der die ganze Seite bestimmt: Cumarin. Cassia-Zimt enthält davon erhebliche Mengen, Ceylon-Zimt praktisch keine. Cumarin kann bei empfindlichen Menschen und bei regelmäßiger höherer Aufnahme die Leber belasten - reversibel, aber real. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat einen tolerierbaren Tagesrichtwert von 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt; bei Cassia-Zimt kann ein Erwachsener den mit wenigen Gramm Pulver erreichen, ein Kind mit deutlich weniger. Das ist kein Grund für Panik an Weihnachten, aber ein sehr guter Grund, für den täglichen Gebrauch - Porridge, Kaffee, Smoothie - Ceylon cinnamon zu kaufen.

2 ArtenCeylon und Cassia - gesundheitlich ein relevanter Unterschied
Cumarinin Cassia reichlich, in Ceylon praktisch nicht nachweisbar
0,1 mg/kgder tolerierbare Tagesrichtwert des BfR für Cumarin
Viele Lagendie Ceylon-Stange erkennt man am zigarrenartigen Querschnitt

IngredientsDas steckt in der Rinde

Der Hauptaromastoff ist Zimtaldehyd, der 60 bis 80 Prozent des ätherischen Öls ausmacht und für den typischen warmen, süßlichen Geruch verantwortlich ist. Er wirkt antibakteriell, antimykotisch und leicht krampflösend. Daneben enthält Ceylon-Zimt Eugenol - denselben Stoff wie die Gewürznelke –, was ihm die feine, leicht nelkenartige Tiefe gibt; in Cassia fehlt es weitgehend, dafür ist dort der Zimtaldehydanteil höher, was den kräftigeren, schärferen Eindruck erklärt.

Der entscheidende Unterschied liegt beim Cumarin. Cassia-Zimt enthält je nach Herkunft zwischen 2 und 4 Gramm pro Kilogramm, teils deutlich mehr; Ceylon-Zimt liegt typischerweise unter 0,02 Gramm pro Kilogramm - also um den Faktor hundert bis zweihundert niedriger. Cumarin ist derselbe Stoff, der frisch gemähtem Heu und Waldmeister ihren Duft gibt. Es ist kein Blutverdünner, auch wenn das oft behauptet wird - das ist eine Verwechslung mit den synthetischen Cumarinderivaten in Medikamenten. Es belastet aber in höherer Dosis die Leber, und darauf beruht der Richtwert.

Dazu kommen Gerbstoffe (Proanthocyanidine), Schleimstoffe und Zimtsäure. Für die Küche zwei praktische Punkte: Zimtpulver verliert sein ätherisches Öl schnell - nach einem halben Jahr im offenen Glas ist der größte Teil weg; Stangen halten Jahre. Und wer Zimtpulver kauft, kann Ceylon und Cassia optisch kaum unterscheiden, muss sich also auf die Deklaration verlassen. Bei Stangen sieht man es sofort.

Verstärkte KombinationenWas den Zimt stärker macht

Ein Gewürz, das Wärme, Fett und Zeit braucht - und bei dem die Sortenwahl wichtiger ist als alles andere.

Art

mit Ceylon für den Alltag

Wer täglich Zimt verwendet, nimmt Ceylon - wegen des Cumarins ist das die einzige sinnvolle Wahl.

Fett

in Milch, Butter & Öl

Zimtaldehyd ist fettlöslich; in Milchreis oder Butterteig entfaltet er sich viel besser als in Wasser.

Süße

mit Vanille & Kardamom

Die drei süßen Gewürze verstärken sich gegenseitig und lassen weniger Zucker ausreichen.

Herzhaft

mit Lamm & Tomate

Von Marokko bis Griechenland: Eine Stange im Schmortopf gibt Tiefe, ohne süß zu schmecken.

Ganz

als Stange statt Pulver

Stangen halten Jahre, Pulver verliert sein Öl in Monaten - und an der Stange sieht man die Art.

Chai

mit Ingwer, Nelke & Pfeffer

Der indische Gewürztee: Zimt gibt die süße Grundlage, die anderen die Schärfe.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Art

nicht täglich Cassia

Der Cumaringehalt macht Cassia zum Gewürz für Gelegenheiten, nicht für den täglichen Löffel im Porridge.

Kinder

nicht Cassia in größeren Mengen

Wegen des niedrigeren Körpergewichts wird der Richtwert bei Kindern deutlich schneller erreicht.

diabetes

nicht als Ersatz für Medikamente

Die Blutzuckereffekte sind klein und uneinheitlich - kein Grund, Therapie zu ändern.

Vorrat

nicht Pulver jahrelang

Nach einem halben Jahr im offenen Glas ist der größte Teil des Aromas verflogen.

Menge

nicht zu viel im Gericht

Zimt dominiert schnell alles andere; besonders Cassia übertönt feine Aromen.

Öl

nicht das ätherische Zimtöl auf die Haut

Zimtöl ist stark hautreizend und gehört nicht unverdünnt auf oder in den Körper.

Zu welchem GerichtWo er hingehört

  • Milchreis und GrießbreiDer deutsche Klassiker - hier lohnt sich Ceylon besonders, weil es täglich sein kann.
  • ZimtschneckenHefeteig, Butter, Zucker, Zimt - und bewusst die Menge im Blick behalten.
  • Apfelkompott und BratapfelEine Stange mitziehen lassen statt Pulver einrühren.
  • ChaiZimt, Ingwer, Kardamom, Nelke, Pfeffer in Milch und Schwarztee gekocht.
  • LammtajineMarokkanisch mit Zimt, Ingwer, Safran und Trockenfrüchten.
  • Pastitsio und MoussakaDie griechische Hackfleischsauce enthält Zimt - das ist ihr Geheimnis.
  • Glühwein und PunschStange mitziehen lassen, nicht kochen - sonst wird es bitter.
  • Hummus mit LammEine Prise Zimt über das Hackfleisch - libanesisch.
  • SchokoladendessertsZimt und Kakao verstärken sich gegenseitig.
  • KaffeeEine Prise in den Filter oder aufs Milchschaum - täglich, also Ceylon.
Faustregel: Beim Einkauf auf die Art achten: Für alles, was regelmäßig auf den Tisch kommt, Ceylon-Zimt nehmen. Stangen statt Pulver kaufen, weil sie länger halten und weil man an ihnen die Art erkennt - viele dünne Lagen heißt Ceylon, eine dicke harte Rolle heißt Cassia. Und Zimt gehört in Fett und Wärme, nicht in kaltes Wasser.

Als HausmittelDer Gewürztee

So geht’s

Chai mit Zimt, Ingwer und Kardamom

  1. Eine Ceylon-Zimtstange, vier angedrückte Kardamomkapseln, zwei Nelken, drei Scheiben frischen Ingwer und drei schwarze Pfefferkörner in einen Topf geben.
  2. Mit 300 ml Wasser aufkochen und zehn Minuten leise köcheln lassen - Rinde und Samen brauchen diese Zeit, anders als Blattkräuter.
  3. 200 ml Milch oder Hafermilch zugeben, einmal aufwallen lassen, dann den Topf vom Herd ziehen und einen Teelöffel schwarzen Tee hineingeben.
  4. Drei bis vier Minuten ziehen lassen, abseihen und nach Geschmack süßen - traditionell mit Zucker oder Honig.
Wofür

Nach schwerem Essen, bei Völlegefühl, an kalten Tagen und wenn einem innerlich fröstelig ist. Hier arbeiten mehrere anerkannte Verdauungsgewürze zusammen: Zimt und Kardamom bei dyspeptischen Beschwerden, Ingwer gegen Übelkeit und für die Wärme, Pfeffer als Verstärker. Das ist gut begründete Gewürzküche - ein Arzneimittel ist es nicht, und als solches verkaufen wir es auch nicht.

Menge

Eine bis zwei Tassen täglich. Mit Ceylon-Zimt ist auch täglicher Genuss unproblematisch; mit Cassia sollte man den Cumaringehalt im Blick behalten. Der schwarze Tee bringt Koffein mit - am Abend entsprechend weglassen. In der Schwangerschaft bei der normalen Gewürzmenge bleiben.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Twak oder Dalchini ist im Ayurveda ein wichtiges Gewürz und Bestandteil der klassischen Mischung Trijatha (Zimt, Kardamom, Tejpatra). Er gilt als scharf, süß und bitter, erwärmend und leicht: Kapha and Vata senkend, Pitta erhöhend. Eingesetzt wird er als Deepana and Pachana, also zur Anregung des Verdauungsfeuers, bei Erkältungen und zur Verbesserung der Aufnahme anderer Kräuter.

Traditional Chinese Medicine

In der TCM ist Zimt gleich zweifach vertreten, und der Unterschied ist wichtig: Rou Gui ist die dicke Stammrinde des Cassia-Zimtbaums - scharf, süß, sehr heiß, Niere und Milz zugeordnet, klassisch zur Stärkung des Nieren-Yang bei tiefer innerer Kälte. Gui Zhi dagegen sind die dünnen Zweige derselben Art - scharf, süß, warm, oberflächlich wirkend, um Kälte an der Oberfläche zu vertreiben und die Leitbahnen zu öffnen. Zwei Teile eines Baumes, zwei verschiedene Arzneien.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Cumarin in Cassia: der tolerierbare Tagesrichtwert des BfR liegt bei 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht - mit Cassia-Zimt ist er schnell erreicht.
  • Kinder: wegen des geringeren Körpergewichts wird der Richtwert deutlich schneller überschritten - für Kinder Ceylon-Zimt verwenden.
  • Lebererkrankungen: bei bestehenden Leberproblemen auf regelmäßige größere Mengen Cassia-Zimt verzichten.
  • Diabetes: Zimtpräparate sind kein Ersatz für die Therapie; Einnahme mit der behandelnden Praxis besprechen.
  • Ätherisches Zimtöl: stark haut- und schleimhautreizend - nicht unverdünnt anwenden und nicht einnehmen.
  • Schwangerschaft: als Gewürz unproblematisch; auf hochdosierte Zimtextrakte und ätherisches Öl verzichten.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. Bundesinstitut für Risikobewertung: Neue Erkenntnisse zu Cumarin in Zimt - tolerierbare tägliche Aufnahmemenge und Gehalte in Cassia- und Ceylon-Zimt.
  2. Kommission E: Monographie Cinnamomi cassiae cortex and Cinnamomi ceylanici cortex, Bundesanzeiger 1990 - Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden.
  3. EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Cinnamomum verum J. S. Presl, cortex.
  4. Allen RW et al. Cinnamon use in type 2 diabetes: an updated systematic review and meta-analysis. Annals of Family Medicine 2013; 11(5): 452–459.
  5. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Cinnamomi cortex.