OriginZwei Rinden, ein Name

Im Supermarkt steht meist nur „Zimt“ auf der Packung - dabei entscheidet die Art darüber, ob man ihn täglich verwenden kann oder besser nicht.
Zimt ist die getrocknete innere Rinde verschiedener Bäume aus der Gattung Cinnamomum. Der Ceylon cinnamon (Cinnamomum verum) stammt aus Sri Lanka und Südindien; seine Rinde wird in dünnen Schichten geschält, die sich beim Trocknen ineinander rollen - eine Ceylon-Stange sieht im Querschnitt aus wie eine Zigarre aus vielen Lagen und lässt sich mit den Fingern zerbröseln. Der Cassia-Zimt (Cinnamomum cassia oder C. aromaticum) kommt aus China, Vietnam und Indonesien; hier wird die dickere Rinde in einem Stück verwendet, und die Stange besteht aus einer einzigen, harten, rotbraunen Rolle. Dieser Unterschied ist an der Stange sofort zu sehen - am Pulver nicht.
Zimt war über Jahrtausende eines der wertvollsten Handelsgüter überhaupt. Die Ägypter verwendeten ihn zur Einbalsamierung, im Alten Testament ist er Bestandteil des heiligen Salböls, und die arabischen Händler hielten die Herkunft mit erfundenen Geschichten geheim - Herodot berichtet von riesigen Vögeln, die die Zimtstangen für ihre Nester sammelten. Erst die portugiesische Eroberung Ceylons im 16. Jahrhundert legte die Quelle offen; danach kämpften Portugiesen, Niederländer und Briten jahrhundertelang um das Monopol.
Für die Küche heißt das heute ganz praktisch: Der weitaus meiste Zimt im deutschen Handel - besonders als Pulver und in Fertigprodukten - ist Cassia, weil er billiger und im Geschmack dominanter ist. Ceylon-Zimt ist teurer, feiner, blumiger und wird oft ausdrücklich als solcher ausgelobt. Wer ihn nicht findet: Auf die Stange schauen. Viele dünne Lagen heißt Ceylon, eine dicke Rolle heißt Cassia.
NutzenWas Zimt für dich tut
Die anerkannte Anwendung ist bescheidener, als der Ruf vermuten lässt: Die Kommission E hat Zimtrinde bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden positiv bewertet - also bei Völlegefühl, leichten Krämpfen und Blähungen –, und die europäische Arzneimittelagentur führt ihn als traditionelle Anwendung in dieselbe Richtung. Verantwortlich sind das ätherische Öl mit Zimtaldehyd und die Gerbstoffe, die zusammen verdauungsanregend und leicht krampflösend wirken. Das ist solide, aber es ist eben die Wirkung eines Verdauungsgewürzes.
Das große Thema ist ein anderes: Blutzucker. Seit den 2000er Jahren gibt es Studien, die bei Typ-2-Diabetes eine Senkung des Nüchternblutzuckers durch Zimtextrakte zeigen. Meta-Analysen finden im Mittel kleine Effekte - und gleichzeitig große Unterschiede zwischen den Studien, unterschiedliche Präparate, unterschiedliche Dosen und wenig Aussagen zum Langzeitwert HbA1c. Die Fachgesellschaften empfehlen Zimt deshalb nicht als Behandlung. Ehrlich gesagt ist die Lage so: Es könnte ein kleiner Effekt da sein, aber niemand sollte deswegen ein Medikament reduzieren oder absetzen, und wer Diabetes hat, bespricht Zimtpräparate mit der behandelnden Praxis.
Und damit zum Punkt, der die ganze Seite bestimmt: Cumarin. Cassia-Zimt enthält davon erhebliche Mengen, Ceylon-Zimt praktisch keine. Cumarin kann bei empfindlichen Menschen und bei regelmäßiger höherer Aufnahme die Leber belasten - reversibel, aber real. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat einen tolerierbaren Tagesrichtwert von 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt; bei Cassia-Zimt kann ein Erwachsener den mit wenigen Gramm Pulver erreichen, ein Kind mit deutlich weniger. Das ist kein Grund für Panik an Weihnachten, aber ein sehr guter Grund, für den täglichen Gebrauch - Porridge, Kaffee, Smoothie - Ceylon cinnamon zu kaufen.
IngredientsDas steckt in der Rinde
Der Hauptaromastoff ist Zimtaldehyd, der 60 bis 80 Prozent des ätherischen Öls ausmacht und für den typischen warmen, süßlichen Geruch verantwortlich ist. Er wirkt antibakteriell, antimykotisch und leicht krampflösend. Daneben enthält Ceylon-Zimt Eugenol - denselben Stoff wie die Gewürznelke –, was ihm die feine, leicht nelkenartige Tiefe gibt; in Cassia fehlt es weitgehend, dafür ist dort der Zimtaldehydanteil höher, was den kräftigeren, schärferen Eindruck erklärt.
Der entscheidende Unterschied liegt beim Cumarin. Cassia-Zimt enthält je nach Herkunft zwischen 2 und 4 Gramm pro Kilogramm, teils deutlich mehr; Ceylon-Zimt liegt typischerweise unter 0,02 Gramm pro Kilogramm - also um den Faktor hundert bis zweihundert niedriger. Cumarin ist derselbe Stoff, der frisch gemähtem Heu und Waldmeister ihren Duft gibt. Es ist kein Blutverdünner, auch wenn das oft behauptet wird - das ist eine Verwechslung mit den synthetischen Cumarinderivaten in Medikamenten. Es belastet aber in höherer Dosis die Leber, und darauf beruht der Richtwert.
Dazu kommen Gerbstoffe (Proanthocyanidine), Schleimstoffe und Zimtsäure. Für die Küche zwei praktische Punkte: Zimtpulver verliert sein ätherisches Öl schnell - nach einem halben Jahr im offenen Glas ist der größte Teil weg; Stangen halten Jahre. Und wer Zimtpulver kauft, kann Ceylon und Cassia optisch kaum unterscheiden, muss sich also auf die Deklaration verlassen. Bei Stangen sieht man es sofort.
Verstärkte KombinationenWas den Zimt stärker macht
Ein Gewürz, das Wärme, Fett und Zeit braucht - und bei dem die Sortenwahl wichtiger ist als alles andere.
Wer täglich Zimt verwendet, nimmt Ceylon - wegen des Cumarins ist das die einzige sinnvolle Wahl.
Zimtaldehyd ist fettlöslich; in Milchreis oder Butterteig entfaltet er sich viel besser als in Wasser.
Die drei süßen Gewürze verstärken sich gegenseitig und lassen weniger Zucker ausreichen.
Von Marokko bis Griechenland: Eine Stange im Schmortopf gibt Tiefe, ohne süß zu schmecken.
Stangen halten Jahre, Pulver verliert sein Öl in Monaten - und an der Stange sieht man die Art.
Der indische Gewürztee: Zimt gibt die süße Grundlage, die anderen die Schärfe.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Der Cumaringehalt macht Cassia zum Gewürz für Gelegenheiten, nicht für den täglichen Löffel im Porridge.
Wegen des niedrigeren Körpergewichts wird der Richtwert bei Kindern deutlich schneller erreicht.
Die Blutzuckereffekte sind klein und uneinheitlich - kein Grund, Therapie zu ändern.
Nach einem halben Jahr im offenen Glas ist der größte Teil des Aromas verflogen.
Zimt dominiert schnell alles andere; besonders Cassia übertönt feine Aromen.
Zimtöl ist stark hautreizend und gehört nicht unverdünnt auf oder in den Körper.
Zu welchem GerichtWo er hingehört
- Milchreis und GrießbreiDer deutsche Klassiker - hier lohnt sich Ceylon besonders, weil es täglich sein kann.
- ZimtschneckenHefeteig, Butter, Zucker, Zimt - und bewusst die Menge im Blick behalten.
- Apfelkompott und BratapfelEine Stange mitziehen lassen statt Pulver einrühren.
- ChaiZimt, Ingwer, Kardamom, Nelke, Pfeffer in Milch und Schwarztee gekocht.
- LammtajineMarokkanisch mit Zimt, Ingwer, Safran und Trockenfrüchten.
- Pastitsio und MoussakaDie griechische Hackfleischsauce enthält Zimt - das ist ihr Geheimnis.
- Glühwein und PunschStange mitziehen lassen, nicht kochen - sonst wird es bitter.
- Hummus mit LammEine Prise Zimt über das Hackfleisch - libanesisch.
- SchokoladendessertsZimt und Kakao verstärken sich gegenseitig.
- KaffeeEine Prise in den Filter oder aufs Milchschaum - täglich, also Ceylon.
Als HausmittelDer Gewürztee
Chai mit Zimt, Ingwer und Kardamom
- Eine Ceylon-Zimtstange, vier angedrückte Kardamomkapseln, zwei Nelken, drei Scheiben frischen Ingwer und drei schwarze Pfefferkörner in einen Topf geben.
- Mit 300 ml Wasser aufkochen und zehn Minuten leise köcheln lassen - Rinde und Samen brauchen diese Zeit, anders als Blattkräuter.
- 200 ml Milch oder Hafermilch zugeben, einmal aufwallen lassen, dann den Topf vom Herd ziehen und einen Teelöffel schwarzen Tee hineingeben.
- Drei bis vier Minuten ziehen lassen, abseihen und nach Geschmack süßen - traditionell mit Zucker oder Honig.
Nach schwerem Essen, bei Völlegefühl, an kalten Tagen und wenn einem innerlich fröstelig ist. Hier arbeiten mehrere anerkannte Verdauungsgewürze zusammen: Zimt und Kardamom bei dyspeptischen Beschwerden, Ingwer gegen Übelkeit und für die Wärme, Pfeffer als Verstärker. Das ist gut begründete Gewürzküche - ein Arzneimittel ist es nicht, und als solches verkaufen wir es auch nicht.
Eine bis zwei Tassen täglich. Mit Ceylon-Zimt ist auch täglicher Genuss unproblematisch; mit Cassia sollte man den Cumaringehalt im Blick behalten. Der schwarze Tee bringt Koffein mit - am Abend entsprechend weglassen. In der Schwangerschaft bei der normalen Gewürzmenge bleiben.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Twak oder Dalchini ist im Ayurveda ein wichtiges Gewürz und Bestandteil der klassischen Mischung Trijatha (Zimt, Kardamom, Tejpatra). Er gilt als scharf, süß und bitter, erwärmend und leicht: Kapha and Vata senkend, Pitta erhöhend. Eingesetzt wird er als Deepana and Pachana, also zur Anregung des Verdauungsfeuers, bei Erkältungen und zur Verbesserung der Aufnahme anderer Kräuter.
Traditional Chinese Medicine
In der TCM ist Zimt gleich zweifach vertreten, und der Unterschied ist wichtig: Rou Gui ist die dicke Stammrinde des Cassia-Zimtbaums - scharf, süß, sehr heiß, Niere und Milz zugeordnet, klassisch zur Stärkung des Nieren-Yang bei tiefer innerer Kälte. Gui Zhi dagegen sind die dünnen Zweige derselben Art - scharf, süß, warm, oberflächlich wirkend, um Kälte an der Oberfläche zu vertreiben und die Leitbahnen zu öffnen. Zwei Teile eines Baumes, zwei verschiedene Arzneien.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Cumarin in Cassia: der tolerierbare Tagesrichtwert des BfR liegt bei 0,1 mg pro Kilogramm Körpergewicht - mit Cassia-Zimt ist er schnell erreicht.
- Kinder: wegen des geringeren Körpergewichts wird der Richtwert deutlich schneller überschritten - für Kinder Ceylon-Zimt verwenden.
- Lebererkrankungen: bei bestehenden Leberproblemen auf regelmäßige größere Mengen Cassia-Zimt verzichten.
- Diabetes: Zimtpräparate sind kein Ersatz für die Therapie; Einnahme mit der behandelnden Praxis besprechen.
- Ätherisches Zimtöl: stark haut- und schleimhautreizend - nicht unverdünnt anwenden und nicht einnehmen.
- Schwangerschaft: als Gewürz unproblematisch; auf hochdosierte Zimtextrakte und ätherisches Öl verzichten.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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SourcesWorauf sich das stützt
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Neue Erkenntnisse zu Cumarin in Zimt - tolerierbare tägliche Aufnahmemenge und Gehalte in Cassia- und Ceylon-Zimt.
- Kommission E: Monographie Cinnamomi cassiae cortex and Cinnamomi ceylanici cortex, Bundesanzeiger 1990 - Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden.
- EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Cinnamomum verum J. S. Presl, cortex.
- Allen RW et al. Cinnamon use in type 2 diabetes: an updated systematic review and meta-analysis. Annals of Family Medicine 2013; 11(5): 452–459.
- Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Cinnamomi cortex.


