OriginDas süße Korn aus dem Osten

Anis schmeckt wie Fenchel, Sternanis und Lakritz - nicht weil er verwandt wäre, sondern weil vier Pflanzen unabhängig voneinander denselben Duftstoff erfunden haben.
Anis stammt aus dem östlichen Mittelmeerraum und Vorderasien und ist eines der ältesten Gewürze der Welt: Die Ägypter kannten ihn, die Römer buken nach Festmählern Aniskuchen gegen die schwere Verdauung - der Vorläufer unserer Hochzeitstorte. Karl der Große ließ ihn auf jedem Reichsgut anbauen, Klöster machten daraus Hustensäfte, und im Mittelmeerraum wurde er zum Geist der Nationalgetränke: Ouzo, Raki, Pastis, Sambuca.
Heute kommt Anis vor allem aus der Türkei, Spanien, Ägypten und Syrien. Die zarte, kniehohe Pflanze braucht warme Sommer und liefert kleine, graugrüne Spaltfrüchte mit feiner Behaarung. Was als „Anissamen“ verkauft wird, ist botanisch die Frucht - wie beim Kreuzkümmel und Fenchel.
NutzenWas Anis für dich tut
Anis ist das süße Hustengewürz. Sein ätherisches Öl mit dem Hauptstoff Anethol löst Schleim in den Bronchien, entspannt die Atemwege und wirkt leicht keimhemmend - deshalb steckt Anis seit Jahrhunderten in Hustentees, Bonbons und Sirupen, und deshalb riechen viele Hustensäfte nach Lakritz.
Die zweite Stärke ist der Bauch: Anethol entspannt die Darmmuskulatur und regt Verdauungssäfte an. Bei Blähungen, Krämpfen und Völlegefühl ist Anis der milde Bruder von Fenchel und Kümmel - der „Bauchtee“ für Säuglinge und Kinder besteht aus genau diesen dreien. Beides ist offiziell anerkannt: Die europäische Arzneimittelbehörde führt Anisfrüchte als traditionelles Mittel bei leichten Verdauungsbeschwerden und als schleimlösendes Mittel bei Husten.
Was Anis nicht ist: ein Hormonmittel. Anethol ähnelt strukturell dem Östrogen, und daraus wurde volksmedizinisch die Milchbildung und die „Frauenkraft“ abgeleitet. Nachgewiesen ist davon wenig - bei Küchen- und Teemengen spielt es keine Rolle.
IngredientsDas steckt in der Frucht
trans-Anethol macht 80 bis 90 Prozent des ätherischen Öls aus und ist der Grund für Geschmack und Wirkung - derselbe Stoff, der Fenchel, Sternanis und Süßholz süß schmecken lässt. Dazu kommen Estragol (in kleiner Menge), Anisaldehyd und Terpene.
Der Ölgehalt der Frucht liegt bei zwei bis sechs Prozent - hoch für ein Gewürz. Außerdem: rund 15 Prozent fettes Öl, Eiweiß, Flavonoide und Cumarine. Ganze Früchte halten das Öl jahrelang, gemahlener Anis verliert es in Monaten.
Verstärkte KombinationenWas Anis stärker macht
Anis ist ein Süßgewürz - er passt zu allem, was warm, weich oder gebacken ist, und braucht Bitteres oder Säure als Gegengewicht.
Drei Doldenblütler, drei krampflösende Öle. Zu gleichen Teilen angequetscht: der Tee für Babys, Kinder und alle mit Blähungen.
Thymian löst und desinfiziert, Eibisch schützt die Schleimhaut, Anis macht den Tee süß und trinkbar - die Grundlage vieler Hustensäfte.
Anisbrötchen, Springerle, Lebkuchen: Anis ist das Gewürz der Weihnachtsbäckerei neben Zimt und Koriander.
Anethol ist fettlöslich. Im Teig oder in Öl entfaltet Anis mehr als in Wasser - beim Tee die Früchte deshalb anquetschen.
Die provenzalische Fischsuppe lebt von Anis: als Schnaps in der Sauce, als Fenchel im Topf, als Samen darüber.
Kompott, Chutney, eingelegte Feigen: Anis und Süße verstärken sich - mit einem Spritzer Zitrone gegen die Schwere.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Süß gegen erdig-scharf: Anis in einem Curry oder Chili wirkt wie Bonbon im Eintopf.
Die Säure der Tomate und die Süße des Anis vertragen sich schlecht - anders als Fenchel, der dort passt.
Anis ist stark. Ein halber Teelöffel würzt einen Brotteig - mehr, und alles schmeckt nach Ouzo.
Das Öl verfliegt. Ganze Früchte kaufen, kurz vor Gebrauch mörsern.
Anisöl ist hochkonzentriert; schon wenige Milliliter verursachen Übelkeit und Krämpfe. Tee und Gewürz ja, Öl nur in Fertigpräparaten.
Wer auf Sellerie, Fenchel, Karotte oder Beifuß reagiert, kann auch auf Anis reagieren - vorsichtig probieren.
Zu welchem GerichtWo er hingehört
- Anisbrot & Brötchen1 TL angequetschte Früchte auf 500 g Mehl - der Duft der schwäbischen Bäckerei.
- Springerle & AnisplätzchenDas Weihnachtsgebäck, das nach Anis schmeckt und sonst nach nichts - ganz bewusst.
- BouillabaisseEin Schuss Pastis und ein Teelöffel Anis in die Fischsuppe - die Provence im Topf.
- Rotkohl & SauerkrautEin halber Teelöffel Anis zum Kümmel: macht das Kraut milder und süßer.
- Feigen-ChutneyGetrocknete Feigen, Zwiebel, Essig, Anis, Zimt - zu Käse und Braten.
- BirnenkompottZwei Anisfrüchte mit einer Zimtstange mitkochen, vor dem Servieren herausnehmen.
- PflaumenmusAnis neben Zimt und Nelke - der Klassiker aus der Winterküche.
- Anistee1 TL angequetscht, 10 Minuten ziehen - bei Husten und Blähungen.
- Ouzo & RakiDer Anisschnaps zu Meze und Fisch - Anis als Nationalgetränk von Griechenland bis in die Türkei.
- Indischer MukhwasGeröstete Anis- und Fenchelsamen nach dem Essen kauen - frischer Atem und leichter Bauch.
Als HausmittelAnistee bei Husten und Blähungen
Anistee
- 1 Teelöffel Anisfrüchte im Mörser anquetschen - ohne das bleibt das Öl im Korn.
- Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
- Abseihen, bei Husten mit einem Löffel Honig süßen.
- Zwei bis drei Tassen am Tag, warm. Für den Bauchtee je ein Drittel Anis, Fenchel und Kümmel.
Reizhusten mit zähem Schleim, Blähungen, Völlegefühl, Bauchkrämpfe. Der Tee ist so mild, dass er Kindern gegeben wird - bei Säuglingen nur nach Rücksprache mit der Kinderärztin.
Zwei bis drei Tassen täglich, bei Husten über eine Woche. Anisöl aus der Flasche gehört nicht in die Tasse - die anerkannte Dosis liegt bei 3 g Früchten am Tag.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Als Shatapushpa (ein Name, den auch der Dill trägt) ein wärmendes, süßes Gewürz gegen Vata-Beschwerden: Blähungen, Krämpfe, Husten. Anis- und Fenchelsamen werden nach dem Essen gekaut, um Agni zu unterstützen.
Traditional Chinese Medicine
Der europäische Anis spielt in der TCM keine Rolle - dort übernimmt Ba Jiao Hui Xiang, der Sternanis, dieselbe Funktion: Kälte aus Magen und Nieren vertreiben, Qi bewegen. Gleicher Duftstoff, andere Pflanze, andere Tradition.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Anisöl: nie innerlich, nie unverdünnt auf die Haut - nur in zugelassenen Fertigpräparaten.
- Allergie: Kreuzreaktionen bei Doldenblütler-Allergie (Sellerie, Fenchel, Beifuß).
- Schwangerschaft: Tee in Küchenmenge unbedenklich; hochdosierte Präparate und Öl nicht - Anethol wirkt schwach hormonell.
- Kinder: Tee ja, Öl nein. Bei Säuglingen Rücksprache mit der Kinderärztin.
- Verwechslung: Sternanis (Illicium verum) schmeckt gleich, ist aber eine andere Pflanze; japanischer Sternanis ist giftig - nur Handelsware kaufen.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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SourcesWorauf sich das stützt
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), HMPC: Community herbal monograph on Pimpinella anisum L., fructus, 2013 - traditionelle Anwendung bei leichten Verdauungsbeschwerden und als Expektorans bei Erkältungshusten.
- Kommission E: Monographie Anisi fructus (Anis), Bundesanzeiger 1988.
- Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016.
- Shojaii A, Abdollahi Fard M. Review of pharmacological properties and chemical constituents of Pimpinella anisum. ISRN Pharmaceutics 2012; 510795.


