OriginDer Klee, der keiner ist

Fieberklee heißt er, weil man ihn als billigen Ersatz für die teure Chinarinde gegen das Wechselfieber einsetzte - geholfen hat er dagegen nicht, gegen träge Verdauung dagegen schon.
Der Bitterklee wächst in Mooren, Sümpfen, an verlandenden Teichrändern und in nassen Wiesen der gesamten Nordhalbkugel. Er ist eine Sumpfpflanze mit kriechendem Rhizom, dreizähligen Blättern - daher der Name trifoliata - und außergewöhnlich schönen weißrosa Blüten, deren Kronblätter dicht mit weißen Fransen besetzt sind. Botanisch ist er trotz des Namens kein Klee, sondern steht in einer eigenen kleinen Familie, den Fieberkleegewächsen, die den Enziangewächsen nahesteht - und das erklärt auch die Bitterkeit.
Der Name „Fieberklee“ stammt aus einer konkreten historischen Situation. Im 17. und 18. Jahrhundert grassierte in Europa das Wechselfieber - die Malaria, die damals bis nach Norddeutschland und in die Niederlande reichte. Das einzige wirksame Mittel war die Chinarinde, die aus Südamerika importiert werden musste und entsprechend teuer war. Bittere heimische Pflanzen wurden deshalb als Ersatz probiert, und der Bitterklee war der prominenteste davon. Gegen Malaria wirkt er nicht; als Bittermittel und Appetitanreger blieb er trotzdem im Arzneischatz.
Heute ist er in Mitteleuropa selten geworden, weil seine Lebensräume verschwunden sind: Moore wurden entwässert, Feuchtwiesen trockengelegt. In Deutschland steht er deshalb unter besonderem Schutz und darf nicht aus der Natur entnommen werden. Arzneiware stammt aus Osteuropa und Skandinavien, wo er noch häufiger ist.
NutzenWas der Bitterklee für dich tut
Der Bitterklee ist eine reine Bitterstoffdroge - und das ist bei ihm wörtlich zu nehmen: Er enthält praktisch kein ätherisches Öl und damit kein Aroma. Was bleibt, ist Bitterkeit in reiner Form, mit einem Bitterwert von etwa 4.000 bis 10.000. Die Kommission E und die europäische Arzneimittelagentur führen ihn bei Appetitlosigkeit and dyspeptischen Beschwerden - also Völlegefühl, Druck im Oberbauch, das Gefühl, dass nichts vorangeht.
Das Wirkprinzip ist dasselbe wie bei Wermut, Enzian und Angelika, und es beginnt auf der Zunge: Bitterrezeptoren lösen über den Vagusnerv einen Reflex aus, der Speichel, Magensaft, Galle und Bauchspeichel anregt - noch bevor Essen im Magen ist. Daraus folgt dieselbe Regel: eine halbe Tasse zwanzig bis dreißig Minuten vor dem Essen, langsam, ungesüßt. Wer süßt, blockiert genau das, worum es geht.
Warum sollte man dann Bitterklee statt Wermut nehmen? Zwei Gründe. Erstens hat er kein Thujon und ist damit ohne die zeitliche Begrenzung anwendbar, die beim Wermut gilt. Zweitens ist er geschmacklich neutraler: Er bringt keine eigene aromatische Note mit, was in Mischungen ein Vorteil ist. Sein Nachteil ist die Verfügbarkeit - er ist seltener und teurer als die anderen Bitterdrogen. Traditionell wurde er außerdem bei rheumatischen Beschwerden und zur „Blutreinigung“ eingesetzt; dafür gibt es keine Belege, und das schreiben wir hier auch nicht anders hin.
IngredientsDas steckt im Blatt
Die bitteren Leitsubstanzen sind Secoiridoidglykoside - vor allem Dihydrofoliamenthin, Menthiafolin und Loganin. Es ist dieselbe Stoffklasse, die auch dem Enzian seine Bitterkeit gibt, was die botanische Nähe der beiden Familien widerspiegelt. Diese Verbindungen sind wasserlöslich und gehen gut in den Aufguss über; sie haben keinen Eigengeruch und keine aromatische Note - reine Bitterkeit.
Daneben enthält das Blatt Flavonoide wie Rutin und Hyperosid, Gerbstoffe, Cumarine, Phenolcarbonsäuren und geringe Mengen Alkaloide. Ätherisches Öl ist nur in Spuren vorhanden. Für die Qualität gilt: Die Droge soll grün und deutlich bitter sein; bräunliche, schwach schmeckende Ware hat bei der Trocknung oder Lagerung gelitten.
Praktisch wichtig ist die Dosierung nach unten. Ein halber bis ein Teelöffel auf eine Tasse genügt völlig. Bei deutlich höheren Mengen kippt die Wirkung: Statt anzuregen reizt der Bitterklee dann die Magenschleimhaut und kann Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auslösen. Das ist bei Bitterdrogen ein wiederkehrendes Muster - mehr ist hier nicht besser, sondern schlechter.
Verstärkte KombinationenWas den Bitterklee stärker macht
Wie bei allen Bitterdrogen entscheiden Zeitpunkt, Zubereitung und eine kleine Menge über die Wirkung.
Der Reflex braucht Vorlauf - nach dem Essen kommt er zu spät.
Die Wirkung beginnt auf der Zunge; Zucker blockiert sie.
Weil Bitterklee kein Eigenaroma hat, mischt er sich gut mit anderen Bitterdrogen.
Wenn die reine Bitterkeit zu hart ist, gibt ein aromatischer Partner etwas Rundung.
Weniger ist hier wirklich mehr - höhere Mengen reizen den Magen.
Ohne Thujon ist er verträglicher als Wermut, aber auch er ist kein Dauergetränk.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Größere Mengen reizen die Magenschleimhaut und lösen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus.
Die Art ist in Deutschland besonders geschützt; Entnahme ist verboten.
Bitterstoffe steigern die Säureproduktion - bei Geschwüren ungeeignet.
Bei bestehenden Durchfällen verstärkt die Droge das Problem.
Das ist der häufigste Fehler und macht die Anwendung wirkungslos.
Der historische Name ist irreführend - gegen Fieber wirkt er nicht.
ApplicationWie er verwendet wird
- BitterkleeteeEinen halben Teelöffel auf 250 ml, zehn Minuten ziehen lassen, ungesüßt vor dem Essen.
- KaltauszugÜber Nacht kalt angesetzt - etwas milder im Geschmack, gleich wirksam.
- Magenbitter-MischungMit Enzianwurzel und Tausendgüldenkraut zu gleichen Teilen.
- Mit AromapartnerEin Teil Bitterklee, ein Teil Pfefferminze - wenn die reine Bitterkeit zu hart ist.
- BittertropfenAlkoholischer Auszug, tropfenweise auf wenig Wasser vor dem Essen.
- Bestandteil von MagenbitternBitterklee steckt in vielen traditionellen Kräuterbittern und Likören.
- AppetitanregerDie klassische Anwendung bei Appetitlosigkeit in der Rekonvaleszenz.
- BierwürzeHistorisch als Hopfenersatz und Bitterkomponente im Bier verwendet.
- Nicht selbst sammelnDie Art ist geschützt - Apothekenware verwenden.
- Moorpflanze im GartenNur in angelegten Moorbeeten und aus gärtnerischer Vermehrung.
Als HausmittelDer Bittertee vor dem Essen
Bitterklee als Appetitanreger
- Einen halben gestrichenen Teelöffel getrocknete Bitterkleeblätter in eine Tasse geben - bewusst wenig.
- Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen; ein Deckel ist hier nicht nötig, weil kaum ätherisches Öl im Spiel ist.
- Abseihen und ungesüßt trinken - eine halbe Tasse etwa zwanzig bis dreißig Minuten vor dem Essen, langsam und in kleinen Schlucken.
- Zwei- bis dreimal täglich vor den Hauptmahlzeiten, über zwei bis drei Wochen, dann eine Pause einlegen.
Bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl und dem Gefühl, dass die Verdauung nicht anspringt - besonders in der Erholungsphase nach einer Krankheit, wenn der Appetit noch nicht zurück ist. Der Bitterreflex über die Zunge ist gut untersucht, und die Anwendung ist von Kommission E und EMA anerkannt. Der Vorteil gegenüber dem Wermut: kein Thujon, also keine enge zeitliche Grenze.
Zwei- bis dreimal täglich eine halbe Tasse, über zwei bis drei Wochen. Nicht höher dosieren - mehr reizt den Magen und löst Übelkeit aus. Nicht bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, nicht bei bestehendem Durchfall, in Schwangerschaft und Stillzeit mangels Daten nicht anwenden. Appetitlosigkeit über Wochen oder ungewollter Gewichtsverlust gehören ärztlich abgeklärt, bevor man sie mit Bitterstoffen behandelt.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Der Bitterklee ist im Ayurveda nicht vertreten - er wächst nicht im indischen Raum. Nach seinen Eigenschaften eingeordnet wäre er rein bitter (Tikta), leicht, trocknend und kühlend: Pitta and Kapha senkend, Vata in größeren Mengen erhöhend, weil Bitteres austrocknet. Als Deepana, das Verdauungsfeuer anregend, würde er dort gut passen. Eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.
Traditional Chinese Medicine
Auch in der chinesischen Materia Medica fehlt er. Nach seinem Charakter wäre er ein bitteres, kühlendes Mittel, das Feuchte-Hitze klärt und die Mitte anregt - in der Nachbarschaft der bitteren Kräuter, die bei Appetitlosigkeit und Völlegefühl eingesetzt werden. Die chinesische Medizin arbeitet allerdings deutlich seltener mit reinen Bitterdrogen als Appetitanreger als die europäische; dort übernehmen aromatische Mittel diese Rolle.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Dosierung: höhere Mengen reizen die Magenschleimhaut und lösen Übelkeit, Erbrechen und Durchfall aus - ein halber Teelöffel genügt.
- Magengeschwüre: Bitterstoffe steigern die Säureproduktion und sind bei Geschwüren und akuter Gastritis ungeeignet.
- Diarrhea: bei bestehenden Durchfällen nicht anwenden - die Droge verstärkt sie.
- Naturschutz: die Art ist in Deutschland besonders geschützt; Entnahme aus der Natur ist verboten.
- Schwangerschaft und Stillzeit: mangels ausreichender Daten nicht anwenden.
- Kein Fiebermittel: der historische Name „Fieberklee“ ist irreführend - gegen Fieber wirkt er nicht.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen
Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.
SourcesWorauf sich das stützt
- Kommission E: Monographie Menyanthidis folium (Fieberkleeblätter), Bundesanzeiger 1985 - Appetitlosigkeit und dyspeptische Beschwerden.
- EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Menyanthes trifoliata L., folium.
- Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Menyanthidis trifoliatae folium.
- Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographie Menyanthidis trifoliatae folium - Bestimmung des Bitterwerts.
- Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) - Menyanthes trifoliata als besonders geschützte Art.


