Löwenzahn (Taraxacum officinale)

Familie
KorbblütlerTaraxacum officinale - eigentlich eine ganze Sammelart
Verwendet wird
Wurzel mit Krautim Frühjahr das Kraut, im Herbst die Wurzel
Geschmack
Deutlich bitterjunge Blätter milder, ältere und die Wurzel kräftig herb
Origin
Weltweitauf jeder Wiese, in jeder Fuge, auf jedem Acker
Anerkannt für
Verdauung und HarnwegeEMA und Kommission E - Bitterstoff- und Durchspülungsdroge
Nebenbei
Sehr kaliumreichdaher der französische Name pissenlit

OriginDas Unkraut, das alles kann

Löwenzahn gelbe Blüte

Er wächst in jeder Pflasterfuge, überlebt jeden Rasenmäher und vermehrt sich ohne Bestäubung - der Löwenzahn ist evolutionär gesehen ein außerordentlich erfolgreiches Wesen.

Der Löwenzahn ist botanisch eine Herausforderung: Was wir umgangssprachlich so nennen, ist eine Sammelart aus Hunderten von Kleinarten, die sich apomiktisch vermehren - sie bilden Samen ohne Befruchtung, sind also Klone ihrer Mutterpflanze. Jede erfolgreiche Variante kann sich dadurch unverändert vervielfältigen, was seinen Erfolg auf gestörten Böden, Wiesen, Äckern und in Pflasterfugen erklärt. Seine Pfahlwurzel reicht bis zu einem Meter tief und treibt aus jedem verbliebenen Stück wieder aus - der Grund, warum Gärtner an ihm verzweifeln.

Die Volksnamen erzählen die ganze Pflanze: Pusteblume nach dem Fruchtstand, Butterblume nach der Blütenfarbe, Kuhblume nach dem Standort, Milchstock nach dem weißen Saft - und im Französischen pissenlit, was ziemlich direkt auf die harntreibende Wirkung verweist. Derselbe Hinweis steckt im englischen Regionalnamen piss-a-bed. Der Name Löwenzahn selbst bezieht sich auf die gezähnten Blätter.

Kulinarisch ist er in Frankreich und Italien längst ein Gemüse: pissenlit au lard mit Speck und warmem Dressing, cicoria-artige Zubereitungen, gebleichte Triebe als Wintersalat. In Deutschland hat er den Sprung vom Unkraut zur Zutat erst in den letzten Jahren geschafft. Praktisch ist er dabei vollständig verwendbar: junge Blätter als Salat, Blütenknospen eingelegt als falsche Kapern, Blüten als Löwenzahnsirup, Wurzel als Gemüse oder geröstet als Kaffee-Ersatz.

NutzenWas der Löwenzahn für dich tut

Der Löwenzahn ist eine der wenigen Pflanzen mit zwei anerkannten Anwendungen aus verschiedenen Richtungen. Die europäische Arzneimittelagentur und die Kommission E führen ihn erstens als Bitterstoffdroge bei Appetitlosigkeit, dyspeptischen Beschwerden und zur Anregung des Gallenflusses - die Bitterstoffe lösen über die Zunge den Reflex aus, der Magensaft und Galle in Bewegung bringt. Und zweitens zur Anregung der Harnausscheidung und Durchspülung der Harnwege.

Die harntreibende Wirkung hat eine Besonderheit, die ihn von synthetischen Entwässerungsmitteln unterscheidet: Löwenzahn ist außerordentlich kaliumreich. Klassische Diuretika schwemmen Kalium aus, was ausgeglichen werden muss; der Löwenzahn bringt so viel davon mit, dass der Verlust weitgehend kompensiert wird. Das ist ein alter Merksatz der Phytotherapie und pharmakologisch plausibel - auch wenn es dazu keine großen Studien gibt.

Für die Leber gilt eine differenzierte Einordnung. Der Löwenzahn regt nachweislich den Gallenfluss an, und das hilft bei Völlegefühl nach fettem Essen. Die weitergehenden Versprechen - „Leberentgiftung“, „Leberreinigung“ - sind dagegen nicht belegt und beruhen auf einem Missverständnis davon, was die Leber tut. Sie entgiftet permanent von selbst und braucht dafür keine Kur. Was man sinnvoll sagen kann: Bitterstoffe unterstützen die Verdauung fetter Speisen, und mehr ist es nicht.

Ernährungsphysiologisch ist er ganz nebenbei ein ausgezeichnetes Wildgemüse: viel Vitamin A und K, Vitamin C, Kalium, Calcium, Eisen und in der Wurzel bis zu 40 Prozent Inulin - ein präbiotischer Ballaststoff, der die Darmflora füttert. Die geröstete Wurzel als Kaffee-Ersatz nutzt genau das: Beim Rösten karamellisiert das Inulin und ergibt den typischen dunklen, leicht süßlichen Geschmack.

2 AnwendungenBitterstoffdroge für Verdauung und Galle, dazu Durchspülung der Harnwege
Bis 40 %Inulin in der Wurzel - ein präbiotischer Ballaststoff
Kaliumreichgleicht den Verlust bei der Durchspülung weitgehend aus
Alles essbarBlätter, Knospen, Blüten und Wurzel

IngredientsDas steckt im Löwenzahn

Die Bitterkeit kommt von Sesquiterpenlactonen - Taraxacin, Taraxacolid und verwandte Verbindungen. Sie sind die wirksamkeitsbestimmende Gruppe für die Verdauungsanwendung und gleichzeitig der Grund, warum Menschen mit Korbblütler-Allergie vorsichtig sein sollten: Es ist dieselbe Stoffklasse wie das Helenalin der Arnika, wenn auch deutlich milder. Ihr Gehalt steigt mit dem Alter des Blattes, weshalb junge Blätter im Salat angenehm und alte kaum genießbar sind.

Für die harntreibende Wirkung sind Flavonoide und der hohe Kaliumgehalt verantwortlich - bis zu 4,5 Prozent in den Blättern, ein Spitzenwert unter den Blattgemüsen. Dazu kommen Triterpene, Phenolcarbonsäuren und in der Wurzel reichlich Inulin, dessen Anteil im Jahresverlauf stark schwankt: im Frühjahr niedrig, im Herbst bis zu vierzig Prozent. Deshalb wird die Wurzel im Herbst geerntet, das Kraut im Frühjahr.

Der weiße Milchsaft, der aus jedem Bruch austritt, enthält Kautschuk, Bitterstoffe und Triterpene. Er ist nicht giftig - die verbreitete Sorge ist unbegründet –, macht aber hartnäckige braune Flecken auf Händen und Kleidung. Bei empfindlichen Menschen kann er bei häufigem Kontakt Hautreizungen auslösen. Und eine Kuriosität am Rande: Aus dem Milchsaft des Russischen Löwenzahns wird seit einigen Jahren tatsächlich Naturkautschuk für Reifen gewonnen.

Verstärkte KombinationenWas den Löwenzahn stärker macht

Eine Pflanze, bei der Erntezeitpunkt und Pflanzenteil über Geschmack und Wirkung entscheiden.

Erntezeit

mit Kraut im Frühjahr, Wurzel im Herbst

Im Frühjahr sind die Blätter zart, im Herbst ist die Wurzel inulinreich.

Salat

mit Speck & warmem Dressing

Der französische Klassiker - Fett und Säure fangen die Bitterkeit ab.

digestion

ungesüßt vor dem Essen

Wie alle Bitterdrogen: zwanzig Minuten vorher, ohne Zucker.

Galle

mit Artischocke & Mariendistel

Die klassische Kombination für Leber und Galle.

Durchspülung

mit viel Wasser

Mindestens zwei Liter am Tag - sonst ergibt die Durchspülung keinen Sinn.

Vorrat

als gerösteter Wurzelkaffee

Wurzel klein schneiden, trocknen, dunkel rösten - hält ein Jahr.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Blätter

nicht die alten, blühenden

Ab der Blüte werden sie so bitter, dass sie kaum noch genießbar sind.

Allergie

nicht bei Korbblütler-Allergie

Die Sesquiterpenlactone können Reaktionen auslösen.

Galle

nicht bei Gallensteinen oder Gallenwegsverschluss

Gallenflussanregende Mittel sind dann ungeeignet.

Magen

nicht bei Magengeschwüren

Bitterstoffe steigern die Säureproduktion.

Durchspülung

nicht bei Herz- oder Niereninsuffizienz

Die erhöhte Trinkmenge kann dann schaden.

Standort

nicht vom Hundeweg

Er wächst überall - die Fläche muss trotzdem sauber sein.

Zu welchem GerichtWo er hingehört

  • LöwenzahnsalatJunge Blätter vor der Blüte mit warmem Speckdressing und hartem Ei.
  • Falsche KapernGeschlossene Blütenknospen in Salz, dann in Essig eingelegt.
  • LöwenzahnsirupBlüten mit Zitrone und Zucker eingekocht - „Löwenzahnhonig“.
  • LöwenzahnkaffeeWurzel im Herbst ernten, klein schneiden, trocknen, dunkel rösten.
  • Gedünstete BlätterWie Spinat in Öl mit Knoblauch - italienisch, zu Pasta und Bohnen.
  • BitterteeEin Teelöffel Wurzel mit Kraut auf 250 ml, ungesüßt vor dem Essen.
  • NierenteeMit Brennnessel und Goldrute zur Durchspülung.
  • PestoJunge Blätter mit Sonnenblumenkernen und Öl - bitterer als Basilikum.
  • BlütenpfannkuchenGanze Blütenköpfchen in Teig ausgebacken.
  • FrühjahrskurÜber zwei bis drei Wochen täglich frisches Grün oder Tee.
Faustregel: Junge Blätter vor der Blüte ernten - danach werden sie kaum noch genießbar. Die Wurzel dagegen im Herbst, wenn sie am inulinreichsten ist. Für die Verdauung ungesüßt zwanzig Minuten vor dem Essen trinken. Und bei der Durchspülung: viel Wasser dazu, sonst ist es nur ein Tee.

Als HausmittelDie Frühjahrskur

So geht’s

Löwenzahn-Brennnessel-Tee

  1. Je einen Teelöffel getrocknete Löwenzahnwurzel mit Kraut und Brennnesselblätter in eine Tasse geben.
  2. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
  3. Zwei bis drei Tassen über den Tag verteilt trinken - die erste ungesüßt etwa zwanzig Minuten vor dem Frühstück, damit der Bitterreflex greift.
  4. Dazu mindestens zwei Liter Wasser am Tag. Die Kur über zwei bis drei Wochen führen, klassisch im Frühjahr, wenn die ersten Blätter kommen.
Wofür

Als Frühjahrskur, bei Völlegefühl nach fettem Essen, bei träger Verdauung und zur Durchspülung der Harnwege. Zwei anerkannte Wirkungen greifen ineinander: die Bitterstoffe für Magen und Galle, die Flavonoide und das Kalium für die Harnausscheidung. Was diese Kur nicht ist: eine Entgiftung. Die Leber entgiftet permanent von selbst und braucht dafür keine Unterstützung - was Bitterstoffe können, ist die Verdauung fetter Speisen erleichtern, und das ist auch schon etwas.

Menge

Zwei bis drei Tassen täglich über zwei bis drei Wochen. Nicht bei Gallensteinen oder Gallenwegsverschluss, nicht bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, und nicht bei eingeschränkter Herz- oder Nierenfunktion, weil die erhöhte Trinkmenge dann schaden kann. Bei Korbblütler-Allergie zurückhaltend sein. Anhaltende Oberbauchschmerzen, Gelbfärbung der Haut, heller Stuhl oder dunkler Urin gehören ärztlich abgeklärt - das sind keine Fälle für eine Kur.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Löwenzahn ist im Ayurveda nicht klassisch vertreten, wird in der modernen Praxis aber als bitter, kühl und leicht eingeordnet: Pitta and Kapha senkend, Vata in größeren Mengen erhöhend. Als Deepana - das Verdauungsfeuer anregend - und als leberwirksames Bitterkraut würde er dort gut in die Gruppe um Kutki and Bhumyamalaki passen.

Traditional Chinese Medicine

In der chinesischen Materia Medica ist der Löwenzahn eine feste Größe: Pu Gong Ying, bitter, süß und kalt, Leber und Magen zugeordnet. Seine klassische Funktion ist das Klären von Hitze und das Ausleiten von Toxinen - eingesetzt wird er bei Abszessen, Furunkeln, geröteten Augen und, sehr prominent, bei Brustentzündungen in der Stillzeit. Interessant ist, dass die chinesische Tradition den Schwerpunkt auf Entzündungen legt, während die europäische bei Verdauung und Harnwegen bleibt - dieselbe Pflanze, zwei Blickwinkel.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Gallenwege: bei Gallensteinen, Gallenwegsverschluss oder Gallenblasenentzündung nicht anwenden.
  • Magengeschwüre: Bitterstoffe steigern die Säureproduktion und sind bei Geschwüren ungeeignet.
  • Korbblütler-Allergie: die enthaltenen Sesquiterpenlactone können Reaktionen auslösen.
  • Herz und Nieren: Durchspülungstherapien mit erhöhter Trinkmenge sind bei eingeschränkter Funktion nicht geeignet.
  • Milchsaft: nicht giftig, kann aber bei häufigem Hautkontakt reizen und macht hartnäckige Flecken.
  • Keine Entgiftungskur: die Leber entgiftet permanent von selbst - Bitterstoffe unterstützen die Verdauung, mehr nicht.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Taraxacum officinale Weber ex Wigg., radix cum herba - traditional use.
  2. Kommission E: Monographien Taraxaci radix cum herba and Taraxaci herba, Bundesanzeiger 1986.
  3. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Taraxaci radix cum herba.
  4. Schütz K, Carle R, Schieber A. Taraxacum - a review on its phytochemical and pharmacological profile. Journal of Ethnopharmacology 2006; 107(3): 313–323.
  5. USDA FoodData Central: Dandelion greens, raw - Kalium-, Vitamin-A- und Vitamin-K-Gehalt.