Eibisch (Althaea officinalis)

Familie
MalvengewächseAlthaea officinalis - nah verwandt mit der Malve
Verwendet wird
Wurzel und Blätterdie Wurzel ist die schleimstoffreichste Droge unserer Flora
Geschmack
Süßlich und milddie Wurzel schmeckt leicht nach Karamell - daher Marshmallow
Origin
Osteuropa und Vorderasienauf Salzwiesen und feuchten Standorten, bei uns selten wild
Anerkannt für
Reizhusten und MundschleimhautEMA: traditionelle Anwendung, innerlich wie zum Spülen
Wichtig
Kalt ansetzenSchleimstoffe brauchen kaltes Wasser und Zeit, keine Hitze

OriginDie Wurzel hinter dem Marshmallow

Eibisch lila Blüte

Der englische Name marshmallow ist kein Zufall: Die weiße Süßigkeit wurde ursprünglich aus dem Schleim der Eibischwurzel gemacht, aufgeschlagen mit Zucker und Eiweiß - mit der heutigen Gelatinemasse hat das nichts mehr zu tun.

Der Echte Eibisch stammt aus Osteuropa und Vorderasien und wächst wild auf feuchten, teils salzhaltigen Standorten - Salzwiesen, Gräben, Flussufer. In Mitteleuropa ist er selten und stellenweise geschützt; was arzneilich verwendet wird, kommt aus dem Anbau, vor allem aus Osteuropa. Die Pflanze wird bis zu anderthalb Meter hoch, hat samtig-filzige, graugrüne Blätter und blassrosa Blüten, die den Malven ähneln - kein Wunder, es ist dieselbe Familie.

Der botanische Name sagt schon, welchen Rang er hatte: Althaea kommt vom griechischen althaino, heilen. Bei Theophrast und Dioskurides steht er, im Capitulare Karls des Großen ist er Pflichtpflanze, in den Klostergärten war er selbstverständlich. Über zweitausend Jahre hinweg war der Eibisch das Mittel für gereizte Schleimhäute - innen wie außen –, und daran hat sich bis heute wenig geändert.

Die Verbindung zum Marshmallow ist historisch belegt: Französische Konditoren stellten im 19. Jahrhundert pâte de guimauve her, indem sie den Schleim der Eibischwurzel mit Zucker und Eiweiß aufschlugen - eine Süßigkeit, die tatsächlich als Hustenmittel für Kinder gedacht war. Als die industrielle Produktion kam, ersetzte man den aufwendigen Wurzelschleim durch Gelatine und Stärke. Übrig blieb der Name, der heute an eine Pflanze erinnert, die in der Süßigkeit längst nicht mehr vorkommt.

NutzenWas der Eibisch für dich tut

Der Eibisch ist die schleimstoffreichste Arzneipflanze unserer Flora - die Wurzel enthält bis zu zwanzig Prozent Schleimstoffe, das ist mehr als bei Malve, Spitzwegerich oder Huflattich. Die europäische Arzneimittelagentur führt ihn als traditionelle Anwendung bei trockenem Reizhusten und bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, die Kommission E hat ihn entsprechend positiv bewertet. Zusätzlich gibt es eine anerkannte Anwendung bei leichten Reizungen der Magenschleimhaut.

Der Wirkmechanismus ist der ehrlichste, den eine Heilpflanze haben kann, weil er rein physikalisch ist: Die Schleimstoffe sind langkettige Polysaccharide, die in Wasser aufquellen und eine zähe, gleitende Lösung bilden. Beim Trinken legt sich diese Lösung als dünner Film über die Rachenschleimhaut und deckt die gereizten Hustenrezeptoren ab. Der Reiz wird dadurch gedämpft, und der trockene Husten, der sich selbst unterhält, kommt zur Ruhe. Es gibt hier keine Wirkstoffdiskussion und keine unklare Studienlage - es funktioniert wie ein Schutzfilm, weil es einer ist.

Genau deshalb ist der Eibisch auch die Pflanze, auf die man bei Reizhusten ausweichen sollte, statt zu problematischeren Kräutern zu greifen: Er hat keine Pyrrolizidinalkaloide wie der Huflattich, keine Wechselwirkungen von Bedeutung und ein sehr gutes Sicherheitsprofil. Er ist für Kinder geeignet, für Schwangere und für alte Menschen. Die einzige praktische Einschränkung folgt aus dem Wirkprinzip selbst: Ein Film über der Schleimhaut kann auch die Aufnahme anderer Medikamente verzögern - deshalb ein bis zwei Stunden Abstand zu Tabletten halten.

Bis 20 %Schleimstoffe in der Wurzel - der höchste Gehalt unserer Heilpflanzen
1–2 Stundenkalt ansetzen; Hitze zerstört einen Teil der Schleimstoffe
Marshmallowdie Süßigkeit hieß nach dieser Wurzel und wurde daraus gemacht
1–2 StundenAbstand zu anderen Medikamenten einhalten

IngredientsDas steckt in der Wurzel

Die Schleimstoffe machen in der Wurzel zehn bis zwanzig Prozent aus, in den Blättern etwa sechs bis zehn. Chemisch sind es Polysaccharide - hauptsächlich Galacturonorhamnane, Arabinogalactane und Glucane –, also lange Zuckerketten, die enorm viel Wasser binden können. Sie sind nicht „Wirkstoffe“ im klassischen Sinn, weil sie nicht aufgenommen werden und nirgendwo im Körper andocken; sie wirken dort, wo sie liegen bleiben.

Daneben enthält die Wurzel rund 35 Prozent Stärke, etwa 10 Prozent Pektin, Saccharose, freie Aminosäuren wie Asparagin und Spuren von Flavonoiden und Cumarinen. Die Stärke ist der Grund für den leicht süßlichen, mehligen Geschmack. Ätherisches Öl gibt es praktisch nicht - der Eibisch riecht nach fast nichts.

Aus alldem folgt die eine Regel, die bei dieser Pflanze alles entscheidet: Kaltauszug statt Aufguss. Kochendes Wasser löst zwar auch Schleimstoffe, zerstört aber einen Teil davon und holt dafür viel Stärke heraus, die den Tee trüb und schleimig-klebrig macht. Richtig geht es so: Die geschnittene Wurzel ein bis zwei Stunden in kaltem Wasser stehen lassen, gelegentlich umrühren, abseihen und dann höchstens auf Trinktemperatur erwärmen - nie aufkochen. Der fertige Auszug ist leicht zähflüssig, mild und fast geschmacksneutral.

Verstärkte KombinationenWas den Eibisch stärker macht

Fast alles hängt hier an der Temperatur. Kalt und geduldig ist besser als heiß und schnell.

Technik

als Kaltauszug, 1–2 Stunden

Kalt ansetzen, ziehen lassen, abseihen, handwarm erwärmen - so bekommst du die Schleimstoffe vollständig.

Reizhusten

mit Malve & Spitzwegerich

Drei Schleimstoffdrogen in einer Mischung - alle drei unbedenklich, auch für Kinder.

Nacht

mit Honey

Für nächtlichen Reizhusten bei Kindern ab einem Jahr gut untersucht - ein Löffel vor dem Schlafen.

Hals

als Gurgel- und Spüllösung

Bei wunder Mundschleimhaut und nach Zahnbehandlungen - der Film schützt die gereizte Stelle.

Magen

mit chamomile

Bei gereizter Magenschleimhaut: Eibisch legt den Schutzfilm, Kamille entkrampft und wirkt entzündungshemmend.

Sirup

mit Zucker oder Honig

Eibischsirup haftet länger im Rachen als Tee - deshalb ist die Sirupform bei Husten oft wirksamer.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Technik

nicht heiß aufgießen

Kochendes Wasser zerstört einen Teil der Schleimstoffe und löst Stärke - der Tee wird trüb und kann weniger.

Medikamente

nicht gleichzeitig mit Tabletten

Der Schleimfilm kann die Aufnahme anderer Wirkstoffe verzögern - ein bis zwei Stunden Abstand.

Vorrat

nicht lange stehen lassen

Der fertige Kaltauszug ist ein guter Nährboden für Keime - frisch zubereiten, Reste im Kühlschrank und innerhalb eines Tages verbrauchen.

diabetes

nicht den gezuckerten Sirup ohne Rechnung

Eibischsirup enthält viel Zucker - bei Diabetes in die Tagesmenge einrechnen oder die Teeform wählen.

Erwartung

nicht bei produktivem Husten

Bei festsitzendem Schleim braucht es lösende Kräuter wie Thymian oder Fenchel - Eibisch dämpft, statt zu lösen.

Length of time

nicht als Dauertee ohne Grund

Bei Husten über zwei Wochen ist nicht die Dosis das Problem, sondern die fehlende Abklärung.

ApplicationWie er verwendet wird

  • KaltauszugZwei Teelöffel geschnittene Wurzel auf 250 ml kaltes Wasser, ein bis zwei Stunden, dann handwarm.
  • Hustentee-MischungEibischwurzel, Malvenblätter und Spitzwegerich zu gleichen Teilen, kalt angesetzt.
  • EibischsirupKaltauszug mit Zucker oder Honig einkochen - haftet länger im Rachen als Tee.
  • GurgellösungDerselbe Kaltauszug bei wunder Mundschleimhaut und nach Zahnbehandlungen.
  • Magenschutz-TeeMit Kamille kombiniert bei gereizter Magenschleimhaut, eine halbe Stunde vor dem Essen.
  • KinderhustenDie Pflanze der Wahl bei Reizhusten von Kindern - mild, sicher, ohne Alkohol.
  • Eibischwurzel zum KauenTraditionell Kleinkindern beim Zahnen gegeben - heute wegen Verschluckungsgefahr nicht mehr empfohlen.
  • BlätterauszugDie Blätter wirken gleich, enthalten aber weniger Schleimstoffe als die Wurzel.
  • UmschlagStarker Auszug auf ein Tuch - traditionell bei gereizter, trockener Haut.
  • GartenpflanzeAuf feuchtem, nährstoffreichem Boden in voller Sonne - eine schöne, hohe Staude.
Faustregel: Kalt ansetzen, ein bis zwei Stunden warten, dann nur handwarm erwärmen - das ist der ganze Trick, und fast jeder macht es falsch. Wenn der fertige Auszug leicht zähflüssig durch den Löffel läuft, ist er richtig. Und immer ein bis zwei Stunden Abstand zu anderen Medikamenten halten.

Als HausmittelDer Kaltauszug

So geht’s

Eibischwurzel bei trockenem Reizhusten

  1. Zwei gehäufte Teelöffel geschnittene Eibischwurzel in eine Tasse oder ein Glas geben und mit 250 ml kaltem Wasser übergießen.
  2. Ein bis zwei Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen und zwischendurch zwei- bis dreimal umrühren - das Wasser wird spürbar zähflüssiger.
  3. Durch ein feines Sieb abseihen und auf dem Herd oder im Wasserbad nur auf Trinktemperatur erwärmen. Nicht aufkochen.
  4. Langsam in kleinen Schlucken trinken, bis zu drei Tassen über den Tag. Bei nächtlichem Husten die letzte Portion direkt vor dem Schlafen.
Wofür

Bei trockenem, kitzelndem Reizhusten, kratzigem Hals und gereizter Mundschleimhaut. Der Schleim legt sich als dünner Film über die Schleimhaut und dämpft die Rezeptoren, die den Hustenreiz auslösen. Das ist eine der wenigen Anwendungen, bei denen man den Mechanismus vollständig erklären kann - und bei denen nichts schöngeredet werden muss. Für Kinder, Schwangere und ältere Menschen ist Eibisch die sicherste Wahl bei Reizhusten.

Menge

Bis zu drei Tassen täglich, so lange der Reizhusten dauert. Ein bis zwei Stunden Abstand zu anderen Medikamenten, weil der Schleimfilm deren Aufnahme verzögern kann. Den Auszug frisch zubereiten und Reste nicht länger als einen Tag aufbewahren. Husten über zwei Wochen, mit Fieber, Atemnot oder blutigem Auswurf gehört ärztlich abgeklärt.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Eibisch ist im Ayurveda nicht klassisch vertreten, seine Eigenschaften entsprechen dort aber einer sehr bekannten Kategorie: süß, schleimig, kühl und befeuchtend - also Vata and Pitta besänftigend, Kapha erhöhend. Für trockene Zustände, trockenen Husten und gereizte Schleimhäute ist das genau die richtige Richtung; bei verschleimtem, feuchtem Husten wäre es die falsche. Ayurvedische Entsprechungen mit ähnlichem Profil sind Süßholz und Bala.

Traditional Chinese Medicine

In der chinesischen Materia Medica fehlt der Eibisch, aber die Denkfigur ist vertraut: Er wäre ein süßes, kühles Mittel, das Yin nährt und Trockenheit befeuchtet - in der Nachbarschaft von Kräutern wie Mai Men Dong oder Bai He, die klassisch bei trockenem Husten und trockener Kehle eingesetzt werden. Auch dort gilt: Befeuchtende Mittel sind bei feuchtem, verschleimtem Husten ungeeignet.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Medikamentenaufnahme: der Schleimfilm kann die Resorption anderer Arzneimittel verzögern - ein bis zwei Stunden Abstand halten.
  • Zubereitung: nicht heiß aufgießen; Hitze zerstört einen Teil der Schleimstoffe und macht den Auszug trüb.
  • Haltbarkeit: fertigen Kaltauszug frisch verwenden und nicht länger als einen Tag aufbewahren.
  • Diabetes: Eibischsirup enthält viel Zucker - in die Tagesmenge einrechnen oder die Teeform wählen.
  • Falscher Husten: bei festsitzendem, produktivem Husten sind lösende Kräuter wie Thymian oder Fenchel die bessere Wahl.
  • Kein Ersatz: Husten über zwei Wochen, mit Fieber, Atemnot oder blutigem Auswurf gehört ärztlich abgeklärt.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Althaea officinalis L., radix - traditional use bei Reizhusten und leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
  2. Kommission E: Monographie Althaeae radix (Eibischwurzel), Bundesanzeiger 1989.
  3. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Althaeae radix.
  4. Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographie Althaeae radix - Bestimmung des Quellungsvermögens als Qualitätsmaß.
  5. Fink C, Schmidt M, Kraft K. Marshmallow root extract for the treatment of irritative cough. Complementary Medicine Research 2018; 25(5): 299–305.