OriginDas Kraut der Wurstmacher

In Deutschland ist Majoran das Wurstkraut - ohne ihn schmeckt Leberwurst nicht nach Leberwurst, und die Thüringer Bratwurst hat ihn sogar in ihrer geschützten Rezeptur.
Der Majoran stammt aus Vorderasien und Zypern und ist ein Halbstrauch des warmen, trockenen Mittelmeerklimas. In Mitteleuropa ist er nicht winterhart und wird deshalb einjährig kultiviert - das unterscheidet ihn deutlich vom verwandten Oregano, der bei uns als mehrjährige Staude problemlos überwintert. Wer Majoran im Topf hat, muss ihn jedes Jahr neu säen oder hell und frostfrei überwintern.
Botanisch ist er eine eigene Art aus derselben Gattung wie der Oregano: Origanum majorana neben Origanum vulgare. Die beiden werden ständig verwechselt oder für austauschbar gehalten, und das ist ein Irrtum. Majoran schmeckt süßlich, weich, blumig, mit einer kampferartigen Tiefe; Oregano herb, pfeffrig, kantig. In der Küche sind sie so wenig austauschbar wie Zimt und Nelke.
Seine deutsche Karriere verdankt er der Wurst. In der Fleischerei ist Majoran das Standardgewürz für Leberwurst, Grützwurst und viele Brühwürste; die Thüringer Rostbratwurst führt ihn in ihrer geschützten geografischen Spezifikation. Dazu kommt seine zweite große Domäne: Kartoffelgerichte - Kartoffelsuppe, Bratkartoffeln, Kartoffelpuffer. Der Volksname Wurstkraut sagt alles, und in manchen Gegenden heißt er auch Bratenkräutel oder Wohlgemut - Letzteres allerdings verwirrenderweise auch für den Dost.
NutzenWas der Majoran für dich tut
Auch hier die klare Aussage zuerst: Für Majorankraut gibt es keine anerkannte arzneiliche Anwendung. Weder die europäische Arzneimittelagentur noch die Kommission E führen eine positive Monographie. Was überliefert ist - verdauungsfördernd, blähungstreibend, krampflösend, beruhigend, bei Schnupfen - beruht auf Erfahrung und nicht auf Studien. Das ist keine Abwertung, aber es gehört an den Anfang.
Was nachvollziehbar funktioniert, ist dasselbe wie beim Beifuß, nur über einen anderen Weg: Majoran enthält Bitterstoffe und ätherisches Öl, und beides zusammen regt die Verdauung an und wirkt leicht krampflösend im Magen-Darm-Bereich. Deshalb ist er in der deutschen Küche genau dort gelandet, wo es schwer und fett wird - Leberwurst, Kartoffelgerichte, Eintöpfe, Bohnen. Das ist ein guter Grund, ihn großzügig zu verwenden, auch ohne jede Heilwirkung.
Eine traditionelle Anwendung verdient eine eigene Einordnung, weil sie noch immer weitergegeben wird: die Majoransalbe oder Majoranbutter bei verstopfter Nase von Säuglingen. Sie wurde früher unter die Nase gerieben. Heute wird davon abgeraten - nicht wegen des Majorans selbst, sondern weil ätherische Öle im Gesichtsbereich von Säuglingen grundsätzlich problematisch sind. Was bei einem verstopften Babynäschen tatsächlich hilft, ist Kochsalzlösung als Tropfen oder Spray, ausreichend Flüssigkeit und feuchte Raumluft.
Bleibt der Küchenwert, und der ist beträchtlich. Majoran ist eines der wenigen Kräuter, die getrocknet besser sind als frisch - wie beim Oregano werden beim Trocknen gebundene Aromastoffe freigesetzt. Das macht ihn zum verlässlichen Vorratsgewürz, und es erklärt, warum in fast jedem deutschen Gewürzregal ein Glas Majoran steht, auch bei Menschen, die sonst nie mit Kräutern kochen.
IngredientsDas steckt im Kraut
Das ätherische Öl macht ein bis drei Prozent aus. Anders als beim Oregano dominieren hier nicht Carvacrol und Thymol, sondern cis-Sabinenhydrat and Terpinen-4-ol - und genau das erklärt den ganz anderen Geschmack: weich, süßlich, blumig statt scharf und pfeffrig. Terpinen-4-ol kennt man außerdem als Hauptbestandteil des Teebaumöls, was den leicht medizinischen Unterton des Majorans erklärt.
Dazu kommen Gerbstoffe (bis zu acht Prozent), Rosmarinsäure und weitere Phenolcarbonsäuren, Flavonoide und Bitterstoffe. Die Bitterstoffe sind für die verdauungsfördernde Wirkung verantwortlich, die Rosmarinsäure für einen guten Teil der antioxidativen Werte - Majoran gehört wie Oregano zu den antioxidativ stärksten Küchengewürzen.
Warum er getrocknet intensiver wird, ist dieselbe Besonderheit wie beim Oregano: Ein Teil der Aromastoffe liegt gebunden als geruchlose Glykoside vor und wird beim Trocknen enzymatisch freigesetzt. Für die Küche heißt das: Getrockneter Majoran ist keine Notlösung, sondern die bessere Wahl - vorausgesetzt, die Ware ist nicht überlagert. Nach etwa einem Jahr im offenen Glas ist der größte Teil des Öls verflogen; gute Ware riecht beim Zerreiben zwischen den Fingern sofort deutlich.
Verstärkte KombinationenWas den Majoran stärker macht
Ein Gewürz für Schweres und Deftiges - und eines, das Hitze verträgt.
Das klassische Einsatzgebiet - ohne Majoran schmeckt Leberwurst nicht nach Leberwurst.
Die zweite große Domäne in der deutschen Küche.
Bitterstoffe und ätherisches Öl machen schwere Eintöpfe bekömmlicher.
Getrockneten Majoran vor dem Zugeben zwischen den Handflächen zerreiben.
Anders als zarte Kräuter verträgt er lange Garzeiten und gibt langsam ab.
Die mitteleuropäische Standardkombination für Schweres.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Zwei verschiedene Arten mit ganz verschiedenem Geschmack - sie ersetzen einander nicht.
Ätherische Öle gehören nicht ins Gesicht von Säuglingen - Kochsalzlösung ist die richtige Antwort.
Es gibt keine anerkannte arzneiliche Anwendung.
Nach etwa einem Jahr ist das meiste Öl weg - dann riecht er beim Zerreiben nicht mehr.
Er ist kräftig und passt zu Deftigem, nicht zu zartem Fisch oder Gemüse.
Majoran ist nicht winterhart - im Topf hell und frostfrei halten oder neu säen.
Zu welchem GerichtWo er hingehört
- LeberwurstDas Standardgewürz - ohne ihn fehlt der charakteristische Ton.
- KartoffelsuppeDer deutsche Klassiker, oft zusammen mit Majoran und Liebstöckel.
- BratkartoffelnZum Schluss über die Pfanne gestreut.
- Thüringer BratwurstIn der geschützten Rezeptur namentlich genannt.
- BohneneintopfMit Bohnenkraut und Kümmel - für Bekömmlichkeit und Geschmack.
- HackbratenIm Fleischteig, zusammen mit Zwiebel und Ei.
- Gefüllte GansNeben Beifuß das zweite traditionelle Füllungsgewürz.
- ErbsensuppeMit Majoran und Thymian - deftig und rund.
- KräuterbutterGetrocknet in weiche Butter gerührt - ungewöhnlich, aber gut.
- Griechische KücheDort heißt er matzourana und kommt in Salate und zu Fleisch.
Als HausmittelDas Gewürz für Deftiges
Majoran-Kümmel-Mischung für schwere Gerichte
- Zwei Teile getrockneten Majoran und einen Teil ganze Kümmelkörner mischen. Den Kümmel dabei im Mörser kurz anquetschen, damit er sein Öl freigibt.
- In ein kleines, dunkles Glas füllen und trocken lagern; innerhalb von etwa sechs Monaten verbrauchen, danach lässt das Aroma spürbar nach.
- Vor dem Zugeben eine Prise zwischen den Handflächen zerreiben - die Wärme und die mechanische Reibung setzen die Aromastoffe frei.
- In Bohnen- und Linseneintöpfe, Kartoffelgerichte, Kohl und fette Bratengerichte geben; bei Schmorgerichten früh, bei Kartoffelpfannen zum Schluss.
Für alles Schwere, Fette und Blähende - Hülsenfrüchte, Kohl, Kartoffeln, fettes Fleisch. Was hier wirkt, ist eine Kombination, die die deutsche Küche über Jahrhunderte gefunden hat: Die Bitterstoffe des Majorans regen Magensaft und Gallenfluss an, das ätherische Öl wirkt leicht krampflösend, und der Kümmel ist bei Blähungen sogar ausdrücklich anerkannt. Das ist keine Heilanwendung, sondern gute Küche - aber sie hat einen nachvollziehbaren Grund.
In der Küche nach Bedarf, meist ein halber bis ein Teelöffel pro Topf. Unbedenklich in üblichen Mengen und für alle Altersgruppen. Nicht als Nasensalbe für Säuglinge - ätherische Öle gehören nicht ins Gesicht von Babys; bei verstopfter Nase sind Kochsalztropfen, ausreichend Flüssigkeit und feuchte Raumluft die richtige Antwort. Bei Lippenblütler-Allergie zuerst eine kleine Menge testen.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Der Majoran ist im Ayurveda nicht vertreten. Nach seinen Eigenschaften eingeordnet wäre er scharf, bitter und leicht erwärmend, dabei weicher als der Oregano: Kapha and Vata senkend, Pitta in größeren Mengen erhöhend. Als Gewürz für schwere, kalte, träge Verdauung würde er dort gut passen - eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.
Traditional Chinese Medicine
Auch in der chinesischen Materia Medica fehlt er. Nach seinem Charakter wäre er ein scharf-aromatisches, warmes Kraut, das Feuchtigkeit umwandelt und die Mitte wärmt - in der Nachbarschaft der aromatischen Gewürzdrogen, die dort bei Völlegefühl durch Feuchtigkeit und bei schwacher Verdauung eingesetzt werden. Die eigentliche Heimat dieser Pflanze ist die europäische und vorderasiatische Küche.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Keine anerkannte Anwendung: für Majorankraut gibt es keine positive Monographie - die Anwendung beruht auf Tradition.
- Säuglinge: keine Majoransalbe oder -butter im Gesichtsbereich von Babys - ätherische Öle gehören dort nicht hin.
- Lippenblütler-Allergie: selten, aber möglich - bei bekannter Empfindlichkeit gegen Thymian oder Oregano vorsichtig testen.
- Schwangerschaft: als Gewürz unproblematisch; auf konzentriertes ätherisches Öl und Kuren verzichten.
- Verwechslung: Majoran und Oregano sind verschiedene Arten mit verschiedenem Geschmack - sie ersetzen einander nicht.
- Vorrat: überlagerte Ware riecht beim Zerreiben nicht mehr und bringt geschmacklich nichts.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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SourcesWorauf sich das stützt
- Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Majoranae herba - Inhaltsstoffe und Bewertung der traditionellen Anwendung.
- Leitsätze für Fleisch und Fleischerzeugnisse, Deutsches Lebensmittelbuch - zur Verwendung von Majoran in Wurstwaren.
- Shan B et al. Antioxidant capacity of 26 spice extracts and characterization of their phenolic constituents. Journal of Agricultural and Food Chemistry 2005; 53(20): 7749–7759.
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Hinweise zur Anwendung ätherischer Öle im Gesichtsbereich von Säuglingen und Kleinkindern.
- Verordnung (EU) zur geschützten geografischen Angabe „Thüringer Rostbratwurst“ - Nennung von Majoran in der Spezifikation.


