OriginDas Kraut des Achilles

Der Sage nach behandelte Achilles mit ihr die Wunden seiner Krieger vor Troja - daher Achillea, und daher Volksnamen wie Soldatenkraut und Blutstillkraut.
Die Schafgarbe wächst auf Wiesen, Weiden, Böschungen, Wegrändern und in Rasenflächen in ganz Europa, Asien und Nordamerika - eine der häufigsten Pflanzen überhaupt. Sie ist außerordentlich anpassungsfähig: Sie verträgt Trockenheit, Tritt und häufigen Schnitt und kommt auf mageren wie auf fetten Böden zurecht. Ihre fein zerteilten Blätter sehen aus wie winzige Federn und haben ihr den Artnamen millefolium - Tausendblatt - eingebracht; die weißen bis rosa Blütendolden sind eigentlich viele kleine Körbchen, dicht gedrängt wie ein Schirm.
Die Verwendung bei Wunden ist so alt wie ihr Name. Achilles soll sie vom Zentauren Chiron gelernt haben; archäologisch ist Schafgarbe schon in neolithischen Fundschichten nachgewiesen. Volksnamen wie Soldatenkraut, Blutstillkraut, Zimmermannskraut and yarrow - Letzteres, weil Schafe sie gern fressen - zeigen die Bandbreite. In der Frauenheilkunde war sie über Jahrhunderte eines der wichtigsten Kräuter; eine alte Regel lautete: „Wer Schafgarbe in seinem Garten hat, braucht keinen Frauenarzt“ - was heute natürlich niemand mehr so sagen würde.
Sie ist außerdem eine der klassischen Zeigerpflanzen im biologisch-dynamischen Landbau und eine ausgezeichnete Bienenweide. Im Garten gilt sie als Nachbarschaftshelferin: Sie zieht Schwebfliegen und Florfliegen an, deren Larven Blattläuse fressen. Und ein praktisches Detail für Sammler: Die Blätter sind schon im zeitigen Frühjahr zu erkennen, lange bevor sie blüht - die feine Fiederung ist unverwechselbar.
NutzenWas die Schafgarbe für dich tut
Die Schafgarbe vereint zwei Wirkprinzipien, und das macht ihre Breite aus. Sie enthält Bitterstoffe wie der Enzian und ein ätherisches Öl mit Azulenen wie die Kamille - Bitterkeit trifft Krampflösung. Die europäische Arzneimittelagentur und die Kommission E führen sie entsprechend bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden, bei krampfartigen Beschwerden im Unterbauch im Zusammenhang mit der Regel, sowie äußerlich als Sitzbad bei schmerzhaften Krampfzuständen im kleinen Becken.
Für die Verdauung gilt dasselbe wie bei allen Bitterdrogen: ungesüßt, zwanzig Minuten vor dem Essen. Die Bitterstoffe regen Speichel, Magensaft und Gallenfluss an; das ätherische Öl wirkt zusätzlich krampflösend und blähungstreibend. Sie ist damit eine der wenigen Pflanzen, die sowohl bei Appetitlosigkeit als auch bei Krämpfen passt - bei den meisten muss man sich entscheiden.
Die Frauenheilkunde ist die zweite Säule und die traditionsreichere. Bei krampfartigen Regelbeschwerden wird sie innerlich als Tee und äußerlich als Sitzbad eingesetzt. Belastbare klinische Studien dazu gibt es nicht; was es gibt, ist ein plausibler Mechanismus - die Azulene und Flavonoide wirken krampflösend auf glatte Muskulatur - und sehr lange Erfahrung. Ehrlich eingeordnet: Das ist eine traditionelle Anwendung, und was bei Regelschmerzen am besten belegt ist, bleibt lokale Wärme.
Die dritte, älteste Anwendung ist die Blutstillung bei kleinen Wunden. Die Gerbstoffe ziehen zusammen, und das Kraut wurde jahrhundertelang zerquetscht auf Schnitte gelegt. Für kleine Alltagsverletzungen ist das unproblematisch, arzneilich anerkannt ist es heute nicht. Was es an belegten äußerlichen Anwendungen gibt, ist das Sitzbad - und dort ist die Wärme wieder ein wesentlicher Teil der Wirkung.
IngredientsDas steckt im Kraut
Das ätherische Öl macht 0,2 bis 1 Prozent aus und enthält je nach Herkunft Proazulene - Vorstufen, aus denen bei der Wasserdampfdestillation das tiefblaue Chamazulen entsteht, genau wie bei der Kamille. Nicht alle Schafgarbenherkünfte bilden sie: Die Sammelart Achillea millefolium umfasst mehrere Chromosomenrassen, und nur die tetraploiden und hexaploiden Formen sind proazulenhaltig. Deshalb ist arzneiliche Ware daraufhin geprüft, während Wildsammlung eine Lotterie ist. Weitere Ölbestandteile sind Cineol, Campher, Sabinen und Borneol.
Die zweite wichtige Gruppe sind die Sesquiterpenlactone - Achillicin, Millefin und verwandte Verbindungen. Sie sind die Bitterstoffe der Pflanze und für die Verdauungswirkung verantwortlich. Gleichzeitig sind sie der Grund für zwei Warnhinweise: Sie können bei Korbblütler-Allergikern Reaktionen auslösen, und sie sind an der sogenannten Wiesendermatitis beteiligt - einer Hautentzündung, die entsteht, wenn Pflanzensaft auf die Haut kommt und diese anschließend der Sonne ausgesetzt wird.
Dazu kommen Flavonoide (Apigenin, Luteolin), Gerbstoffe, Phenolcarbonsäuren und Alkamide. Die Gerbstoffe erklären die blutstillende und zusammenziehende Wirkung auf Wundflächen. Für die Zubereitung gilt: zugedeckt ziehen lassen, weil das ätherische Öl flüchtig ist - und für die Verdauungsanwendung ungesüßt, damit die Bitterstoffe ihren Reflex auslösen können.
Verstärkte KombinationenWas die Schafgarbe stärker macht
Ein Kraut mit zwei Richtungen - und für jede eine eigene Anwendungsregel.
Wie alle Bitterdrogen: zwanzig Minuten vorher, ohne Zucker.
Wärmflasche auf den Unterbauch - die am besten belegte Maßnahme bei Regelschmerzen.
Hundert Gramm Kraut auf zwei Liter, zwanzig Minuten ziehen, ins Sitzbad.
Drei krampflösende Pflanzen, die sich gut ergänzen.
Wenn es um Völlegefühl nach fettem Essen geht.
Das ätherische Öl ist flüchtig - zehn Minuten zugedeckt ziehen lassen.
Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen
Schafgarbe gehört zu den häufigeren Auslösern in dieser Familie.
Die Kombination kann eine Wiesendermatitis auslösen - nach dem Sammeln Hände waschen.
Traditionell als uteruswirksam eingestuft - in der Schwangerschaft verzichten.
Zucker blockiert den Bitterreflex.
Nur ein Teil der Sippen ist proazulenhaltig - für arzneiliche Zwecke geprüfte Ware.
Bei tieferen oder stark blutenden Wunden gehört Druckverband und Arzt dazu.
ApplicationWie sie verwendet wird
- SchafgarbenteeZwei Teelöffel auf 250 ml, zugedeckt zehn Minuten, ungesüßt vor dem Essen.
- FrauenteeMit Himbeerblättern und Frauenmantel in den Tagen um die Regel.
- SitzbadHundert Gramm Kraut auf zwei Liter Wasser, zwanzig Minuten ziehen, dann ins Sitzbad.
- MagenteeMit Kamille und Melisse bei krampfendem, gereiztem Magen.
- Leber-Galle-TeeMit Löwenzahn bei Völlegefühl nach fettem Essen.
- WundauflageDie historische Anwendung - zerquetschtes Kraut auf kleine Schnitte.
- Junge BlätterIm Frühjahr in kleiner Menge im Wildkräutersalat - deutlich bitter.
- KräuterlikörSchafgarbe ist Bestandteil vieler traditioneller Magenbitter.
- GartenstaudeEine hervorragende Insektenweide und Nützlingsanlockerin.
- ZeigerpflanzeIm biologisch-dynamischen Landbau eines der Präparatekräuter.
Als HausmittelDas Sitzbad
Schafgarben-Sitzbad bei Unterleibskrämpfen
- Etwa hundert Gramm getrocknetes Schafgarbenkraut in einen großen Topf geben und mit zwei Litern kochendem Wasser übergießen.
- Zugedeckt zwanzig Minuten ziehen lassen, dann abseihen - der Aufguss wird durch die Azulene leicht grünlich-blau schimmern.
- Den Aufguss in eine Sitzbadewanne oder die Badewanne geben und mit warmem Wasser auf etwa 37 Grad und eine Höhe bis zum Bauchnabel auffüllen.
- Zehn bis fünfzehn Minuten darin sitzen, danach abtrocknen, warm anziehen und eine halbe Stunde ruhen. Bei Bedarf jeden zweiten Tag wiederholen.
Bei krampfartigen Beschwerden im Unterbauch, besonders rund um die Regel. Die Kommission E hat das Schafgarben-Sitzbad für genau diese Anwendung positiv bewertet. Ehrlich dazu: Ein erheblicher Teil der Wirkung kommt aus der Wärme - für lokale Wärme bei Regelschmerzen gibt es kontrollierte Studien, die eine Wirksamkeit ähnlich leichter Schmerzmittel zeigen. Die Azulene und Flavonoide der Schafgarbe kommen dazu; sie sind plausibel, aber nicht einzeln belegt. Das macht das Sitzbad nicht schlechter - es erklärt nur, warum es hilft.
Zehn bis fünfzehn Minuten, bei Bedarf jeden zweiten Tag in den betreffenden Tagen. Nicht bei Korbblütler-Allergie, nicht in der Schwangerschaft, nicht bei akuten Entzündungen im Beckenbereich mit Fieber. Sitzbäder belasten den Kreislauf - bei Herzerkrankungen und niedrigem Blutdruck vorsichtig und mit niedrigerer Temperatur. Sehr starke, zunehmende oder neu aufgetretene Unterleibsschmerzen gehören gynäkologisch abgeklärt; dahinter kann eine Endometriose oder eine Entzündung stecken.
Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen
Ayurveda
Die Schafgarbe ist im Ayurveda nicht klassisch vertreten. Nach ihren Eigenschaften eingeordnet wäre sie bitter, scharf und herb, kühl und trocknend: Pitta and Kapha senkend, Vata in größeren Mengen erhöhend. Als blutstillendes und verdauungsanregendes Kraut würde sie dort in die Nachbarschaft der bitteren Adstringentien fallen. Eine Einordnung nach Prinzip, keine Überlieferung.
Traditional Chinese Medicine
In der chinesischen Kultur hat die Schafgarbe eine ganz eigene Rolle, allerdings nicht als Arznei: Die getrockneten Stängel von Achillea-Arten sind seit der Zhou-Zeit das klassische Orakelmedium des I Ging - 50 Schafgarbenstängel werden dabei nach einem festen Verfahren geteilt und ausgezählt. Arzneilich ist sie in der Materia Medica nur randständig als Yi Zhi Hao geführt. Nach ihrem Charakter wäre sie ein bitteres, kühles Kraut, das Hitze klärt und Blutstase bewegt.
WarnhinweiseWann du aufpassen solltest
Bitte beachten
- Korbblütler-Allergie: die Schafgarbe gehört zu den häufigeren Auslösern in dieser Familie - bei bekannter Empfindlichkeit meiden.
- Wiesendermatitis: Pflanzensaft auf der Haut plus Sonnenlicht kann eine Hautentzündung auslösen - nach dem Sammeln Hände waschen.
- Schwangerschaft: traditionell als uteruswirksam eingestuft - auf Kurmengen und Sitzbäder verzichten.
- Gallenwege: bei Gallensteinen oder Gallenwegsverschluss ist die gallenflussanregende Wirkung ungeeignet.
- Sitzbäder: belasten den Kreislauf - bei Herzerkrankungen und niedrigem Blutdruck vorsichtig.
- Abklärung: starke oder neu aufgetretene Unterleibsschmerzen gehören gynäkologisch untersucht.
Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.
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SourcesWorauf sich das stützt
- EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Achillea millefolium L., herba - traditional use bei dyspeptischen Beschwerden und krampfartigen Unterleibsbeschwerden.
- Kommission E: Monographie Millefolii herba/flos (Schafgarbenkraut und -blüten), Bundesanzeiger 1990 - innerlich und als Sitzbad.
- Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Millefolii herba - Proazulene und Chromosomenrassen.
- Akin MD et al. Continuous low-level topical heat in the treatment of dysmenorrhea. Obstetrics & Gynecology 2001; 97(3): 343–349.
- Paulsen E. Contact sensitization from Compositae-containing herbal remedies and cosmetics. Contact Dermatitis 2002; 47(4): 189–198.


