Minze (Mentha piperita)

Familie
Lippenblütlerdie Gattung Mentha mit rund 30 Arten und unzähligen Hybriden
Verwendet wird
Das frische Blattfür Tee, Küche und Getränke - je nach Art sehr verschieden
Geschmack
Von kühl bis süßPfefferminze durch Menthol kühl, Grüne Minze durch Carvon weich
Origin
Europa und Asienan Gewässern und feuchten Stellen; heute weltweit kultiviert
Wichtig
Nicht jede Minze ist gleichGrüne Minze enthält kein Menthol - das ändert alles
Im Garten
Ausläufernur im Topf oder mit Wurzelsperre pflanzen

OriginEine Gattung, viele Charaktere

Frische Minzblätter Nahaufnahme

Was im Supermarkt einfach „Minze“ heißt, kann zwei völlig verschiedene Pflanzen meinen - und wer die falsche kauft, wundert sich, warum der Tee nicht schmeckt wie im Urlaub.

Die Gattung Mentha umfasst etwa dreißig Arten und eine schwer überschaubare Zahl von Hybriden und Sorten. Minzen kreuzen sich außerordentlich leicht, und weil sie sich zusätzlich über Ausläufer vermehren, entstehen ständig neue Formen - deshalb ist Minze aus Samen fast immer eine Überraschung, und deshalb werden gute Sorten ausschließlich über Stecklinge und Wurzelteilung weitergegeben.

Die drei wichtigsten für Küche und Tasse: Die peppermint (Mentha × piperita) ist selbst ein Bastard - eine Kreuzung aus Wasserminze und Grüner Minze, die im 17. Jahrhundert in England entdeckt wurde. Sie enthält Menthol, den Stoff, der auf der Zunge und in der Nase kühlt, und ist die Arzneiform. Die Grüne Minze oder Spearmint (Mentha spicata) enthält kein nennenswertes Menthol, sondern Carvon - sie schmeckt weicher, süßlicher, fast an Kaugummi erinnernd, und kühlt kaum. Und die Marokkanische Minze (Mentha spicata var. crispa) ist eine Sorte der Grünen Minze und damit die Pflanze für den nordafrikanischen Tee.

Daneben gibt es die Ackerminze (Mentha arvensis), aus der das meiste industrielle Menthol gewonnen wird; die Wasserminze an Bachufern; die Poleiminze, die früher als Abtreibungsmittel diente und wegen ihres giftigen Pulegons heute nicht mehr verwendet wird; sowie Duftsorten wie Ananasminze, Erdbeerminze und Schokominze, die hübsch riechen, aber wenig Aroma in die Tasse bringen. Für die arzneiliche Anwendung - Reizdarm, Krämpfe, Kopfschmerz - ist die Pfefferminze zuständig; sie hat auf dieser Website eine eigene Seite.

NutzenWas die Minze für dich tut

Was eine Minze kann, hängt fast vollständig davon ab, welche Minze es ist. Die peppermint ist die medizinisch relevante: Ihr Menthol wirkt krampflösend auf die glatte Muskulatur des Darms, weshalb magensaftresistent verkapseltes Pfefferminzöl bei Reizdarm eine anerkannte und gut untersuchte Anwendung ist; äußerlich auf die Schläfen aufgetragen hat es bei Spannungskopfschmerz in Studien ähnlich abgeschnitten wie Paracetamol. Das alles steht ausführlich auf der Pfefferminzseite.

Die Grüne Minze und ihre Verwandten sind dagegen in erster Linie Genussmittel - und das ist keine Abwertung. Carvon wirkt ebenfalls leicht krampflösend und verdauungsfördernd, aber deutlich milder als Menthol. Was sie dafür können: Sie sind bekömmlicher für Menschen, denen Pfefferminze auf den Magen schlägt oder Sodbrennen macht, und sie sind für Kinder die bessere Wahl, weil kein Menthol im Spiel ist. Der marokkanische Minztee mit Grüntee und viel Zucker ist ein Verdauungsritual, das nach schwerem Essen tatsächlich hilft - über Wärme, Flüssigkeit und ein mildes Aroma.

Ein Punkt, der bei aller Minzbegeisterung untergeht: Menthol ist nicht für jeden gut. Es entspannt auch den Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen und kann dadurch Sodbrennen verstärken - bei Refluxbeschwerden ist Pfefferminze also eher ungünstig, und Grüne Minze die sinnvollere Alternative. Und für Säuglinge und Kleinkinder gilt eine harte Grenze: Mentholhaltige Zubereitungen gehören nicht ins Gesicht oder in die Nähe der Atemwege, weil sie einen Atemstillstand auslösen können.

Kein Mentholin der Grünen Minze - dort sorgt Carvon für den Geschmack
Ein Bastarddie Pfefferminze ist eine Kreuzung aus Wasser- und Grüner Minze
Nur Stecklingeaus Samen gezogene Minze wird selten das, was man wollte
Ausläuferim Beet übernimmt sie in zwei Jahren die Fläche - Topf oder Wurzelsperre

IngredientsDas steckt in der Minze

Der ganze Unterschied zwischen den Minzen steckt in einer chemischen Weggabelung. Alle bilden zunächst dieselbe Vorstufe; dann entscheidet ein Enzym, ob daraus Menthol entsteht - wie bei Pfefferminze und Ackerminze - oder Carvon, wie bei Grüner Minze und ihren Sorten. Menthol aktiviert einen Kälterezeptor in der Haut und auf den Schleimhäuten; man spürt buchstäblich Kälte, wo keine ist. Carvon tut das nicht - deshalb schmeckt Spearmint aromatisch, aber nicht kühl.

Der Ölgehalt schwankt stark: Pfefferminzblätter enthalten ein bis drei Prozent ätherisches Öl mit 35 bis 55 Prozent Menthol, Grüne Minze etwa 0,5 bis ein Prozent mit 50 bis 70 Prozent Carvon. Dazu kommen bei allen Minzen Flavonoide, Rosmarinsäure, Gerbstoffe und Bitterstoffe - Letztere sind der Grund, warum Minztee bitter wird, wenn man ihn zu lange ziehen lässt.

Eine Art verdient eine Warnung: Die Poleiminze (Mentha pulegium) enthält Pulegon, das lebertoxisch ist und in der Volksmedizin als Abtreibungsmittel eingesetzt wurde - mit tödlichen Vergiftungen. Sie ist heute als Lebensmittel und Tee nicht mehr zulässig, taucht aber gelegentlich in alten Rezepten und auf Pflanzenmärkten auf. Wenn eine Minze streng, fast stechend riecht und nicht angenehm minzig, ist Vorsicht angebracht.

Verstärkte KombinationenWas die Minze stärker macht

Frisch, kurz und kalt - Minze ist ein Kraut, das man schnell verliert, wenn man es zu gut meint.

Sorte

mit der richtigen Art

Marokkanischer Tee braucht Grüne Minze, Magentee Pfefferminze - die Wahl ist wichtiger als alles andere.

Grüntee

mit Gunpowder & Zucker

Der nordafrikanische Klassiker: Grüntee kurz aufgießen, dann Minze und Zucker - dreimal aufgießen, von hoch oben.

Joghurt

mit Joghurt & Gurke

Raita, Tzatziki, Ayran: Milchsäure und Minze sind eine der ältesten Kombinationen überhaupt.

Lamm

mit Lamm & Zitrone

Von der englischen Minzsauce bis zum griechischen Hackfleisch - Minze schneidet durch fettes Fleisch.

Kalt

in kaltem Wasser & Limonade

Bei Zimmertemperatur gibt Minze ihr Aroma langsam und ohne Bitterkeit ab - besser als heißer Aufguss.

Technik

durch Klatschen statt Hacken

Für Drinks die Blätter zwischen den Handflächen einmal anschlagen - das löst das Aroma, ohne Bitterstoffe freizusetzen.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Zeit

nicht zu lange ziehen lassen

Nach fünf bis sieben Minuten kommen die Gerbstoffe - der Tee wird bitter und verliert die Frische.

Garten

nicht frei ins Beet

Minze verbreitet sich über unterirdische Ausläufer und verdrängt in zwei Jahren die Nachbarn - Topf oder Wurzelsperre.

Reflux

nicht Pfefferminze bei Sodbrennen

Menthol entspannt den Schließmuskel zur Speiseröhre - bei Reflux lieber Grüne Minze.

Säuglinge

nicht Menthol bei kleinen Kindern

Mentholhaltige Zubereitungen können bei Säuglingen und Kleinkindern einen Atemstillstand auslösen - nicht ins Gesicht, nicht auf die Brust.

Art

nicht die Poleiminze

Sie enthält lebertoxisches Pulegon und ist als Tee nicht mehr zulässig.

Küche

nicht mitkochen

Wie alle ätherisch-öligen Frischkräuter verliert Minze beim Kochen sofort ihren Charakter.

Zu welchem GerichtWo sie hingehört

  • Marokkanischer MinzteeGrüntee, Grüne Minze und Zucker - dreimal aus der Höhe in die Gläser gegossen.
  • TaboulehDer libanesische Salat lebt von Petersilie und Minze, nicht vom Bulgur.
  • RaitaJoghurt mit Minze, Gurke und geröstetem Kreuzkümmel - zu allem Scharfen.
  • MojitoBlätter anklatschen statt zerstoßen, Limette, Rohrzucker, Rum, Soda.
  • Erbsen mit MinzeDie englische Kombination: junge Erbsen, Butter, frische Minze.
  • LammhackMit Minze, Zwiebel und Zimt - von Griechenland bis in den Libanon.
  • MinzsauceGehackte Minze in Essig und Zucker - der britische Klassiker zum Lamm.
  • MinzwasserEin paar Zweige in kaltem Wasser, zwei Stunden im Kühlschrank.
  • Schokolade und MinzeSchokominze im Dessert oder ein paar Blätter in die heiße Schokolade.
  • MinzpestoMit Pistazien, Olivenöl und Pecorino - zu Lamm und gegrilltem Gemüse.
Faustregel: Beim Kauf auf die Art achten: Für den Urlaubstee brauchst du Grüne oder Marokkanische Minze, für Magen und Kopf die Pfefferminze. Im Garten immer in den Topf - Minze kennt keine Grenzen. Für Tee nicht länger als fünf Minuten ziehen lassen, sonst wird sie bitter, und für Drinks die Blätter nur anklatschen, nie zerstoßen.

Als HausmittelDer Tee nach dem Essen

So geht’s

Marokkanischer Minztee

  1. Einen gehäuften Teelöffel Gunpowder-Grüntee in eine Kanne geben, mit wenig heißem Wasser (etwa 80 Grad) übergießen, einmal schwenken und dieses erste Wasser abgießen - das nimmt die Bitterkeit.
  2. Die Kanne mit 500 ml heißem Wasser auffüllen und zwei bis drei Minuten ziehen lassen.
  3. Eine große Handvoll frische Grüne oder Marokkanische Minze mitsamt Stielen hineindrücken und Zucker nach Geschmack zugeben - traditionell reichlich.
  4. Weitere zwei Minuten ziehen lassen, dann aus etwa dreißig Zentimetern Höhe in die Gläser gießen, zurück in die Kanne und noch einmal - das belüftet den Tee und macht den Schaum.
Wofür

Nach schwerem oder fettem Essen, bei Völlegefühl und einfach als Ritual. Was hier wirkt, ist eine Kombination aus Wärme, Flüssigkeit, mildem Carvon und der Tatsache, dass man sich hinsetzt und Zeit nimmt. Das ist kein Arzneimittel und will keines sein - die anerkannte Verdauungswirkung liegt bei der Pfefferminze, hier geht es um Genuss mit angenehmem Nebeneffekt.

Menge

So viel du magst - bedenk nur den Zucker, der traditionell reichlich ist, und das Koffein aus dem Grüntee am Abend. Wer Pfefferminze statt Grüner Minze nimmt, bekommt einen anderen, kühleren Tee, der bei Sodbrennen ungünstig sein kann. Mentholhaltige Zubereitungen sind nichts für Säuglinge und Kleinkinder.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Minze ist im Ayurveda unter dem Namen Pudina gut eingeführt und wird als scharf, bitter und kühlend eingeordnet - Pitta senkend trotz der Schärfe, was sie zu einer Besonderheit macht, und verdauungsanregend (Deepana). Sie wird bei Übelkeit, Blähungen, Kopfschmerzen und bei hitzigen Zuständen eingesetzt, oft als Chutney mit Koriander und Limette zu schweren Speisen.

Traditional Chinese Medicine

In der TCM ist die Minze als Bo He (Mentha haplocalyx) eine feste Größe: scharf und kühl, den Funktionskreisen Lunge und Leber zugeordnet. Sie klärt Wind-Hitze bei beginnender Erkältung mit Halsschmerzen, lässt Hautausschläge „durchbrechen“ und bewegt stagniertes Leber-Qi bei Reizbarkeit und Druck im Brustkorb. Ein Detail aus der Praxis: Bo He wird immer erst ganz zum Schluss mitgekocht, weil das Aroma sonst verloren geht - dieselbe Regel wie in der Küche.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Säuglinge und Kleinkinder: mentholhaltige Zubereitungen können einen Atemstillstand auslösen - nicht ins Gesicht, nicht auf Brust oder Nase.
  • Sodbrennen und Reflux: Menthol entspannt den Schließmuskel zur Speiseröhre und kann Beschwerden verstärken - Grüne Minze ist dann die bessere Wahl.
  • Poleiminze: enthält lebertoxisches Pulegon und ist als Tee nicht zugelassen - nicht verwenden.
  • Ätherisches Öl: reines Pfefferminzöl nie unverdünnt auf Haut oder Schleimhaut und nicht einnehmen.
  • Gallenwege: bei Gallensteinen und Gallenwegsverschluss sind mentholhaltige Zubereitungen ungeeignet.
  • Ziehzeit: zu langes Ziehen macht den Tee bitter und gerbstoffreich - fünf Minuten genügen.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

Passend zum ThemaWeiterlesen und mitkochen

Shop-Links führen zu unseren Produktseiten; dort ist gekennzeichnet, wenn ein Partner beteiligt ist.

SourcesWorauf sich das stützt

  1. EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Mentha × piperita L., folium and aetheroleum.
  2. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographien Menthae piperitae folium and Menthae piperitae aetheroleum.
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung: Bewertung von Pulegon und Menthofuran in Lebensmitteln - Hinweise zur Poleiminze.
  4. Europäisches Arzneibuch (Ph. Eur.): Monographie Menthae piperitae aetheroleum - Gehaltsgrenzen für Menthol, Menthon und Pulegon.
  5. USDA FoodData Central: Spearmint, fresh and Peppermint, fresh.