Krause Glucke (Sparassis crispa)

Wissenschaftlich
Sparassis crispaKrause-Glucken-Verwandte (Sparassidaceae)
Aussehen
Wie ein Badeschwammoder ein riesiger Blumenkohl
Wirt
Kieferam Stammfuß oder auf Wurzeln
Speisewert
Sehr gutnussig, mit fester Struktur
Beta-Glucane
Außergewöhnlich hocheiner der höchsten Werte unter Speisepilzen
Aufwand
Putzen dauertNadeln und Sand stecken in jeder Falte

OriginDer Badeschwamm am Kiefernfuß

Krause Glucke

Ein cremeweißes, kopfgroßes Gebilde aus tausend Falten - wer sie zum ersten Mal sieht, hält sie nicht für einen Pilz.

Sparassis crispa bildet einen kugeligen Fruchtkörper von zehn bis vierzig Zentimetern Durchmesser, der aus zahlreichen welligen, bandförmigen, cremeweißen bis blassgelben Lappen besteht, die alle von einem gemeinsamen, im Boden steckenden Strunk ausgehen. Das Ergebnis sieht aus wie ein Badeschwamm, ein Blumenkohl oder eine zerknüllte Nudelportion - in jedem Fall wie nichts anderes im Wald.

Sie wächst am Stammfuß oder auf den Wurzeln von Kiefern, seltener anderer Nadelbäume, und ist ein Schwächeparasit, der eine Braunfäule im Wurzelholz verursacht. Ein Fundort trägt oft über mehrere Jahre in Folge - wer eine Glucke findet, kann im nächsten Jahr an derselben Kiefer nachsehen. Die Saison reicht von August bis in den November.

Der Name Glucke kommt vermutlich von der Ähnlichkeit mit einer sitzenden Henne. Regional heißt sie auch Fette Henne oder Krause Henne. Sie ist in Mitteleuropa nicht selten, wird aber von vielen Sammlern übersehen oder nicht erkannt, weil sie so wenig nach Pilz aussieht. Dabei ist sie einer der wenigen Speisepilze, bei denen eine Verwechslung praktisch ausgeschlossen ist - die ähnliche Breitblättrige Glucke ist ebenfalls essbar.

NutzenEin Speisepilz mit ungewöhnlicher Beta-Glucan-Dichte

Die Krause Glucke ist ein Lebensmittel ohne arzneiliche Ansprüche. Was sie unter den Speisepilzen heraushebt, ist ihr Gehalt an Beta-Glucanen: Untersuchungen finden Werte, die deutlich über denen der meisten anderen Speisepilze liegen - teils über vierzig Prozent der Trockenmasse. Das hat ihr in Japan und Korea Aufmerksamkeit als Vitalpilz eingebracht, und sie wird dort kultiviert und als Extrakt verkauft.

Beta-Glucane binden an Rezeptoren von Immunzellen und lösen im Labor messbare Reaktionen aus - das ist bei allen Pilzen so und bei der Krausen Glucke wegen des hohen Gehalts besonders ausgeprägt. Es gibt Tierversuche zu immunmodulierenden und antitumoralen Effekten sowie kleine japanische Studien. Kontrollierte Humanstudien mit klinischen Endpunkten fehlen. Wie bei allen Vitalpilzen gilt: Ein hoher Gehalt an einer im Labor aktiven Substanz ist kein Wirksamkeitsnachweis.

Für den Alltag ist die Glucke deshalb vor allem eines: ein hervorragender Speisepilz. Ihr Geschmack ist angenehm nussig mit einer leichten Süße, die Struktur fest und bissig, und sie behält beim Garen ihre Form. Sie lässt sich braten, schmoren, panieren und - anders als der Pfifferling - auch gut trocknen.

Eine praktische Beobachtung zum Schluss: Weil sie an Kiefern wächst und ihre Falten die Nadelstreu einsammeln, ist sie beim Putzen aufwendig wie kein zweiter Pilz. Das ist der Hauptgrund, warum sie in der Küche unterschätzt wird - nicht der Geschmack. Wer sich die halbe Stunde Putzarbeit nimmt, wird belohnt.

bis 40 cmDurchmesser eines Fruchtkörpers
über 40 %Beta-Glucan-Anteil der Trockenmasse
Aug. - Nov.Saison in Mitteleuropa
mehrere Jahreträgt derselbe Fundort in Folge

IngredientsWarum das Putzen so lange dauert

Der Fruchtkörper besteht aus Hunderten dünner, welliger Lappen, die dicht ineinander verschachtelt sind. Genau diese Struktur macht ihn zu einer perfekten Falle für Kiefernnadeln, Sand, Rindenstückchen und gelegentlich kleine Insekten. Ein großer Fruchtkörper kann eine halbe Stunde Putzarbeit bedeuten.

Der effizienteste Weg: Die Glucke bereits im Wald am Strunk abschneiden und grob ausschütteln, kopfüber. Zu Hause in einzelne Lappen zerteilen - dabei fällt schon viel heraus - und diese kurz in stehendes Wasser tauchen und schwenken. Anders als bei den meisten Pilzen ist Wässern hier vertretbar, weil das feste Fleisch kaum Wasser aufnimmt. Danach gut abtropfen und trockentupfen.

Chemisch bemerkenswert sind neben den Beta-Glucanen - vor allem einem als Sparan bezeichneten Glucan - die üblichen Pilzbestandteile: Protein, Ballaststoffe, Ergosterol, Kalium. Der Beta-Glucan-Gehalt ist der Grund, warum die Glucke in Japan als Hanabiratake kultiviert und beforscht wird; sie ist dort ein etabliertes Zuchtprodukt.

Zur Bestimmung: Verwechslungen sind praktisch ausgeschlossen. Die Breitblättrige Glucke Sparassis brevipes wächst an Laubbäumen und Tannen und hat breitere, weniger krause Lappen - sie ist ebenfalls essbar, aber zäher. Ähnliche Korallenpilze der Gattung Ramaria sehen ganz anders aus: Sie sind aufrecht verzweigt wie eine Koralle, nicht blättrig-kraus. Die Krause Glucke ist damit einer der sichersten Anfängerpilze überhaupt.

Verstärkte KombinationenWas mit ihr geht

Sie ist fest, nussig und formstabil - das eröffnet Zubereitungen, die mit anderen Pilzen nicht funktionieren.

Braten

Glucke + Butter und hohe Hitze

In Stücke zerteilt kräftig gebraten, bis die Ränder bräunen. Sie behält dabei ihre Struktur.

Panieren

Glucke + Panade

Größere Stücke paniert und gebraten - eine der besten Zubereitungen, weil die Struktur an Schnitzel erinnert.

Schmoren

Glucke + Schmorgericht

Anders als die meisten Pilze zerfällt sie beim langen Garen nicht.

Trocknen

Glucke + Dörrgerät

Sie lässt sich gut trocknen und rehydriert brauchbar - anders als der Pfifferling.

Suppe

Glucke + klare Brühe

Als Einlage mit Biss; die Lappen behalten Form.

Putzen

Glucke + im Wald ausschütteln

Kopfüber kräftig ausschütteln, bevor sie in den Korb kommt. Das spart zu Hause die Hälfte der Arbeit.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Putzen

Glucke + schlampig gesäubert

Kiefernnadeln zwischen den Zähnen ruinieren das beste Pilzgericht. Hier lohnt die Sorgfalt.

Alter

Glucke + alte, gelbliche Exemplare

Ältere werden zäh und bitter. Junge, cremeweiße Fruchtkörper sind die besseren.

Erwartung

Glucke + Vitalpilz-Versprechen

Der hohe Beta-Glucan-Gehalt ist real, kontrollierte Humanstudien gibt es nicht. Sie ist ein Speisepilz.

Standort

Glucke + Ernte am lebenden Baum

Sie schädigt die Kiefer ohnehin, aber ein Fundort trägt mehrere Jahre - schonend ernten, den Strunk stehen lassen.

Roh

Glucke + roh gegessen

Wie alle Pilze gehört sie gegart.

Gerinnung

Vitalpilzextrakte + Antikoagulanzien

Für mehrere Pilzextrakte sind Effekte auf die Thrombozytenfunktion beschrieben.

In der KücheEin unterschätzter Speisepilz

  • GebratenIn Stücke zerteilt, kräftig in Butter gebraten mit Knoblauch.
  • PaniertGrößere Stücke paniert - die Struktur erinnert an Schnitzel.
  • SchmorgerichtSie zerfällt beim langen Garen nicht.
  • RahmsauceZu Knödeln und Spätzle, mit deutlich mehr Biss als andere Pilze.
  • SuppeAls Einlage in klaren Brühen.
  • SalatKurz gebraten und abgekühlt, mit Essig-Öl und Schalotten.
  • GetrocknetTrocknet gut und rehydriert brauchbar.
  • EingefrorenVorgebraten einfrieren.
  • EingelegtIn Essig-Öl-Marinade - behält Biss.
  • Junge nehmenCremeweiße Fruchtkörper; gelbliche sind zäh und bitter.
Faustregel: Schüttel sie schon im Wald kopfüber kräftig aus, bevor sie in den Korb kommt. Die Kiefernnadeln, die du dort loswirst, musst du zu Hause nicht einzeln aus den Falten pulen - und das ist bei diesem Pilz der einzige echte Nachteil.

Als HausmittelDie Putzmethode

So geht’s

Krause Glucke säubern

  1. Schon beim Fund: Die Glucke am Strunk abschneiden, kopfüber halten und kräftig ausschütteln oder gegen den Handrücken klopfen. Ein großer Teil der Nadeln fällt dabei heraus.
  2. Zu Hause den erdigen Strunk großzügig abschneiden und wegwerfen.
  3. Den Fruchtkörper mit den Händen in einzelne Lappen zerteilen - nicht schneiden, sondern auseinanderziehen. Dabei fallen weitere Nadeln und Sandkörner heraus.
  4. Die Lappen portionsweise in eine Schüssel mit stehendem Wasser tauchen und kräftig schwenken. Das feste Fleisch saugt kaum Wasser, anders als bei den meisten Pilzen.
  5. Das Wasser wechseln und den Vorgang wiederholen, bis am Boden der Schüssel kein Sand mehr liegt. Meist braucht es zwei bis drei Durchgänge.
  6. Gut abtropfen lassen und mit einem Tuch trockentupfen, dann wie gewohnt braten. Rechne mit einer halben Stunde für einen großen Fruchtkörper - sie lohnt sich.
Wofür

Als hervorragender Speisepilz mit fester Struktur und nussigem Geschmack. Ihr hoher Beta-Glucan-Gehalt ist bemerkenswert, aber kein belegter Nutzen.

Menge

Als Lebensmittel nach Belieben, gut durchgegart. Für Extraktpräparate gibt es keine geprüfte Dosierungsempfehlung.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Krause Glucke ist im Ayurveda nicht vertreten. Sie ist ein europäisch-nordasiatischer Waldpilz, dessen Karriere als Vitalpilz in Japan begann und erst in den letzten Jahrzehnten einsetzte.

Traditional Chinese Medicine

In der klassischen chinesischen Materia medica fehlt Sparassis crispa. In Japan wird sie als Hanabiratake - „Blütenblattpilz“ - kultiviert und beforscht; die Zucht gelang erst in den 1990er Jahren, und die medizinische Beachtung ist entsprechend jung. In modernen ostasiatischen Quellen wird sie als süß und neutral beschrieben, mit Bezug zu Milz und Lunge. Das ist eine nachträgliche Einordnung eines modernen Produkts, keine überlieferte Tradition.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Gründlich putzen: Kiefernnadeln und Sand stecken in jeder Falte. Ein halbherzig geputzter Fruchtkörper ruiniert das Gericht.
  • Nur junge Exemplare: Ältere, gelbliche Glucken werden zäh und bitter.
  • Immer durchgaren: Wie alle Pilze gehört sie vollständig gegart.
  • Kein belegter Vitalpilz-Nutzen: Der hohe Beta-Glucan-Gehalt ist real; kontrollierte Humanstudien mit klinischen Endpunkten fehlen.
  • Schonend ernten: Ein Fundort trägt mehrere Jahre. Den Strunk im Boden lassen.
  • Pilzallergie: Allergische Reaktionen auf Speisepilze sind möglich.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. Kimura T.: Natural products and biological activity of the pharmacologically active cauliflower mushroom Sparassis crispa. BioMed Research International 2013.
  2. Ohno N. et al.: Antitumor beta-glucan from the cultured fruit body of Sparassis crispa. Biological and Pharmaceutical Bulletin 2000.
  3. Deutsche Gesellschaft für Mykologie: Bestimmungsmerkmale von Sparassis-Arten.
  4. Gerhardt E.: Der große BLV Pilzführer für unterwegs.
  5. Grienke U. et al.: European medicinal polypores and related fungi - a modern view on traditional uses. Journal of Ethnopharmacology 2014.