Maca (Lepidium meyenii)

Botanischer Name
Lepidium meyeniiKreuzblütler (Brassicaceae)
Verwendeter Teil
Knollebotanisch ein verdickter Hypokotyl
Leitstoffe
Macamide und Glucosinolatekeine Hormone
Einstufung
Lebensmittelkeine Arzneimonographie
Anbau
3800 - 4500 meine der höchstwachsenden Kulturpflanzen
Wichtig
Immer gekochtroh ist sie traditionell nicht üblich

OriginDie Pflanze der Puna

Wurzelpulver auf Löffeln

Auf 4000 Metern, wo Frost, Sturm und UV-Strahlung fast alles verhindern, wächst Maca - und nur dort wird sie traditionell angebaut.

Lepidium meyenii ist ein niedriger Kreuzblütler, verwandt mit Kresse, Radieschen und Senf, der eine rübenartige Knolle von etwa drei bis fünf Zentimetern Durchmesser bildet. Botanisch ist diese Knolle kein Wurzelgemüse im engeren Sinn, sondern ein verdicktes Hypokotyl - dasselbe Prinzip wie beim Radieschen. Die Blätter liegen in einer flachen Rosette am Boden, was bei Sturm und Frost der einzig sinnvolle Wuchs ist.

Ihr Anbaugebiet ist die Puna der zentralperuanischen Anden, vor allem die Hochebene von Junín auf 3800 bis 4500 Metern. Dort herrschen Bedingungen, unter denen kaum eine Kulturpflanze existiert: nächtlicher Frost fast das ganze Jahr, starke Winde, intensive UV-Strahlung und magere Böden. Maca ist eine der am höchsten angebauten Kulturpflanzen der Welt, und der Anbau ist auf solchen Flächen oft die einzige landwirtschaftliche Nutzungsmöglichkeit.

Die Nutzung ist alt: Archäologische Funde deuten auf einen Anbau seit mindestens zweitausend Jahren. In der Inka-Zeit war Maca ein geschätztes Nahrungs- und Handelsgut; spanische Chronisten berichten, dass die Knolle den Tieren und Menschen der Hochebene Fruchtbarkeit verleihen sollte - eine Beobachtung, die vermutlich schlicht damit zu tun hatte, dass eine nahrhafte Kulturpflanze in der Höhe den Unterschied zwischen Mangel und Auskommen ausmachte. Der westliche Boom begann in den 1990er Jahren und hat den Anbau stark ausgeweitet; inzwischen wird Maca auch in China angebaut, was in Peru zu erheblichen Konflikten geführt hat.

NutzenKleine Studien, große Versprechen

Für Maca gibt es keine EMA-Monographie und keine Bewertung der Kommission E. Es ist in der EU ein Lebensmittel beziehungsweise ein Nahrungsergänzungsmittel. Untersucht wurde vor allem eine Frage: Beeinflusst Maca sexuelle Funktion und Libido?

Die Antwort ist ein vorsichtiges „vielleicht, aber die Daten reichen nicht“. Ein systematischer Review fand mehrere kleine randomisierte Studien, in denen Maca das subjektiv berichtete sexuelle Verlangen bei gesunden Männern verbesserte, sowie eine Studie zu antidepressiva-bedingter sexueller Funktionsstörung mit positivem Signal. Die Autoren kamen zu dem Schluss, die Evidenz sei begrenzt und die Studien zu klein und methodisch zu schwach für eine Empfehlung. Studien zu Spermienparametern zeigten in einzelnen Arbeiten Zunahmen von Spermienzahl und Beweglichkeit - ebenfalls klein und nicht ausreichend repliziert.

Ein zweiter untersuchter Bereich sind Wechseljahresbeschwerden. Auch hier gibt es einige kleine placebokontrollierte Studien mit Verbesserungen von Beschwerdescores, und auch hier lautet die Zusammenfassung der Übersichtsarbeiten, dass die Datenlage für eine Empfehlung nicht ausreicht. Wichtig ist der Mechanismus - oder besser: dass er unbekannt ist. Maca enthält keine Phytoöstrogene und keine steroidalen Hormone; mehrere Untersuchungen fanden unter Maca keine Veränderung von Hormonspiegeln. Das ist ein bemerkenswerter Befund: Wenn ein Effekt existiert, läuft er nicht über den Weg, den die Werbung suggeriert.

Was bleibt, ist ein nahrhaftes Wurzelgemüse mit einem interessanten Nährstoffprofil - Kohlenhydrate, etwa zehn Prozent Protein, Ballaststoffe, Eisen, Calcium - und einer ungeklärten Frage. Wer Maca probieren will, kann das tun; es ist ein Lebensmittel mit langer Verwendungsgeschichte und einem guten Sicherheitsprofil. Wer es als Potenzmittel oder Hormonersatz angeboten bekommt, sollte wissen, dass beides über die Faktenlage hinausgeht.

3800 - 4500 mAnbauhöhe in der peruanischen Puna
ca. 10 %Proteingehalt der getrockneten Knolle
1,5 - 3 gTagesmenge Pulver in den meisten Studien
7 - 9 MonateWachstumsdauer bis zur Ernte

IngredientsMacamide, Senfölglykoside und drei Farben

Die für Maca charakteristischen Inhaltsstoffe sind die Macamide - Fettsäureamide, die in dieser Form nur in dieser Pflanze gefunden wurden - sowie Macaene. Sie gelten als die pharmakologisch interessantesten Bestandteile, und Extrakte werden teilweise auf sie standardisiert. Was sie im Körper tun, ist nicht geklärt; es gibt Tierversuche, aber keine Aufklärung des Mechanismus beim Menschen.

Als Kreuzblütler enthält Maca außerdem Glucosinolate - Senfölglykoside, dieselbe Stoffgruppe wie in Senf, Kresse und Kohl. Sie sind für den typisch scharf-erdigen Geruch verantwortlich und werden beim Zerkleinern zu Isothiocyanaten umgesetzt. Diese Stoffgruppe ist der Grund für einen praktischen Hinweis, der oft fehlt: Glucosinolate können in größeren Mengen die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen. Bei ausreichender Jodversorgung ist das unproblematisch; bei bestehendem Jodmangel oder Schilddrüsenerkrankung ist es ein Grund für Zurückhaltung.

Traditionell wird Maca nie roh verzehrt. In Peru wird die Knolle nach der Ernte in der Sonne getrocknet, dann gekocht, geröstet oder zu Brei verarbeitet. Das hat gute Gründe: Rohe Maca ist schwer verdaulich, und Kochen oder die sogenannte Gelatinierung - ein Verfahren, bei dem die Stärke unter Druck und Hitze aufgeschlossen wird - verbessert die Verträglichkeit erheblich. „Gelatinierte Maca“ auf einer Packung meint genau das und hat mit Gelatine nichts zu tun.

Es gibt Farbvarianten: gelbe Maca ist die häufigste und mildeste, rote und schwarze sind seltener und werden teurer gehandelt. In der Vermarktung werden ihnen unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben - schwarze Maca für Männer, rote für die Prostata und für Frauen. Es gibt dazu einige Tierversuche, aber keine Humanstudien, die diese Zuordnungen stützen. Wer den Aufpreis zahlt, kauft eine Hypothese.

Verstärkte KombinationenMaca im Alltag

Maca ist ein Lebensmittel, und so lässt es sich am sinnvollsten einsetzen - als nahrhaftes Pulver mit erdigem Geschmack, nicht als Präparat mit Versprechen.

Verarbeitung

Maca + gelatinierte Form

Die aufgeschlossene Form ist deutlich besser verträglich als rohes Pulver. Wer Maca probiert und Blähungen bekommt, sollte zuerst hier ansetzen.

Geschmack

Maca + Kakao und Banane

Der Geschmack ist erdig-malzig mit einer leichten Senfnote. Kakao und Banane fangen das gut ab - die verbreitetste Verwendung im Smoothie.

Breakfast

Maca + Haferbrei

Ein Teelöffel ins Porridge gerührt; passt geschmacklich zu Zimt und Nüssen.

Backen

Maca + Gebäck

In Keksen und Riegeln mitverbacken - ein malziger Ton, der gut zu Schokolade passt.

Dosierung

Maca + langsam beginnen

Mit einem halben Teelöffel anfangen und steigern. Der häufigste Anfängerfehler ist eine zu große Menge auf einmal, mit Blähungen als Folge.

Peru

Maca + Herkunftsangabe

Der traditionelle Anbau in der Puna von Junín ist an eine Region und an lokale Erzeuger gebunden. Herkunftsangaben sind hier ein sinnvolles Kriterium.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Schilddrüse

Maca + Jodmangel oder Schilddrüsenerkrankung

Als Kreuzblütler enthält Maca Glucosinolate, die in größeren Mengen die Jodaufnahme hemmen können. Bei Schilddrüsenerkrankung oder bekanntem Jodmangel zurückhaltend sein.

Erwartung

Maca + Hormonersatz

Maca enthält keine Hormone und keine Phytoöstrogene, und Studien fanden keine Veränderung der Hormonspiegel. Als Hormonersatz ist es weder gedacht noch geeignet.

Roh

Maca + rohes Pulver in großen Mengen

Traditionell wird Maca nie roh verzehrt. Rohes Pulver ist schwerer verdaulich und führt häufiger zu Blähungen und Bauchbeschwerden.

Farben

Maca + Aufpreis für rot oder schwarz

Die unterschiedlichen Wirkungen der Farbvarianten sind durch Humanstudien nicht belegt. Der Aufpreis kauft eine Hypothese.

Diagnose

Maca + Erektionsstörungen

Erektile Dysfunktion ist häufig ein Frühzeichen von Gefäßerkrankungen oder Diabetes. Sie gehört abgeklärt, nicht mit einem Pulver behandelt.

Schwangerschaft

Maca + Schwangerschaft und Stillzeit

Als Lebensmittel in üblichen Mengen unproblematisch; zu konzentrierten Präparaten in dieser Zeit fehlen Daten.

Zu welchem GerichtWie Maca verwendet wird

  • SmoothieEin Teelöffel mit Banane, Kakao und Milch - die verbreitetste Verwendung.
  • PorridgeIns Haferfrühstück gerührt, mit Zimt und Nüssen.
  • MazamorraDer traditionelle peruanische Brei aus gekochter Maca mit Milch und Zucker.
  • Chicha de macaEin traditionelles peruanisches Getränk aus gekochter, fermentierter Maca.
  • EnergieriegelMit Datteln, Nüssen und Kakao verarbeitet.
  • GebäckIn Keksen und Muffins; der malzige Ton passt zu Schokolade.
  • GelatiniertDie aufgeschlossene Form - besser verträglich als rohes Pulver.
  • Langsam steigernMit einem halben Teelöffel beginnen, über eine Woche steigern.
  • MorgensViele Anwender berichten von einem anregenden Effekt - abends deshalb eher nicht.
  • OriginPeruanische Puna-Herkunft ist ein sinnvolles Auswahlkriterium.
Faustregel: Fang mit einem halben Teelöffel an. Der häufigste Grund, warum Menschen Maca nach einer Woche wieder absetzen, sind Blähungen - und die kommen fast immer davon, dass zu viel rohes Pulver auf einmal genommen wurde. Gelatinierte Maca und eine langsame Steigerung lösen das Problem meistens.

Als HausmittelDer Einstieg

So geht’s

Maca im Morgenshake

  1. Vorher prüfen: keine bekannte Schilddrüsenerkrankung, kein diagnostizierter Jodmangel. Als Kreuzblütler enthält Maca Glucosinolate, die in größeren Mengen die Jodaufnahme beeinflussen können.
  2. Gelatiniertes Maca-Pulver wählen, nicht rohes - die aufgeschlossene Form ist deutlich besser verträglich.
  3. Mit einem halben Teelöffel beginnen: in einen Shake aus Banane, Kakao und Milch oder Pflanzendrink gerührt.
  4. Über ein bis zwei Wochen auf ein bis zwei Teelöffel täglich steigern, wenn es gut vertragen wird. Das entspricht etwa 1,5 bis 3 g, der in Studien üblichen Größenordnung.
  5. Morgens einnehmen - viele Anwender berichten von einem anregenden Effekt, der abends stören kann.
  6. Nach vier bis sechs Wochen Bilanz ziehen. Passiert nichts Spürbares, ist eine höhere Dosis nicht die Antwort. Bei Blähungen oder Bauchbeschwerden Menge reduzieren oder absetzen.
Wofür

Als nahrhaftes Nahrungsergänzungsmittel mit langer Verwendungsgeschichte. Untersucht wurden vor allem Libido und Wechseljahresbeschwerden - mit positiven Signalen, aber ohne ausreichende Evidenz für eine Empfehlung.

Menge

1,5 bis 3 g Pulver täglich, wie in den meisten Studien. Es gibt keine behördlich geprüfte Dosierungsempfehlung. Bei Schilddrüsenerkrankung zurückhaltend; in Schwangerschaft und Stillzeit bei üblichen Lebensmittelmengen bleiben.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Maca ist eine südamerikanische Pflanze und im Ayurveda nicht vertreten. Die Kategorie, in die sie in der westlichen Vermarktung gestellt wird - kräftigend, fruchtbarkeitsfördernd –, entspricht dort den Vajikarana-Mitteln, mit Ashwagandha, Shatavari and Kapikacchu als klassischen Vertretern. Dass Maca heute im selben Regal steht wie diese Pflanzen, ist eine Zusammenfassung des Marktes, nicht eine gemeinsame Tradition.

Traditional Chinese Medicine

Auch in der chinesischen Materia medica fehlt Lepidium meyenii klassisch. Interessant ist die jüngere Entwicklung: China baut inzwischen selbst Maca in Yunnan an, und die Pflanze wird dort in moderne Anwendungen aufgenommen - beschrieben als warm und süß, das Nieren-Yang stärkend, was der Kategorie entspricht, in der auch Ginseng und Bockshornklee stehen. Der peruanische Anbau hat unter dieser Konkurrenz stark gelitten, und der Streit um Saatgut und Herkunft ist bis heute nicht beigelegt.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Schilddrüse: Als Kreuzblütler enthält Maca Glucosinolate, die in größeren Mengen die Jodaufnahme hemmen können. Bei Schilddrüsenerkrankung oder Jodmangel zurückhaltend sein.
  • Kein Hormonpräparat: Maca enthält keine Hormone und keine Phytoöstrogene; Studien fanden keine Veränderung der Hormonspiegel. Als Hormonersatz ungeeignet.
  • Erektionsstörungen abklären lassen: Sie sind häufig ein Frühzeichen von Gefäßerkrankungen oder Diabetes. Das gehört untersucht, nicht überdeckt.
  • Roh schlecht verträglich: Traditionell wird Maca immer gekocht oder aufgeschlossen. Rohes Pulver führt häufiger zu Blähungen.
  • Keine geprüfte Dosierung: Es gibt keine Monographie und keine behördliche Dosierungsempfehlung.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Für konzentrierte Präparate fehlen Daten; bei üblichen Lebensmittelmengen bleiben.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. Shin B.-C. et al.: Maca (Lepidium meyenii) for improving sexual function: a systematic review. BMC Complementary and Alternative Medicine 2010.
  2. Gonzales G.F.: Ethnobiology and ethnopharmacology of Lepidium meyenii, a plant from the Peruvian highlands. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2012.
  3. Lee M.S. et al.: Maca for treatment of menopausal symptoms: a systematic review. Maturitas 2011.
  4. Wang S., Zhu F.: Chemical composition and health effects of maca. Food Chemistry 2019.
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung: Hinweise zu goitrogenen Substanzen in Kreuzblütlern.