Passionsblume (Passiflora incarnata)

Familie
PassionsblumengewächsePassiflora incarnata - die Fleischfarbene, nicht die blaue Zierform
Verwendet wird
Das Krautoberirdische Teile zur Blütezeit geschnitten
Geschmack
Mild und heuartigunauffällig - gut mischbar mit anderen Kräutern
Origin
Südosten der USAdort heimisch; heute weltweit angebaut
Anerkannt für
Nervöse UnruheEMA und Kommission E - bei Anspannung und Einschlafproblemen
Nicht verwechseln
Mit der ZierpflanzeP. caerulea am Gartenzaun ist eine andere Art

OriginDie Blume der Passion

Passionsblume lila Nahaufnahme

Spanische Missionare sahen in der Blüte die Leidensgeschichte Christi: die Dornenkrone im Strahlenkranz, die drei Nägel in den Griffeln, die fünf Wunden in den Staubblättern - daher der Name.

Die Passionsblume stammt aus dem Südosten der Vereinigten Staaten, wo sie als kletternde Staude an Waldrändern und auf Brachflächen wächst. Die Ureinwohner Nordamerikas nutzten sie als beruhigendes Mittel und aßen die Früchte, die dort maypop heißen. Über die spanischen Missionare kam sie im 17. Jahrhundert nach Europa - zunächst als botanische Sensation, dann als Gartenpflanze, und erst im 19. und 20. Jahrhundert setzte sich ihre arzneiliche Verwendung durch.

Die Namensgebung ist eines der schönsten Beispiele christlicher Pflanzendeutung. Die Missionare sahen in der ungewöhnlich gebauten Blüte die Passion Christi abgebildet: den fadenförmigen Strahlenkranz als Dornenkrone, die drei Griffel als Nägel, die fünf Staubblätter als Wunden, die zehn Kron- und Kelchblätter als die verbliebenen Apostel. Daraus wurde flos passionis - die Passionsblume. Botanisch haben all diese Teile natürlich handfeste Funktionen für die Bestäubung.

Beim Kauf und im Garten muss man aufpassen. Arzneilich verwendet wird ausschließlich Passiflora incarnata, die Fleischfarbene Passionsblume. Die Art, die bei uns an Hauswänden und Zäunen wächst und blau blüht, ist Passiflora caerulea - eine Zierpflanze, die arzneilich nicht verwendet wird. Und die Maracuja aus dem Supermarkt stammt von Passiflora edulis; ihre Frucht ist ein Lebensmittel und hat mit der Arzneidroge nichts zu tun.

NutzenWas die Passionsblume für dich tut

Die europäische Arzneimittelagentur führt Passionsblumenkraut als traditionelle Anwendung zur Linderung leichter Symptome von seelischer Anspannung und zur Unterstützung des Einschlafens; die Kommission E hat sie bei nervösen Unruhezuständen positiv bewertet. Was sie im Kräuterregal besonders macht, ist eine praktische Eigenheit: Sie wirkt eher entspannend als müde machend. Baldrian und Hopfen sind Abendkräuter; die Passionsblume lässt sich auch tagsüber einsetzen, wenn Anspannung, innere Unruhe oder Nervosität stören, man aber funktionieren muss.

Zur Studienlage: Es gibt einige kleine kontrollierte Untersuchungen, unter anderem bei Menschen mit Angstsymptomen und bei der Vorbereitung auf Operationen und Zahnbehandlungen, in denen Passiflora-Zubereitungen die Anspannung stärker senkten als Placebo - teils vergleichbar mit einem niedrig dosierten Beruhigungsmittel, aber ohne dessen dämpfende Wirkung auf die Aufmerksamkeit. Diese Studien sind klein und methodisch unterschiedlich gut; für eine starke Aussage reicht das nicht. Was man dagegen sagen kann: Die Richtung ist konsistent, und das Sicherheitsprofil ist sehr gut.

Der Wirkmechanismus ist nicht abschließend geklärt. Diskutiert wird ein Einfluss auf das GABA-System - also denselben dämpfenden Botenstoff, an dem auch Baldrian ansetzt –, teils über die Flavonoide, teils über andere Bestandteile. Ein einzelner „Wirkstoff“ ließ sich bisher nicht isolieren; wie bei vielen beruhigenden Pflanzen scheint das Zusammenspiel zu zählen, weshalb standardisierte Gesamtextrakte verwendet werden.

Eine Sache, die man früher las und die sich als Irrtum herausgestellt hat: Passiflora-Arten sollten Harman-Alkaloide enthalten, die mit bestimmten Antidepressiva gefährlich wechselwirken könnten. Neuere Analysen finden diese Stoffe in Passiflora incarnata allenfalls in Spuren. Die Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme dämpfender Medikamente bleibt trotzdem sinnvoll - nicht wegen der Alkaloide, sondern weil sich beruhigende Wirkungen schlicht addieren können.

Tagsüber möglichsie entspannt, ohne so müde zu machen wie Baldrian
Traditional useanerkannt bei nervöser Anspannung und Einschlafproblemen
P. incarnatanur diese Art ist die Arzneidroge - nicht die blaue Zierform
Sehr gut verträglichkaum Nebenwirkungen, keine Abhängigkeit

IngredientsDas steckt im Kraut

Die wichtigste Stoffgruppe sind die C-Glykosylflavone - vor allem Vitexin, Isovitexin, Orientin und Isoorientin, zusammen etwa 1,5 bis 2,5 Prozent. Sie werden zur Standardisierung von Extrakten herangezogen. Ihnen wird ein Teil der beruhigenden Wirkung zugeschrieben, wenn auch der genaue Angriffspunkt offen ist.

Daneben enthält das Kraut Maltol und Ethylmaltol - Stoffe mit angenehm karamellartigem Geruch, für die im Tierversuch dämpfende Effekte beschrieben wurden –, dazu Cumarinderivate, Phenolcarbonsäuren und geringe Mengen Cyanogene Glykoside, die bei den üblichen Anwendungsmengen keine Rolle spielen.

Die früher viel diskutierten Harman-Alkaloide (Harman, Harmin, Harmalin) sind das interessanteste Kapitel: Sie hemmen im Labor das Enzym Monoaminoxidase, weshalb lange vor einer Wechselwirkung mit MAO-Hemmern gewarnt wurde. Sorgfältige Analysen haben allerdings gezeigt, dass sie in Passiflora incarnata nur in Spuren oder gar nicht nachweisbar sind - die alten Befunde beruhten teils auf Verwechslungen mit anderen Arten. Für die Praxis heißt das: Die Warnung ist entschärft, aber die allgemeine Vorsicht bei Kombination mit dämpfenden Medikamenten bleibt.

Verstärkte KombinationenWas die Passionsblume stärker macht

Ein mildes Kraut, das von Regelmäßigkeit und guter Gesellschaft lebt - und von ausreichender Dosis.

Tag

allein bei Anspannung tagsüber

Anders als Baldrian macht sie nicht schwer - ideal für unruhige Arbeitstage.

Abend

mit Baldrian & Hopfen

Für die Nacht die klassische Kombination - Passiflora ergänzt sie um die Tagesruhe.

Bauch

mit Melisse & Kamille

Wenn die Anspannung auf den Magen schlägt.

Dosis

mit ausreichender Menge

Zwei Teelöffel pro Tasse oder ein standardisierter Extrakt - zu niedrig dosiert passiert nichts.

Zeit

mit zwei Wochen Regelmäßigkeit

Wie bei allen milden Nervenkräutern baut sich die Wirkung über Tage auf.

Ritual

mit festen Pausen

Eine Tasse zur selben Zeit wirkt doppelt - über die Pflanze und über die Struktur.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Art

nicht die blaue Zierpassionsblume

P. caerulea vom Gartenzaun ist arzneilich nicht die verwendete Art.

Dosis

nicht unterdosiert

Ein halber Teelöffel pro Tasse ist der häufigste Grund, warum nichts passiert.

combination

nicht mit Schlafmitteln ohne Rücksprache

Dämpfende Wirkungen können sich addieren - mit verordneten Beruhigungsmitteln absprechen.

alcohol

nicht mit alcohol

Dieselbe Überlegung - die Wirkungen verstärken sich.

Kinder

nicht bei Kindern unter zwölf Jahren

Für die arzneiliche Anwendung gilt diese Grenze, weil Daten fehlen.

Ursache

nicht als Ersatz für die Ursachensuche

Anhaltende Angst oder Schlaflosigkeit haben Gründe, die man finden sollte.

ApplicationWie sie verwendet wird

  • PassionsblumenteeZwei Teelöffel auf 250 ml, zugedeckt zehn Minuten - zwei bis drei Tassen über den Tag.
  • Standardisierter ExtraktAls Tablette oder Kapsel, auf Flavonoidgehalt eingestellt.
  • TinkturAlkoholischer Auszug, tropfenweise in Wasser - schnell dosierbar.
  • Tagestee bei AnspannungDie Stärke dieser Pflanze: Ruhe, ohne die Aufmerksamkeit zu dämpfen.
  • AbendmischungMit Baldrian und Hopfen, wenn das Einschlafen das Problem ist.
  • NerventeeMit Melisse und Lavendel für angespannte Tage.
  • Vor TerminenTraditionell und in kleinen Studien vor Zahnarzt- und OP-Terminen untersucht.
  • PrüfungsphasenAls Begleitung in Zeiten mit viel Anspannung - über zwei bis drei Wochen.
  • KombipräparateSie steckt in vielen pflanzlichen Beruhigungsmitteln aus der Apotheke.
  • GartenpflanzeDie Zierform ist schön, aber arzneilich nicht die richtige Art.
Faustregel: Ausreichend dosieren - zwei Teelöffel pro Tasse, nicht einen halben - und über zwei bis drei Wochen regelmäßig anwenden. Die Stärke dieser Pflanze ist der Tag: Sie nimmt die Anspannung, ohne schwer zu machen. Und beim Kauf auf den botanischen Namen achten: Passiflora incarnata.

Als HausmittelDer Tee für angespannte Tage

So geht’s

Passionsblume mit Melisse

  1. Zwei gehäufte Teelöffel Passionsblumenkraut und einen Teelöffel Melissenblätter mischen.
  2. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen, dann abseihen.
  3. Zwei bis drei Tassen über den Tag verteilt trinken - eine davon ruhig am Vormittag, wenn die Anspannung dann am größten ist.
  4. Über zwei bis drei Wochen regelmäßig anwenden. Erst danach lässt sich beurteilen, ob es für dich etwas bringt.
Wofür

Bei innerer Unruhe, Nervosität, Anspannung vor Terminen und dem Gefühl, nicht abschalten zu können - tagsüber wie abends. Der Vorteil gegenüber Baldrian: Sie macht in üblicher Dosierung nicht müde, was sie für den Arbeitstag brauchbar macht. Für Passiflora-Zubereitungen gibt es kleine kontrollierte Studien bei Angstsymptomen mit positiver Richtung; die Anwendung ist von EMA und Kommission E anerkannt, wenn auch auf traditioneller Basis.

Menge

Zwei bis drei Tassen täglich über zwei bis drei Wochen. Nicht mit Alkohol oder verordneten Beruhigungs- und Schlafmitteln kombinieren, ohne das abzusprechen - dämpfende Wirkungen addieren sich. Nicht für Kinder unter zwölf Jahren, in Schwangerschaft und Stillzeit mangels Daten nicht anwenden. Wenn Angst den Alltag bestimmt, Panikattacken auftreten oder die Stimmung über Wochen gedrückt ist, gehört das in fachliche Hände - das löst kein Tee.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Die Passionsblume ist eine amerikanische Pflanze und im Ayurveda nicht vertreten. Nach ihren Eigenschaften eingeordnet wäre sie bitter, leicht und kühlend - Pitta and Vata besänftigend. Die ayurvedischen Pflanzen mit vergleichbarer Rolle sind Brahmi and Jatamansi, beide als Medhya-Kräuter für einen unruhigen Geist geführt. Eine Übertragung nach Prinzip, keine Überlieferung.

Traditional Chinese Medicine

Auch in der chinesischen Materia Medica fehlt sie. Nach ihrem Charakter wäre sie ein kühles, mildes Mittel, das den Geist - Shen - beruhigt und aufsteigendes Leber-Yang besänftigt, in der Nachbarschaft von Suan Zao Ren (Jujubesamen) und He Huan Pi (Seidenbaumrinde), die dort bei Unruhe, Reizbarkeit und Einschlafstörungen eingesetzt werden.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Kombinationen: mit Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmitteln können sich dämpfende Wirkungen addieren - vorher absprechen.
  • Verkehrstüchtigkeit: in höherer Dosierung ist Müdigkeit möglich - die Reaktion erst an einem freien Tag testen.
  • Kinder: arzneilich erst ab zwölf Jahren, weil belastbare Daten für Jüngere fehlen.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: mangels ausreichender Daten nicht anwenden.
  • Art: nur Passiflora incarnata ist die Arzneidroge - die blaue Zierform und die Maracuja sind andere Arten.
  • Ursachensuche: anhaltende Angst, Panikattacken oder dauerhaft gedrückte Stimmung gehören in fachliche Behandlung.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. EMA/HMPC: European Union herbal monograph on Passiflora incarnata L., herba - traditional use bei leichter seelischer Anspannung und zur Unterstützung des Einschlafens.
  2. Kommission E: Monographie Passiflorae herba (Passionsblumenkraut), Bundesanzeiger 1985.
  3. Movafegh A et al. Preoperative oral Passiflora incarnata reduces anxiety in ambulatory surgery patients: a double-blind, placebo-controlled study. Anesthesia & Analgesia 2008; 106(6): 1728–1732.
  4. Miroddi M et al. Passiflora incarnata L.: ethnopharmacology, clinical application, safety and evaluation of clinical trials. Journal of Ethnopharmacology 2013; 150(3): 791–804.
  5. Blaschek W (Hrsg.): Wichtl - Teedrogen und Phytopharmaka. 6. Auflage 2016, Monographie Passiflorae herba.