Reishi (Ganoderma lucidum)

Wissenschaftlich
Ganoderma lucidumLackporling (Ganodermataceae)
Chinesisch
Lingzhi„Pilz der geistigen Kraft“
Verwendeter Teil
Fruchtkörperholzig - nur als Absud oder Extrakt
Leitstoffe
Triterpene und Beta-GlucaneGanodersäuren machen die Bitterkeit
Einstufung
Keine Monographieweder EMA noch Kommission E
Wichtig
GerinnungThrombozytenhemmung ist beschrieben

OriginDer Pilz, der auf Kaisergemälden steht

Ganoderma Pilz am Baumstamm

In China war der Lingzhi so selten und so bedeutend, dass sein Fund dem Kaiser gemeldet wurde.

Ganoderma lucidum ist ein Baumpilz aus der Familie der Lackporlinge, der an Laubhölzern - vor allem an Eiche und Buche - wächst. Sein Fruchtkörper ist nierenförmig, hat einen seitlichen Stiel und eine Oberfläche, die aussieht, als wäre sie lackiert: glänzend rotbraun bis schwarz, mit konzentrischen Zonen. Diese Lackschicht ist namengebend und macht ihn unverwechselbar. Er ist holzig-zäh und als Speisepilz ungeeignet.

In China heißt er Lingzhi - etwa „Pilz der geistigen Kraft“ - und gehört zu den ältesten dokumentierten Drogen überhaupt. Im Shennong Bencao Jing, dem ältesten erhaltenen chinesischen Arzneibuch aus der Han-Zeit, steht er in der obersten Klasse: den Drogen, die man dauerhaft nehmen kann, die das Leben verlängern und nicht schaden. Er galt als so selten und kostbar, dass Funde an den Hof gemeldet wurden, und er taucht in der chinesischen Kunst als Symbol für Langlebigkeit und Glück auf - auf Gemälden, in Schnitzereien, in der Kleidung.

Diese Seltenheit hat sich erst in den 1970er Jahren geändert, als in Japan und China Verfahren zur Kultivierung auf Holzsubstrat entwickelt wurden. Seitdem ist Reishi ein Massenprodukt, und der Markt für Vitalpilze ist weltweit stark gewachsen. Damit einher ging allerdings ein Qualitätsproblem, das bis heute besteht: Was als Reishi verkauft wird, unterscheidet sich erheblich - nach Art, nach verwendetem Pilzteil und nach Anbaubedingungen.

NutzenWas die Übersichtsarbeiten sagen

Für Reishi gibt es keine EMA-Monographie und keine Bewertung der Kommission E; er wird in der EU als Nahrungsergänzungsmittel gehandelt. Untersucht wurde er trotzdem ausgiebig, vor allem in China und Japan, und es lohnt sich, die Ergebnisse nach Anwendungsgebieten zu trennen.

Zur Krebsbehandlung gibt es einen Cochrane-Review, der mehrere randomisierte Studien einschloss. Sein Ergebnis: Reishi sollte nicht als Erstlinienbehandlung eingesetzt werden. Es gab Hinweise darauf, dass er als Zusatz zur konventionellen Therapie die Ansprechrate leicht verbessern und immunologische Parameter beeinflussen könnte, aber die Studien waren klein, methodisch schwach und die Evidenz insgesamt unzureichend. Die Autoren betonten ausdrücklich, dass die Datenlage keine Empfehlung trägt. Wer Reishi als Krebsmittel angeboten bekommt, sollte das wissen - und die Wechselwirkungsfrage mit der Onkologin klären.

Zu anderen Anwendungen ist die Lage ähnlich. Studien zu Blutdruck, Blutzucker, Blutfetten und zu Erschöpfung existieren, sind aber klein und uneinheitlich. Eine Cochrane-Übersicht zu Reishi bei kardiovaskulären Risikofaktoren fand keine ausreichende Evidenz. Für die immunologischen Effekte gibt es solide Laborbefunde: Beta-Glucane aus Pilzen binden an Rezeptoren von Immunzellen und lösen messbare Reaktionen aus. Dass daraus ein klinischer Nutzen folgt, ist damit nicht gezeigt.

Praktisch wichtiger als die Wirksamkeitsfrage sind bei Reishi die Wechselwirkungen. Es gibt Berichte über eine Hemmung der Thrombozytenaggregation - also eine blutverdünnende Wirkung –, was bei gleichzeitiger Gerinnungshemmung und vor Operationen relevant ist. Als immunmodulierendes Mittel ist er bei Autoimmunerkrankungen und unter Immunsuppression problematisch. Und es gibt Einzelfallberichte über Leberschäden, vor allem nach Einnahme von Reishi-Pulver über längere Zeit. Das sind keine Gründe, den Pilz zu verteufeln, aber gute Gründe, ihn nicht beiläufig einzunehmen.

bis 50 %Polysaccharide in der Trockenmasse
1 - 2 %Triterpene - die bitteren Ganodersäuren
1,5 - 9 gTrockenpilz täglich in Studien
2000 Jahredokumentierte Anwendung in China

IngredientsBeta-Glucane, Bitterstoffe - und die Frage nach dem Pilzteil

Zwei Stoffgruppen stehen im Vordergrund. Erstens die Polysaccharide, vor allem Beta-1,3- und Beta-1,6-Glucane, die bis zu fünfzig Prozent der Trockenmasse ausmachen können. Sie sind wasserlöslich und werden durch heißes Wasser extrahiert. Zweitens die Triterpene, allen voran die Ganodersäuren, die für den ausgeprägt bitteren Geschmack verantwortlich sind. Sie sind schlecht wasserlöslich und werden mit Alkohol extrahiert.

Daraus folgt etwas Praktisches: Ein reiner Wasserauszug enthält die Glucane, aber wenig Triterpene; ein reiner Alkoholauszug umgekehrt. Hochwertige Präparate arbeiten deshalb mit einer Doppelextraktion - erst heiß wässrig, dann alkoholisch - und deklarieren beide Gehalte. Der Bittergeschmack ist dabei ein brauchbarer Indikator: Ein Reishi-Produkt, das nicht bitter ist, enthält vermutlich kaum Triterpene.

Der zweite Qualitätspunkt betrifft den verwendeten Pilzteil. Viele günstige Produkte, besonders aus den USA, bestehen aus Myzel, das auf Getreide gewachsen ist - das sogenannte Myzel-auf-Getreide-Produkt enthält einen erheblichen Anteil Getreidestärke und deutlich weniger Pilzsubstanz als ein Fruchtkörperextrakt. Ein Hinweis darauf ist ein hoher Stärkegehalt oder die Angabe „myceliated grain“. Wer die Inhaltsstoffe will, kauft Fruchtkörperextrakt.

Ein dritter Punkt ist die Artenfrage. Was in Ostasien als Lingzhi kultiviert wird, ist häufig nicht Ganoderma lucidum im engeren europäischen Sinn, sondern Ganoderma lingzhi - eine 2012 abgetrennte Art. Die Unterscheidung ist taxonomisch relevant und für die Inhaltsstoffe möglicherweise auch, wird auf Etiketten aber praktisch nie gemacht. Für den Käufer bedeutet das: Deklarierte Gehalte an Polysacchariden und Triterpenen sind aussagekräftiger als der botanische Name.

Verstärkte KombinationenWenn Reishi, dann bewusst

Der Reishi ist kein Pilz für die Pfanne und kein beiläufiges Nahrungsergänzungsmittel. Diese Punkte gehören zur Anwendung.

Zubereitung

Reishi + langer Absud

Der Fruchtkörper ist holzig. Traditionell wird er in Scheiben geschnitten und ein bis zwei Stunden ausgekocht - nur so gehen die Polysaccharide in Lösung.

Qualität

Reishi + Doppelextrakt

Wasser holt die Glucane, Alkohol die Triterpene. Ein gutes Präparat deklariert beide Gehalte.

Qualität

Reishi + Fruchtkörper statt Myzel

Myzel-auf-Getreide-Produkte enthalten viel Stärke und wenig Pilz. Fruchtkörperextrakt ist die substanziellere Wahl.

Geschmack

Reishi + Ingwer und Datteln

Der Absud ist sehr bitter. In der chinesischen Tradition wird er mit Jujube-Datteln und Ingwer gekocht, was ihn trinkbar macht.

Achtsamkeit

Reishi + Medikationsliste

Vor der ersten Einnahme die eigene Medikation durchgehen - Gerinnungshemmer und Immunsuppressiva sind die kritischen Punkte.

Zeit

Reishi + begrenzte Anwendungsdauer

Es gibt keine Sicherheitsdaten zur jahrelangen Einnahme, und es gibt Einzelfallberichte zu Leberschäden. Einige Wochen bis wenige Monate, dann Pause.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Gerinnung

Reishi + Gerinnungshemmer

Eine Hemmung der Thrombozytenaggregation ist beschrieben. Bei Marcumar, DOAK oder dauerhafter ASS-Einnahme sowie vor Operationen nicht ohne ärztliche Rücksprache.

immune system

Reishi + Immunsuppressiva oder Transplantation

Als immunmodulierendes Mittel bei gezielt gedämpftem Immunsystem ein Widerspruch. Nach Organtransplantation nicht anwenden.

Autoimmun

Reishi + Autoimmunerkrankung

Bei überaktivem Immunsystem ist ein Immunstimulans nicht ohne ärztliche Begleitung vertretbar.

Krebs

Reishi + laufende Krebstherapie

Der Cochrane-Review spricht sich gegen eine Erstlinienanwendung aus, und Wechselwirkungen mit Therapien sind nicht auszuschließen. Immer mit der behandelnden Ärztin besprechen.

Leber

Reishi + Pulver über lange Zeit

Es gibt Einzelfallberichte über Leberschäden, vor allem bei Pulverpräparaten über Monate. Bei Gelbfärbung, dunklem Urin oder anhaltender Übelkeit absetzen und abklären lassen.

Erwartung

Reishi + Heilversprechen

Er wird als Mittel gegen Krebs, Allergien, Bluthochdruck und Erschöpfung beworben. Für keine dieser Anwendungen reicht die Evidenz.

ApplicationAnwendungsformen

  • AbsudGetrocknete Scheiben ein bis zwei Stunden auskochen - die traditionelle Zubereitung.
  • Mit DattelnIn der chinesischen Tradition mit Jujube und Ingwer gekocht, gegen die Bitterkeit.
  • DoppelextraktWässrig-alkoholisch, mit deklarierten Polysaccharid- und Triterpengehalten.
  • KapselnDie bequeme Form - Fruchtkörperextrakt statt Myzelpulver wählen.
  • PulverReines Fruchtkörperpulver ist schlechter verwertbar als ein Extrakt, weil die Chitinwand nicht aufgeschlossen ist.
  • Kaffee-MischungenVerbreitete Produktform; der Reishi-Anteil ist dabei meist sehr gering.
  • Kein SpeisepilzDer Fruchtkörper ist holzig und nicht essbar - nur Auszüge sind sinnvoll.
  • BitterkeitEin guter Reishi-Auszug schmeckt deutlich bitter; fehlt das, fehlen die Triterpene.
  • Zeitlich begrenzenWenige Monate, dann Pause - es gibt keine Langzeitdaten.
  • Medikation prüfenGerinnungshemmer und Immunsuppressiva sind die kritischen Punkte.
Faustregel: Die Bitterkeit ist bei Reishi das ehrlichste Qualitätsmerkmal. Die Ganodersäuren, die für die pharmakologische Forschung am interessantesten sind, schmecken intensiv bitter. Ein Produkt, das angenehm mild ist, hat entweder wenig davon oder besteht überwiegend aus Trägerstoffen.

Als HausmittelDer traditionelle Absud

So geht’s

Reishi-Dekokt mit Jujube und Ingwer

  1. Vorher klären: Nimmst du Gerinnungshemmer? Hast du eine Autoimmunerkrankung, eine Transplantation hinter dir oder nimmst du Immunsuppressiva? Bist du in onkologischer Behandlung? In all diesen Fällen gehört die Anwendung vorher ärztlich besprochen.
  2. 3 bis 5 g getrocknete Reishi-Scheiben mit einem Liter kaltem Wasser ansetzen.
  3. Aufkochen und dann bei kleiner Hitze ein bis zwei Stunden zugedeckt köcheln lassen. Der holzige Fruchtkörper gibt seine Polysaccharide nur bei langem Kochen ab.
  4. Nach Belieben drei bis vier getrocknete Jujube-Datteln und ein paar Scheiben Ingwer mitkochen - das ist die traditionelle Art, den bitteren Absud trinkbar zu machen.
  5. Abseihen und über den Tag verteilt trinken. Der Geschmack ist deutlich bitter-holzig; das gehört dazu.
  6. Über einige Wochen anwenden, dann pausieren. Bei Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunklem Urin, hellem Stuhl oder anhaltender Übelkeit absetzen und ärztlich abklären lassen.
Wofür

Traditionell in der chinesischen Medizin als stärkendes und beruhigendes Mittel. In Europa ohne anerkanntes Anwendungsgebiet; die vorhandenen Studien reichen für keine Empfehlung.

Menge

In Studien 1,5 bis 9 g Trockenpilz täglich, bei Extrakten nach Packungsangabe. Es gibt keine behördlich geprüfte Dosierungsempfehlung. Nicht bei Gerinnungshemmung, Immunsuppression oder Transplantation ohne ärztliche Rücksprache.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Der Reishi ist im klassischen Ayurveda nicht vertreten - Pilze spielen in der ayurvedischen Materia medica insgesamt eine untergeordnete Rolle und gelten in einigen Texten sogar als tamasig, also als schwer und trübend. Die Kategorie der Rasayana, der lebensverlängernden Mittel, in die der Lingzhi in China eingeordnet wird, gibt es dort mit anderen Pflanzen: Amalaki, Ashwagandha and Guduchi.

Traditional Chinese Medicine

Hier ist der Reishi zu Hause, und zwar an prominentester Stelle. Im Shennong Bencao Jing steht Lingzhi in der obersten der drei Drogenklassen - jenen Mitteln, die man ohne Schaden dauerhaft nehmen kann und die das Leben verlängern sollen. Er gilt als süß und neutral, mit Bezug zu Herz, Lunge, Leber und Niere, und hat die Funktionen, das Qi zu stärken, den Geist zu beruhigen und Husten zu stillen. Die klassischen Texte unterscheiden sechs Farbvarianten mit verschiedenen Zuordnungen; die rote, Chi Zhi, ist die heute gebräuchliche.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Wechselwirkung mit Gerinnungshemmern: Eine Hemmung der Thrombozytenaggregation ist beschrieben. Bei Antikoagulanzien und vor Operationen nicht ohne ärztliche Rücksprache.
  • Nicht bei Immunsuppression oder Transplantation: Ein als immunmodulierend beworbenes Mittel neben einer gezielt dämpfenden Therapie ist ein Widerspruch.
  • Autoimmunerkrankungen: Nicht ohne ärztliche Begleitung.
  • Krebstherapie: Der Cochrane-Review spricht sich gegen eine Erstlinienanwendung aus. Während einer Behandlung immer mit der Onkologin besprechen.
  • Einzelfälle von Leberschäden: Vor allem bei Pulverpräparaten über längere Zeit. Bei Gelbfärbung, dunklem Urin oder anhaltender Übelkeit absetzen und abklären lassen.
  • Qualität stark schwankend: Myzel-auf-Getreide statt Fruchtkörper, fehlende Gehaltsangaben, unklare Artzuordnung. Deklarierte Polysaccharid- und Triterpengehalte sind das Kriterium.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. Jin X. et al.: Ganoderma lucidum (Reishi mushroom) for cancer treatment. Cochrane Database of Systematic Reviews 2016.
  2. Klupp N.L. et al.: Ganoderma lucidum mushroom for the treatment of cardiovascular risk factors. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015.
  3. Wachtel-Galor S. et al.: Ganoderma lucidum (Lingzhi or Reishi) - a medicinal mushroom, in: Herbal Medicine: Biomolecular and Clinical Aspects, 2011.
  4. Memorial Sloan Kettering Cancer Center, About Herbs: Reishi Mushroom - Monographie mit Wechselwirkungsübersicht.
  5. Cao Y. et al.: Species clarification of the prize medicinal Ganoderma mushroom Lingzhi. Fungal Diversity 2012.