Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum)

Botanischer Name
Trigonella foenum-graecumHülsenfrüchtler (Fabaceae)
Verwendeter Teil
Samenund die jungen Blätter als Gemüse
Leitstoffe
Schleimstoffe und Sotolondazu Trigonellin und Steroidsaponine
Einstufung
Traditional use (EMA)Appetitlosigkeit; äußerlich als Umschlag
Geruch
UnverwechselbarSotolon - derselbe Stoff wie in Liebstöckel-Ersatzwürze
Küchenrolle
Curry und Panch Phoronbitter, deshalb immer geröstet

OriginGriechisches Heu und indischer Alltag

Bockshornklee Samen Nahaufnahme

Der botanische Name heißt wörtlich „griechisches Heu“ - so wurde die Pflanze in der Antike als Futterpflanze bezeichnet.

Trigonella foenum-graecum ist ein einjähriger Schmetterlingsblütler aus dem östlichen Mittelmeerraum und Vorderasien, der seit mindestens viertausend Jahren angebaut wird. Man hat Samen in bronzezeitlichen Fundstellen im Irak und in ägyptischen Gräbern gefunden; im Papyrus Ebers steht er als Arzneipflanze. Der Artname foenum-graecum, „griechisches Heu“, stammt aus der römischen Landwirtschaft: Die getrocknete Pflanze wurde als Viehfutter verwendet und gab dem Heu einen kräftigen Geruch.

Die Pflanze wird etwa einen halben Meter hoch, hat dreizählige Blätter wie Klee und bildet lange, gekrümmte Hülsen mit zehn bis zwanzig kantigen, gelbbraunen Samen. Sie ist anspruchslos, bindet als Leguminose Stickstoff und wird deshalb in Indien vielerorts als Zwischenfrucht angebaut. Der mit Abstand größte Produzent ist heute Indien, und dort ist Bockshornklee kein Nischengewürz, sondern Alltag: Methi heißt sowohl der Samen als auch das Blattgemüse, und beides gehört in die tägliche Küche.

In Europa hatte er zwei getrennte Karrieren. Als Arzneipflanze stand er in den Klostergärten - Hildegard kennt ihn, die Kommission E hat ihn positiv bewertet, und in der Volksmedizin waren Bockshornkleemehl-Umschläge ein Standardmittel bei Furunkeln und Entzündungen. Als Gewürz dagegen ist er in Mitteleuropa fast unbekannt geblieben; wo er auftaucht, dann versteckt in Currypulver und in Fertigwürzen. Eine dritte Rolle spielt er in der Lebensmitteltechnik: Sotolon ist die Geruchskomponente, die auch für den charakteristischen Ton mancher Würzsaucen und für den Geruch von Liebstöckel-Ersatzprodukten verantwortlich ist.

NutzenAnerkannt für wenig, beworben für viel

Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt Bockshornkleesamen als traditional use mit zwei Anwendungsgebieten: innerlich als Mittel bei vorübergehender Appetitlosigkeit, äußerlich als Umschlag bei leichten Hautentzündungen. Die Kommission E hatte 1986 dieselben beiden Richtungen positiv bewertet. Das ist der amtlich anerkannte Umfang, und er ist überschaubar. Alles Weitere, was über Bockshornklee erzählt wird, gehört in die Kategorie „untersucht, aber nicht belegt“.

Die innerliche Anwendung beruht auf den Bitterstoffen und dem hohen Schleimanteil: Bitterkeit regt Appetit und Magensaft an, die Schleimstoffe legen sich schützend auf die Magenschleimhaut. Für den äußeren Umschlag ist es der Schleim, der beim Anrühren mit warmem Wasser einen dicken Brei ergibt - das ist ein klassisches Kataplasma, wie es früher auch mit Leinsamen gemacht wurde. Feuchte Wärme plus quellender Brei, mehr ist es nicht, und genau das ist bei einem reifenden Furunkel sinnvoll.

Zum Blutzucker gibt es tatsächlich Forschung. Die Aminosäure 4-Hydroxyisoleucin, die praktisch nur in Bockshornklee vorkommt, steigert im Tierversuch die Insulinausschüttung, und die Schleimstoffe verlangsamen die Zuckeraufnahme aus dem Darm - ein Effekt, den auch Flohsamen und Haferkleie haben. Metaanalysen kleinerer Humanstudien zeigen leichte Senkungen von Nüchternblutzucker und HbA1c. Die Studien sind aber klein, methodisch heterogen und mit sehr unterschiedlichen Dosierungen durchgeführt. Das reicht nicht, um Bockshornklee als Diabetesmittel zu bezeichnen - wohl aber, um zu sagen: Wer Diabetesmedikamente nimmt und zusätzlich größere Mengen Bockshornklee isst, sollte es der Ärztin sagen.

Der zweite große Anwendungsbereich ist die Milchbildung. Bockshornklee ist weltweit das meistgenutzte pflanzliche Galaktagogum, und es gibt eine Handvoll kleiner randomisierter Studien, die eine Steigerung der Milchmenge zeigen - und andere, die es nicht tun. Ein Cochrane-Review zu Galaktagoga kam zu keinem klaren Ergebnis. Für stillende Frauen ist das trotzdem eine der harmloseren Optionen, wenn die Milchmenge Sorgen macht; die wirksamste Maßnahme bleibt aber häufiges Anlegen und eine gute Stillberatung, nicht ein Tee.

25 - 45 %Schleimstoffe (Galaktomannan) im Samen
20 - 30 %Protein - für ein Gewürz außergewöhnlich viel
6 gTagesdosis innerlich nach Kommission E
50 gBockshornkleemehl pro Umschlag, mit Wasser angerührt

IngredientsSotolon - der Stoff, den man an sich selbst riecht

Der Geruch des Bockshornklees kommt fast ausschließlich von einem einzigen Molekül: Sotolon, einem Furanon. Es gehört zu den geruchsintensivsten Naturstoffen überhaupt und ist noch in Konzentrationen von wenigen Nanogramm pro Liter wahrnehmbar. Dasselbe Molekül prägt auch Liebstöckel-Ersatzwürzen, gereiften Sherry und Ahornsirup. Und es hat eine Eigenschaft, die viele überrascht: Wer größere Mengen Bockshornklee isst, riecht anschließend selbst danach - Sotolon wird ausgeschieden und ist in Schweiß und Urin wahrnehmbar, teils über ein bis zwei Tage.

Das ist medizinisch relevanter, als es klingt. Beim Neugeborenen-Screening wird eine seltene Stoffwechselkrankheit gesucht, die Ahornsirupkrankheit, bei der der Urin nach Ahornsirup riecht - auch das ist Sotolon. Bockshornkleekonsum der Mutter kann diesen Geruch beim Säugling nachahmen und wurde in Fallberichten als Ursache für falschen Verdacht beschrieben. Wer als stillende Mutter Bockshornklee nimmt und beim Kind einen auffälligen Geruch bemerkt, sollte das ansprechen, statt in Panik zu geraten - und umgekehrt die Einnahme erwähnen, wenn ein Screening-Befund auffällig ist.

Der mengenmäßig größte Bestandteil sind die Schleimstoffe: 25 bis 45 Prozent Galaktomannan, ein Polysaccharid, das enorm quellfähig ist. Daraus entsteht der dicke Brei für den Umschlag, und daraus folgt auch der verzögernde Effekt auf die Zuckeraufnahme im Darm. Dazu kommen 20 bis 30 Prozent Protein - ungewöhnlich viel für ein Gewürz –, das Alkaloid Trigonellin, Steroidsaponine wie Diosgenin, Flavonoide und die bereits erwähnte Aminosäure 4-Hydroxyisoleucin.

Praktisch entscheidend für die Küche ist die Bitterkeit. Rohe Bockshornkleesamen sind ausgesprochen bitter und in größerer Menge kaum genießbar. Das kurze Rösten in heißem Fett baut einen Teil der Bitterstoffe ab und entwickelt gleichzeitig das Sotolon-Aroma - daher wird Bockshornklee in der indischen Küche praktisch immer zuerst im Fett angebraten. Wichtig ist der Zeitpunkt: Nur wenige Sekunden. Wird er zu dunkel, kippt er in eine anhaltende, unangenehme Bitterkeit, die das ganze Gericht verdirbt.

Verstärkte KombinationenWie Bockshornklee funktioniert

Bockshornklee ist kein Gewürz, das man einfach darüberstreut. Er braucht Fett, Hitze und Timing - und ein paar Partner, die seine Bitterkeit einbinden.

Indien

Bockshornklee + Panch Phoron

Die bengalische Fünf-Gewürz-Mischung: Bockshornklee, Nigella, Fenchel, schwarzer Senf, Kreuzkümmel - ganz im heißen Öl angebraten, bis die Samen springen. Bockshornklee ist darin die bittere Grundierung.

Currypulver

Bockshornklee + Kurkuma und Koriander

In fast jedem Currypulver steckt Bockshornklee, und er ist der Grund für den typischen Geruch. Ohne ihn schmeckt eine Mischung flach.

Vegetables

Methi-Blätter + Kartoffeln

Frische oder getrocknete Bockshornkleeblätter mit Kartoffeln - Aloo Methi ist eines der bekanntesten indischen Hausgerichte, und ein guter Einstieg in das Blattgemüse.

Fett

Bockshornklee + heißes Öl oder Ghee

Nicht optional: Ohne kurzes Anrösten in Fett bleibt der Samen bitter und aromalos. Wenige Sekunden reichen, bis er duftet und leicht Farbe nimmt.

skin

Bockshornkleemehl + warmes Wasser

Der klassische Umschlag: gemahlene Samen mit heißem Wasser zu einem dicken Brei rühren, handwarm auf ein Tuch streichen und auflegen. Das ist die Anwendung, die die Kommission E ausdrücklich nennt.

Sprossen

Bockshornklee + Keimglas

Die Samen keimen zuverlässig in drei bis vier Tagen und ergeben würzige, leicht bittere Sprossen für Salat und Brot - die mildeste Form der Pflanze.

Was sich beißtDiese Kombinationen lieber lassen

Schwangerschaft

Bockshornklee + Schwangerschaft

Bockshornklee gilt traditionell als wehenfördernd und wird in mehreren Kulturen zur Geburtseinleitung verwendet. In arzneilichen Mengen ist er in der Schwangerschaft zu meiden - als Gewürz im Essen ist er unproblematisch.

Allergie

Bockshornklee + Erdnuss- oder Kichererbsenallergie

Als Hülsenfrüchtler ist er mit Erdnuss, Kichererbse und Lupine verwandt, und Kreuzreaktionen sind dokumentiert - bis hin zu schweren Reaktionen. Bei bekannter Hülsenfruchtallergie nicht ohne Rücksprache probieren.

Blutzucker

Bockshornklee + Diabetesmedikamente

Größere Mengen können den Blutzucker zusätzlich senken. Neben Metformin, Sulfonylharnstoffen oder Insulin gehört das in der Praxis angesprochen.

Gerinnung

Bockshornklee + Gerinnungshemmer

Es gibt Hinweise auf eine Beeinflussung der Gerinnung. Bei Marcumar, DOAK oder anstehender Operation regelmäßige größere Mengen vorher besprechen.

Rösten

Bockshornklee + zu lange in der Pfanne

Zu dunkel geröstet wird er dauerhaft bitter und verdirbt das gesamte Gericht. Es gibt kein Zurück - dann lieber wegwerfen und neu anfangen.

Medikamente

Bockshornklee + gleichzeitige Tabletteneinnahme

Wie alle schleimstoffreichen Drogen kann er die Aufnahme anderer Wirkstoffe verzögern. Ein bis zwei Stunden Abstand halten.

Zu welchem GerichtVon der Currypaste bis zum Keimglas

  • Panch PhoronGanze Samen mit Nigella, Fenchel, Senf und Kreuzkümmel im heißen Öl, bis sie springen - dann das Gemüse dazu.
  • Aloo MethiFrische oder getrocknete Bockshornkleeblätter mit Kartoffeln, Kreuzkümmel und Chili gebraten.
  • CurrypulverGemahlen als Bestandteil eigener Mischungen, etwa fünf Prozent der Gesamtmenge - mehr macht die Mischung bitter.
  • HilbeDie jemenitische Paste aus eingeweichtem, gemahlenem Bockshornklee mit Zitrone und Chili - als Dip zu Brot.
  • SprossenDrei bis vier Tage im Keimglas, dann würzig und knackig auf Brot oder im Salat.
  • BreadIn manchen äthiopischen und ägyptischen Broten mitgebacken; gibt einen unverwechselbaren Geruch.
  • DalEin halber Teelöffel ganze Samen in der angerösteten Gewürzmischung am Ende des Kochens.
  • KäsealternativenIn veganen Käserezepten wird Bockshornklee für die käsig-würzige Note verwendet - Sotolon leistet hier Erstaunliches.
  • StillteeIn vielen Stilltees enthalten; als Zubereitung die Samen anquetschen und zehn Minuten ziehen lassen.
  • Umschlag50 g gemahlene Samen mit heißem Wasser zu einem Brei rühren - die äußerliche Monographie-Anwendung.
Faustregel: Der ganze Unterschied liegt in fünf Sekunden. Bockshornklee ins heiße Fett, warten bis er duftet und minimal Farbe annimmt, sofort weiter. Wird er braun, ist das Gericht bitter und nicht zu retten.

Als HausmittelDer Umschlag - die Anwendung mit Monographie

So geht’s

Bockshornklee-Kataplasma

  1. 50 g Bockshornkleesamen fein mahlen - in einer Kaffeemühle oder einem kräftigen Mixer. Fertiges Mehl geht auch, sollte aber frisch riechen.
  2. Mit etwa 250 ml heißem Wasser zu einem dicken, streichfähigen Brei verrühren. Die Schleimstoffe quellen innerhalb weniger Minuten stark auf; wenn es zu fest wird, tropfenweise Wasser nachgeben.
  3. Auf Handwärme abkühlen lassen. Nicht heiß auflegen - die Hauttemperatur prüfen, bevor der Brei an den Körper kommt.
  4. Den Brei etwa einen halben Zentimeter dick auf ein sauberes Baumwolltuch streichen, das Tuch einschlagen und auf die betroffene Stelle legen.
  5. Mit einem weiteren Tuch fixieren und zwanzig bis dreißig Minuten liegen lassen. Ein- bis zweimal täglich wiederholen.
  6. Bei Rötung, die sich ausbreitet, bei Überwärmung, Eiter mit rotem Streifen in Richtung Körpermitte oder Fieber sofort abbrechen und ärztlich abklären lassen.
Wofür

Äußerlich bei lokalen Hautentzündungen und reifenden Furunkeln - das ist die Anwendung, die Kommission E und EMA ausdrücklich nennen. Innerlich bei vorübergehender Appetitlosigkeit, als Tee aus angequetschten Samen.

Menge

Äußerlich 50 g Mehl pro Umschlag. Innerlich bis 6 g Samen täglich nach Kommission E. Nicht in der Schwangerschaft, nicht bei bekannter Hülsenfruchtallergie, und bei Diabetes- oder Gerinnungsmedikation vorher ärztlich besprechen.

Ayurveda & TCMWas die alten Systeme sagen

Ayurveda

Bockshornklee heißt im Ayurveda Methika und ist eine der am breitesten verwendeten Küchendrogen überhaupt. Er gilt als bitter und erwärmend, kapha– und vata-senkend, und wird dem Verdauungsfeuer zugeordnet. Traditionell ist er außerdem eine Wochenbettpflanze: In vielen indischen Familien bekommen Wöchnerinnen Zubereitungen mit Bockshornklee, oft als süßer Brei mit Ghee. Das ist derselbe Anwendungsgedanke, der ihn weltweit zum meistgenutzten pflanzlichen Milchbildungsmittel gemacht hat.

Traditional Chinese Medicine

In der chinesischen Materia medica erscheint Bockshornklee als Hu Lu Ba - „Bart des Barbaren“, ein Hinweis auf die Herkunft über die westlichen Handelswege. Er wird als bitter und warm beschrieben, mit Bezug zu Niere und Leber, und gehört zur Gruppe der Drogen, die das Nieren-Yang stärken und Kälte zerstreuen. Eingesetzt wird er bei kalten Schmerzen im Unterbauch und in den Beinen. Das ist eine ganz andere Anwendung als die europäische - hier ist er ein wärmendes Tonikum, dort ein Appetitmittel und Umschlag.

WarnhinweiseWann du aufpassen solltest

Bitte beachten

  • Nicht in der Schwangerschaft: Bockshornklee gilt traditionell als wehenfördernd und wird vielerorts zur Geburtseinleitung genutzt. Arzneiliche Mengen sind in der Schwangerschaft zu meiden; als Küchengewürz ist er unproblematisch.
  • Hülsenfruchtallergie: Als Verwandter von Erdnuss, Kichererbse und Lupine kann er kreuzreagieren, in Einzelfällen schwer. Bei bekannter Allergie nicht ohne Rücksprache.
  • Blutzuckersenkende Medikamente: Größere Mengen können den Blutzucker zusätzlich senken. Neben Diabetesmedikation ärztlich ansprechen.
  • Gerinnungshemmer: Hinweise auf eine Beeinflussung der Gerinnung. Bei Antikoagulanzien oder vor Operationen regelmäßige größere Mengen vorher besprechen.
  • Geruch nach Ahornsirup: Sotolon geht in Schweiß und Urin über. Bei gestillten Säuglingen kann das den Verdacht auf eine Stoffwechselkrankheit auslösen - die Einnahme im Zweifel erwähnen.
  • Abstand zu Medikamenten: Die hohen Schleimstoffanteile können die Aufnahme anderer Wirkstoffe verzögern. Ein bis zwei Stunden Abstand halten.

Diese Seite informiert und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden bitte abklären lassen.

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SourcesWorauf sich das stützt

  1. European Medicines Agency, HMPC: European Union herbal monograph on Trigonella foenum-graecum L., semen - traditional use.
  2. Kommission E, Monographie „Foenugraeci semen“, BAnz Nr. 22 vom 01.02.1990.
  3. Neelakantan N. et al.: Effect of fenugreek on glycaemic control - a meta-analysis of clinical trials. Nutrition Journal 2014.
  4. Cochrane Database of Systematic Reviews: Treatments for breast engorgement and interventions for increasing breast milk production - Übersicht zur Evidenzlage bei Galaktagoga.
  5. Sewell A. et al.: Maple syrup urine odour due to maternal fenugreek ingestion. New England Journal of Medicine 1999 (Fallbericht).